25 / 11 / 2010 - 22:55 Uhr

Ausstellungstipp: Jan Köchermann: „Dead End Lopes“ in der Kunsthalle Göppingen

Melike Bilir - Oliver Ross & Friends

Vernissage am Freitag, den 26.11.2010

Ausstellungsdauer: 26. November 2010 – 16. Januar 2011

von Izabela Dabrowska-Diemert

Jan Köchermann ist in Hamburg in den vergangenen Jahren durch eindrückliche großformatige Installationen und Projekte im öffentlichen Raum aufgefallen. So hat er beispielsweise noch während des Studiums einen 10m langen Schacht – den sog. „Ur“-Schacht, in das Dachgeschoss des Hauptgebäudes der Hochschule für Bildende Künste gebaut (Schacht 1, 1996), der sich durch eine Fensteröffnung vom Treppenhaus offen in den Außenraum fortsetzte. 

Jan Köchermann, 2a Restschacht, 2002, (Kaispeicher A, Hamburg) Konstruktion aus Trockenbauwänden, 300 x 410 x 700 cm

Jan Köchermann, Schacht 1, Hfbk Hamburg 1996, Konstruktion aus Trockenbauwänden

Eine ähnliche Konstruktion installierte der Künstler 2002 im Hamburger Kaispeicher A. Wie Schacht 1 war Schacht 6 auch derart konzipiert, dass er sich vom Inneren der Architektur ins Freie erstreckte und dementsprechend über dem Elbkanal endete. Ohne gesichert zu sein, konnte  die Installation von den Besuchern auf eigenes Risiko betreten werden und implizierte somit ein radikales partizipatives Element, das den Rezipienten in die Verantwortung nahm und den reinen Kunstgenuss in ein riskantes und reflexives Moment überführte.

Jan Köchermann, 2a Restschacht, 2002, (Kaispeicher A, Hamburg) Konstruktion aus Trockenbauwänden, 300 x 410 x 700 cm

Jan Köchermann, 2a Restschacht, 2002, (Kaispeicher A, Hamburg) Konstruktion aus Trockenbauwänden, 300 x 410 x 700 cm

Köchermann arbeitet stets ortsspezifisch, wie auch im Falle seiner Unterführung 1 von 2004, die aus einem exakten Nachbau des Fahrradtunnels Sechlingspforte  im Hamburger Stadtteil St. Georg bestand, den der Künstler nicht nur in den Kunstraum Düsseldorf  transferierte, sondern auch in den öffentlichen Raum, wie etwa den Skulpturenpark City Nord, Hamburg, wo auch Konzerte mit unterschiedlichen Musikern stattfanden (Oratorium, seit 1996).

Jan Köchermann, 1a Unterführung, 2006, (Skulpturenpark City Nord, Hamburg), Holz-Stahlkonstruktion, 260 x 550 x 3000m

Jan Köchermann, 1a Unterführung, 2006, (Skulpturenpark City Nord, Hamburg), Holz-Stahlkonstruktion, 260 x 550 x 3000m

Eine der spannendsten – und zugleich politischsten – Aktionen im urbanen Kontext stellte Köchermanns Projektserie Öffentliche Steckdosen von 2004/2005 dar. Wie der Titel bereits besagt, handelte es sich dabei um Steckdosen, die der Künstler illegal an unscheinbaren und im Alltag von dem üblichen (konsumorientierten) Passanten eher gemiedenen „Nicht“-Orten installierte, wie z.B. unter Treppenaufgängen oder vor verwahrlosten Unterführungen, und auf diese Weise beispielsweise Obdachlose mit Strom versorgte oder Auftritte von Bands an ungewöhnlichen Orten (z.B. auf Bahnsteigen) ermöglichte.

Nun sind Köchermanns raumgreifende Installation ab kommenden Freitag bis zum 16. Januar 2011 in einer Solopräsentation in den 500qm großen Räumen des Göppinger Kunstvereins zu sehen. 

Jan Köchermann, 2010, Dead End Lopes, Aussenansicht, Göppinger Kunsthalle 2010

Jan Köchermann, 2010, Dead End Lopes, Aussenansicht, Göppinger Kunsthalle 2010

Jan Köchermann, 2010, Dead End Lopes, Innenansicht, Göppinger Kunsthalle 2010

Jan Köchermann, 2010, Dead End Lopes, Innenansicht, Göppinger Kunsthalle 2010

http://www.kunstverein-goeppingen.de/html/_kunsthalle.html

Zu seinem Werk erschien bei Hatje Cantz in diesem Jahr auch ein umfassender Werkkatalog.

http://www.hatjecantz.de/controller.php?cmd=detail&titzif=00002564


25 / 11 / 10 - 22:55 Uhr

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