13 / 10 / 2010 - 12:43 Uhr

Glück im Hühnerstall

Dorothea Sundergeld

Bild 1

"Nogg" Hühnerhaus von Matthew Hayward

Das Trendthema Nachhaltigkeit brachte uns die staatlich geförderte Verschandelung von Dörfern mit Solarzellen, Sustainability-Blogs, die uns empfehlen, Wäscheleinen zu benutzen statt Trocknerautomaten – und nun dies: Design-Hühnerställe ...

Wenn irgendjemand empfänglich ist für die Idee, das kein Bereich unseres alltäglichen Lebens perfekt ist – ich bin es. Aber bei aller Liebe: Hühnerställe? Die waren bisher in ihrer Zweckmässigkeit kaum zu übertreffen. Bis Frederic Roijé, Absolvent der Eindhoven Design Academy, im April in Mailand seinen „Breed Retreat“ vorstellte: einen eleganten Hühnerverschlag aus dunklem, Holz auf mehreren Ebenen, mit Panoarafenstern und eleganter Austrittrampe. Von Alain de Botton wissen wir, das Architektur Menschen glücklich machen kann. Warum nicht also auch Tiere? Das urbane Avantgarde-Huhn geht im puristischen Ambiente eines modernen Stalls gleich ein wenig aufrechter – und bemüht sich bestimmt um die schmackhaftesten Eier.

Wellness fürs Geflügel: "Breed Retreat" von Frederic Roijé

"Breed Retreat" von Frederic Roijé

Frederic Roijé machte mit seinem
„Breed Retreat“ im Frühjahr den ersten Schritt, der britische Designer Matthew Hayward legte im September auf der Designmesse Tent London nach mit seinem eiförmigen Hühnerstall „Nogg“. Handgemacht in Großbritannien „aus duftendem Zedernholz, das von Natur aus antibakteriell wirkt“ und einem Glasdach, das aufgedreht werden kann, um frische Luft ins Hühnerhaus zu lassen. In seiner Presseinformation tut Hayward kund, das Hühnerhaltung seit 18 Monaten ganz groß im Kommen sei. Und auch das Londoner Lokalblatt „Brompton Quarterly“ macht „Rurbanism“ (die Sehrnsucht der Städter nach Ländlichem) als Trend der Stunde aus. Der Metropolenmensch holt sich gern heile Welt und ein gutes Nachhaltigkeitsgewissen ins krisengebeutelte Heim, indem er auf dem Balkon einen Komposteimer installiert und auf der Verkehrsinsel vor seiner Tür Ruccolapflanzen setzt. In New York isst man Honig von der Eagle Street Rooftop Farm in Brooklyn, in Berlin-Kreuzberg wird Gemüse im Stadtgarten angebaut, in Paris wird ein Bienenkorb auf der Opera Garnier kultiviert, und dessen Miel de l’Opera im Feinkostladen Fauchon verkauft. Matthew Hayward fertigt „Nogg“ übrigens von Hand auf seinem Grundstück am Rande der Luton Airport Landebahn, zwischen Kühen und Hühnern. Vielleicht sollte er seinen eierlegenden Freunden einen Gehörschutz basteln, das macht sie vermutlich noch glücklicher als Zedernduft.

13 / 10 / 10 - 12:43 Uhr

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2 Leserkommentare vorhanden

Konrad Kopilot

13:25 Uhr  

13 / 10 / 2010 // 

Nachhaltigkeit ein Trendthema? Tschuldigung, ist das nicht ein Widerspruch?

Kerstin

10:09 Uhr  

16 / 10 / 2010 // 

Wieviel Design braucht der Mensch eigentlich noch, sind wir nur noch abhängig von immer besser, immer skuriler, immer plastischer.
Wo ist noch das Tatsächliche?
Wo ist wirklich der Zweck, sind wir eigentlich überhaupt noch zufrieden zu stellen?
So langsam hängt alles im Widerspruch!