02 / 06 / 2010 - 22:33 Uhr

Kunstpreis für ganz junge Künstler

Baden Brothers

Seit dem ersten „Starte ins Weltall“ – jugend creativ – Wettbewerb 1969 fördert der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken die Nachwuchskünstler

Blick in die Jurysitzung im BVR Hauptgebäude in Berlin (Foto:BVR)

Blick in die Jurysitzung im BVR Hauptgebäude in Berlin (Foto:BVR)

Es ist üblich, bei jungen Künstlern mit besonderer Aufmerksamkeit auf den Jahrgang zu achten, um dann zu bemerken: Oh, soo jung, wo kommt der denn her? Nur Jahrgang 2003, das macht schon stutzig – wer will da wohin? Diese Generation und einige davor spielen mit in der jüngsten Kunstszene, deren Nachwuchspotential vom „jugend creativ“ Wettbewerb seit 40 Jahren ausgelotet wird. Länger gibt es in Deutschland nur die documenta und den Kölner Kunstmarkt, was die Top-Ten des internationalen Kunstmarktes angeht. Der BVR – jugend creativ Wettbewerb – ehrt schrittweise seine Preisträger aus Deutschland, Luxemburg, Österreich, der Schweiz und Italien/ Südtirol bis zur höchsten internationalen Vergleichsebene. Vergangene Woche fand im BVR Headquarter in Berlin die Jurysitzung statt, an der ich auf besondere Einladung gerne teilgenommen habe.

Die Jurymitglieder Prof. Dr. Dietrich Grünewald, Prof. Hans Daucher, Thomas Egelkamp, Prof. Dr. Klaus-Ove Kahrmann (Foto: FGS)

Die Jurymitglieder Prof. Dr. Dietrich Grünewald, Prof. Hans Daucher, Thomas Egelkamp, Prof. Dr. Klaus-Ove Kahrmann, im Bild fehlen Prof. Heidrun Richter und Janina Arlt (Foto: FGS)

Schließlich kommt man nicht alle Tage in den Genuss, Kunstwerke, die fast ohne jede kunsthistorische Voreingenommenheit und Szenehype entstanden sind, zu betrachten und zu bewerten. Ganz zeitgenössisch und dem „handelnden“ Künstlertypus angepasst hat der BVR-Werbe-Think-Tank in diesem Jahr den Klimawandel zum zentralen Thema erkoren und international Kinder und Jugendliche zum denken und zu Tatendrang gereizt. In Zeichnungen, Collagen, Malerei, Kurzfilmen und vorbildlichen mixedmedia Kunstwerken haben sich die Jahrgänge einer Dekade künstlerisch zum aktuellen Umweltthema engagiert. Von der ersten bis zu vierten Klasse sieht man es den Kunstwerken auch an, mit welcher Freiheit sich die fleißigen Schüler dem abstrakten Thema „Mach dir ein Bild vom Klima!“ angenommen haben. Zu sehen waren erstaunlich wenige Eisbären oder Pinguine, vielmehr scheinen die Kinderlein die Abstraktion der Klimakatastrophe sehr buchstäblich zu verstehen und reflektieren ihren Beitrag zur Operation Rettung. Das Ergebnis fällt entschieden positiver aus als die Versuche der BP-Ingenieure, das verdammte Ölbohrloch am Grunde des Golfes von Mexico zu stopfen. Die Ergebnisse des Wettbewerbs können sich sehen lassen, sie zeigen viel Radsport, sparsame Badezimmersessions, Regenwassersammler, massig Energiesparlampen, Offshore-Windparks oder Elektroautos. Nur wenige Dystopien sind nach vorne juriert worden, z.B. graue Städte im Smog und Tropenholzräuber. Appropriation-Art ist in den höheren Klassenstufen trendy und ein überzeugendes Siegerbild stammte von der Gymnsasiastin Anna Czajkowska aus Wipperfürth, die sich in einer detaillierten Bleistiftzeichnung dem „Floß der Medusa“ von Theodore Gericault angenommen hat und den Meereshorizont in ihrem Werk durch die Skyline eines Mega-Industriegebietes ersetzt hat.

Anna C., 2. Siegerin, Stufe V, 13. Klasse

Anna C., 2. Siegerin, Stufe V, 13. Klasse

Dunkel und wahrhaftig bleibt die Metapher des kannibalischen Untergangs der französischen Kolonialtruppen 1819 aktuell, wenn hierzulande schon  der Bundespräsident für sein Pro zur Rüstungsindustrie und zum Kampfeinsatz der Bundeswehr die Flinte ins Korn werfen muss. Die junge Kunst bleibt also – ganz beruhigend – politisch interessiert und formuliert gelungene Kommentare zum Status-Quo unserer Risikoanlagengesellschaft. Der Wettbewerb fördert aber  vor allem die positive Energie der jungen Künstler und bringt das kreative Potential der künftigen Klimadesigner und Umweltingenieure prima zur Geltung. Nebenbei lassen sich in den Kunstwerken der Oberstufen auch einige Talente entdecken, die sicherlich in Zukunft im Feld der Profi-Kunst wiederkehren werden und sich hoffentlich bald an einer unserer Kunsthochschulen immatrikulieren. Zu verdanken ist der nachhaltige Erfolg des Jugendwettbewerbes nicht nur der Begeisterung der jungen Künstler und ihrem Wunsch nach Lob und Budget-Tuning, sondern auch dem Engagement des BVR, der dem Nachwuchs Kredit gibt und seine Förderung zugleich bei den Jung-Profis fortsetzt, neuerdings mit dem heiß begehrten Blau-Orange Kunstpreis, der im Herbst wieder verliehen wird.

02 / 06 / 10 - 22:33 Uhr

Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • TwitThis
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • Furl
Kommentieren Sie diesen Artikel

1 Leserkommentar vorhanden

Solveig

17:01 Uhr  

04 / 06 / 2010 // 

Cool, ein neuer Bericht! Hab ihn aber nur per Zufall gefunden, da ich gerade nach Meistern der Selbstinszenierung suche. Schade, dass der Art- blog nicht mit facebook vernetzt ist, sonst könnte man streuen.
Viele Grüße