29 / 11 / 2010 - 16:11 Uhr

V wie von Eden oder: Gott mündet nicht mehr in den Dingen, sondern die Dinge münden in Herr von Eden

Florian Waldvogel

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Seit Wochen lässt mich der arme Teufel mit seinem Zwillingskätzchentattoo nicht mehr los, den ich auf der Mad Men-Party getroffen habe. Auch sein Gedicht beschäftigt mich seitdem:

„Herausgerotzt, gekotzt, geschissen / seid ihr aus Satans giftiger Galle / Auf euch zu scheißen und zu pissen / das ist mein Wunsch in diesem Falle / denn das was ist, ist was ich hasse / es ist das Einzelarschloch und die breite Masse."

Warum entwickeln Menschen immer nur diese Beichttalente in meiner Gegenwart? Weil sie vielleicht Erbarmen in meinen Augen lesen? Oder war ich nur ein Testgelände für seine extremen Seelenzustände? Ich glaube, er ist reif für die Korbflechtgruppe. Dummerweise habe ich mir seinen Namen nicht notiert. Also, wenn Du diese Zeilen liest, oder Sie werter Leser wissen, von wem ich spreche, dann melde Dich oder leiten Sie ihm bitte diesen Link weiter.

Er muss sich doch seine brüderliche Erinnerung nicht entfernen lassen. Wir gehen gemeinsam zu Herr von Eden und kaufen ihm einen Anzug! Denn wenn man einen solchen Anzug trägt, wird einem bewusst, dass das Verhalten und Handeln nicht im Rückgriff auf imaginäre Erinnerungen erklärt werden kann, sondern nur in Bezug auf die Gesetze des Symbolischen, die sich in der Wiederholung verwirklichen.

Die psychoanalytische Theorie des Unbewussten impliziert aber auch eine Konzeption des Gedächtnisses. Herr von Eden ist nicht nur ein Ort, an dem in Erinnerung zurückgegangen wird. Das Unbewusste wird Schauplatz, von dem die Wiederholung als „Vorwärtserinnern“ ausgeht, und zugleich ist es der verschlossene Bereich, den das Subjekt durch seine Erzählung, das Tragen dieser wunderbaren Textilien, wieder beleben kann.

Was den menschlichen Körper angeht, wusste bereits Hegel, dass er (der Körper) zum Anzug in einem Bedeutungsverhältnis steht. Der Anzug ist nicht bloß sinnlicher Gegenstand, sondern gewährleistet den Übergang vom Sinnlichen zum Sinn. Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten hatte Sigmund Freud gesagt. Mit Herr von Eden müsste dieses Programm „Wiederholen, Erinnern, Durcharbeiten“ heißen. Die Wiederholung geschieht durch die Handlung, mit der gleichzeitig Erinnerung produziert wird. Herr von Eden präsentiert Wiederholung als ein Gegenstück zur Erinnerung. Das Erinnern gleicht dem Imaginären und die Wiederholung hingegen dem Symbolischen.

Um die Wiederholung konstruktiv zu halten, muss man den Moment des Verlustes anerkennen, der die Differenz bedingt. Die Wiederholung holt nicht dasselbe wieder, sie erinnert an das Gleiche, das eben nicht identisch ist, und zeigt damit auch das auf immer Verlorene im Wiederfinden. Haute Couture muss nicht immer französisch sein. Damit meine ich aber nicht, dass alles bei Freud anfängt und bei Lacan aufhört, mein Zwillingskätzchentattoo-Freund.

29 / 11 / 10 - 16:11 Uhr

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