06 / 06 / 2011 - 23:42 Uhr
Vom Nestbeschmutzer zum Kunstbotschafter – oder der Kristall der Resistance
Burkhard Maus
Wie (wenige) kritische und verantwortungsbewusste Künstler so sind, reagieren sie auf problematische Verhältnisse mit ihrer Kompetenz, der Kunst – als ihre Lebensäusserung.
Es ist einige Jahre her, dass politische Verhältnisse in der Schweiz den Künstler Thomas Hirschhorn an- und aufregten. Anlass war u. a. eine reaktionäre Politfigur. Hirschhorn sah sich in der Pflicht, hierauf eine Antwort zu finden, indem er die Ausstellung “Swiss-Swiss-Democraty” in Paris für diese nutzte. Herrschende Kreise der Schweiz reagierten mit der Kürzung von Fördermitteln der die Hirschhorn Exposition unterstützende Stiftung “Pro Helvetia” in Höhe von 1 Million Schweizer Franken.
Dem 1957 in Bern geborene und seit über 20 Jahren in Paris lebende Künstler ging (und geht) es um eine demokratische Haltung als Selbstverständlichkeit – ähnlich der des schweizerischen Photographiekünstlers Michael von Graffenried, der wegen des 2009 beschlossenen Minarettverbotes solange sich einer Ausstellung in der Heimat versagt hat – ausgenommen helvetische Moscheen, bis das Land wieder zur einer die Menschenrechte respektierende Verfassung zurückgekehrt ist.
Hirschhorn, der schon in grossen Häusern wie Jeu de Paume, kestnergesellschaft, Palais de Tokyo, Kunsthaus Zürich und documenta 11 auftrat, wurde im Grunde von den Eidgenossinnen und Eidgenossen verschmäht, galt als Nestbeschmutzer. Er und die Stiftung wurden bestraft. Aber das ist offensichtlich Vergangenheit.
Die Schweiz besann sich dieses bedeutenden Künstlers und ernannte ihn zu ihrem offiziellen Vertreter, der ihren Pavillon mit seiner Kunst repräsentieren sollte. Das liess (und lässt) hoffen, für beide Seiten.
Denn das Ergebnis “Crystal of Resistance”, so der Titel der Ausstellung, ist wohl in ihrer Konzeption und Darstellung wohl einmalig und konsequent. Facettenartig benutzt Hirschhorn den Kristall für unterschiedliche Momenten und Motive.
Er bedeutet Klarheit und bringt Licht, seine Spitze zeigt die Richtung an und die Dynamik als Perspektive. Kristall steht auch für eine Ästhetik.
Sein Schliff mit den gleichen Seiten schaffen Transparenz und bieten Strukturen an von Gleichheit und Klarheit.
Mithin spricht Hirschhorn von gesellschaftlich relevanten Konditionen in ihrer realen Unterschiedlichkeit.
Das fordert auf zu Reflexion und Aktion. Und weil die Schweiz Thomas Hirschhorn bat, sie in Venedig zu vertreten, sollte hierin auch die Hoffnung erkannt werden, so kristallklar eben.
Dass Hirschhorn (und der Pavillon der Schweiz) bei der “Löwen-Ehrung” – obwohl er prädestiniert war – leider leer ausging, bedeutet ebensolche Klarheit – bis 27.November 2011, Biennale Venedig.
06 / 06 / 11 - 23:42 Uhr

























Ich weiß gar nicht, warum´s hier so fein zugeht!? Ich als mi...
Hallo Herr Maus, Ihre Bilder sind fantastisch gut. Vielen ...
Guter Bericht mit ausgezeichneten Fotographien über die Werk...
Classes are fun for kids. Musclehedz A cartoon series, stret...
Klamauck mit ck? Und von welchen "Massen" gehen die Veransta...
Hallo Herr Maus, ich finde es sehr schade, dass Sie Ihre...
Hervorragende Ausstellung!...
allet jute men jong :D...
Toller Artikel. Danke. Macht weiter so!...
Tony Craigg macht klasse Skulpturen. Bin immer wieder begeis...