11 / 07 / 2010 - 2:28 Uhr

....DRECKIGE WÄSCHE WÄSCHT MAN AM BESTEN MIT SCHWARZGELD (JOSEFSOHN)..oder neulich bei der Fashion Week 2010 , Berlin

Daniel Josefsohn

NEULICH MIT ARMANI , FASHION WEEK BERLIN SUMMER 2010

interview by Jan Joswig
........Reinstürzen, draufhalten, losschiessen. Das ist der künstlerische Dreisatz von Daniel Josefsohn. Deutschlands unerschrockenster Fotograf hat Haltung. Die kann keine Technik ersetzen. Der Sohn eines Hamburger Nachtleben- Unternehmers und ehemalige Skater wurde 1995 bei der breiten Masse mit seiner „Miststück“- Kampagne für MTV bekannt. Die spitze Zielgruppe fand sich in dem Foto „Die neue S-Klasse“ wieder, das Teenie-Göre Julia Hummer in rotweisser Sternen- Lederhose beim Erkraxeln eines gigantischen Mercedes-Sterns zeigt. Das Motiv verkörperte genau die freche Egal-Haltung von Raving Society und Slackern: Wir eignen uns den Stern jetzt mal an, keine Ahnung, wieso. Als Modefotograf erhielt Daniel Josefsohn beim deutschen Medienpreis „Lead Award“ zweimal Gold, für die Fotostrecke „Dear Miss Darwin“ 2007 und die Anzeigenkampagne „Half Wild, half Child“ für das Modelalbel „Herr von Eden“ 2010. Dabei versteht er sich nicht als Modefotograf, versteht nichts von Mode, hält nichts von Make Up oder Models. Wenn er für eine Modestrecke einen Skater fotografiert, dann nur mit Schweissrand im Schritt der Shorts. Mode muss knallen, damit sie sein Interesse weckt, gerne politisch, wie bei seiner Strecke „Jewing Gun“, die unter anderem ein israelischer Soldat zeigt, unter deren Helm der Schirm einer Louis-Vuitton- Kappe hervorlugt. Am liebsten arbeitet er mit Freunden wie DJ Hell, Bent Jensen von „Herr von Eden“, dem Maler Ulrich Lampsfuss, der Musikerin Peaches oder dem  Terranova- Produzenten Fetisch zusammen, dessen Hund Rocco der beste Kumpel von Daniel Josefsohns Setter Jesus ist. Nacktheit hält er oft für die angemessenere Lösung als Bekleidung. Gerade hat er mit einem roten Hundeplastikspielzeug seine erste Porno strecke fotogafiert . Nur Terry Richardson soll gefälligst seinen Hengstkolben einpacken, der macht einen sonst noch ganz kleinlaut. Dabei kann Josefsohn locker über Penisneid und jeglichem sonstigen Neid stehen. Seine künstlerische Bedeutung als Fotograf wurde dieses Jahr offiziell besiegelt: Im Mai ehrte ihn der Kunstverein Hamburg mit seiner ersten Soloausstellung.

Du wirst bei jeder Erwähnung spätestens mit dem zweiten Attribut als Modefotograf eingeführt. Siehst du das als Missverständnis? Ja, völlig! Zum beispiel  Als ich mit Tatjana Patitz fotografiert habe, musste Jesus mein Hund  mir das Shooting retten , da ich mit ihr alleine nix anfangen konnte

Peter Kisur von der "Honey-Suckle Company" liebe ich, weil er eher Künstler als Stylist ist. Allerdings bin ich sehr, sehr stolz, dass ich als einziger Deutscher neben Mario Testino, Mario Sorrenti und Matt Jones für „Hugo Boss“ die Kampagnen fotografiere.Aber mit Klamotten kannst du was anfangen?Ich kaufe mir niemals was in Deutschland. Ich würde nie auf die Idee kommen, shoppen zu gehen. Vor fünf Jahren habe ich mich in den USA bei der Heilsarmee unglaublich gut eingekleidet – für 16 Dollar. Ich schiesse gerade 45 Seiten Mode für den „Musikexpress“. Da bekommt jedes Model aber nur ein Mode-Teil als Add On. Meine beste Modeproduktion, die auch noch politischen Content hatte, war „Jewing Gun“. Das war für mich eine geile Produktion mit Aussage. Sebastian Mayer und ich haben in Tokio Fotos von Chanel-, Herme`s-, Dior-Schmuckstücken übergross auf Pappe aufgezogen und mit Obdachlosen fotografiert. Das wollte die „Zeit“ für ihr Modespezial aber nicht drucken. In Japan kann man im Obdachlosenmilieu noch fotografieren. In Los Angeles würde man abgestochen werden.

Interessieren dich einzelne Designer?

Wüsste ich nicht. Fetisch könnte dir jetzt 20 aufzählen, ich nicht. Ich trage gerade gerne ein Chirurgenoutfit von meiner Nachbarin, der Pathologin aus dem dritten Stock. Du bist kein Kreativer mehr, du bist Arzt. Switched Identity. Seit 30 Jahren bin ich Bomberjacken- Fan. Ich habe sechs Stück von verschiedenen Armeen;  immer geil. Bomberjacke und Talid, das ist  Standard. Oder auch diese Hose, die ich trage, ein Euro in China. Ich habe auch noch eine alte Mao-Jacke vom Pekinger Flohmarkt. Ein bisschen Uniform finde ich schon ganz gut. Ich bin sehr dafür, die Schuluniform wieder einzuführen. Da gibt’s dann nicht mehr: „Eh, Alter, gib mir deine Nikes.“ Japanische Schuluniformen sehen sehr sexy aus. Daran würde ich mich orientieren.

Hattest du bei „Die neue S-Klasse“ mit Julia Hummer von vornherein geplant, mit der Sternen- Hose auf das Berliner Europacenter zu klettern?

Es ist in Hamburg gewesen. Der Europacenter-Stern ist 20-mal grösser…

Du platzierst auch direkt Aussagen, wie bei dem Foto mit dem Stars-and-Stripes-Shirt, unter dem die Zeile steht: „Dieses T-Shirt wehrt das Böse ab“.

Das hat die auftraggebende Redaktion draufgesetzt. Mit der Headline hatte ich nichts zu tun. Ich wusste aber, worum es geht, der Eingriff war okay. Ich mochte das T-Shirt, ich trug es immer als Kind, um 1972 fast ununterbrochen. Die Fotostrecke stammt noch aus der Zeit vor Bush, da war Amerika noch okay. Jetzt würde ich das nicht mehr machen.

Sagt dir als Mann mit jüdischem Hintergrund der orthodoxe jüdische Look etwas?

Liebe ich! Die Männer – wenn ich schwul wäre, würde ich mich in solche Mini-Rabbis verlieben, die sehen sehr sexy aus. Solche Schläfenlocken hätte ich auch gern. Die Rabbis tragen keine T-Shirts mit dusseligen Aufdrucken. Wenn ich einen Kinderrucksack sehe, auf dem das Schüler-Gekrakel schon ab Werk aufgedruckt ist, könnte ich die Modekonzerne exekutieren. Die Kids haben eh wenig Phantasie, damit wird sie komplett abgestellt. Das ist der Belzebub persönlich, der Todmacher. „I love you“ in Kinderhandschrift ab Werk, ich konnte es nicht glauben.

Du bist gerade von einem „Thrasher“- in ein „Skateboard Magazine“-Shirt gewechselt. Ist die Skateboardszene immer noch deine geistige Heimat?

Ja, das war immer so. Mein erster Gedanke beim Einzug in meine Remise war, ich baue mir eine Halfpipe in den Hof. Ich könnte von der Dachrinne reindroppen. Ich bin Berufsjugendlicher – und das auch gerne. Ich habe auch so einen Job, wo das gut geht. Ich muss mich nicht rasieren und chic anziehen, wenn ich einen Auftrag habe. Ein Hemd, das ist das höchste Zugeständnis. Mein Hund ist eigentlich der einzige gut Gekleidete. Er trägt Louis Vuitton. Das gleiche Halsband wie der Hund von Fetisch. Rocco und Jesus lieben sich.

Findest du nackte Körper ausdrucksstärker als angezogene?

Es macht das Arbeiten einfacher. Viele Girls haben so eine Scheisse an. Dabei sehen sie so gut aus, haben so tolle Bodies. Wenn die nackt wären, wäre es viel einfacher.

Wenn du dich nackt präsentierst, ist das eine Kampfansage an die normierten Körper? Du hast eine ähnliche Figur wie Jürgen Teller…

Ich weiss nicht… Jedenfalls habe ich einen kleineren Penis als Terry Richardson. Ich kann damit nicht so angeben. Ich messe mich aber auch  nicht mit irgendwelchen Terrys oder Tellers. Ich kaufe mir keine Zeitschriften und gucke nicht was andere so machen.

Interview by :  JAN JOSWIG

Photo by : JOSEFSOHN.COM / Shirt : ELTERNHAUS VINTAGE / TÜGEL

http://www.berlinfashion.tv/media/uploads/daily_01_screen_doppel.pdf

11 / 07 / 10 - 2:28 Uhr

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