26 / 05 / 2010 - 10:22 Uhr

Brauchen wir noch einen neuen Stuhl? (II)

Dorothea Sundergeld

Warum einen Stuhl kaufen? (Foto: Thomas Rusch)

Von den Ayoreo-Indianern zu Allen Jones (Foto: Thomas Rusch)

Einer der wesentlichen Beiträge zu dieser Frage kommt in diesem Jahr vom chilenischen Architekten Alejandro Aravena. Getreu seinem Prinzip der „Irreducibility“ machte sich im Auftrag des Sitzmöbelherstellers Vitra auf die Suche nach einem Stuhl, an dem nichts mehr reduziert werden kann. Und landete direkt auf der wohl ältesten Sitzgelegenheit der Menschheit – dem Boden.

Bild 1

Damit es dort etwas gemütlicher wird, hat Aravena „Chairless“ entworfen, einen 85 cm langen Gurt, den man sich um Knie und Rücken schlingen kann. Die Idee stammt von den Ayoreo Indianern, die in Paraguay und Bolivien leben. Sie knoten sich schon seit Menschengedenken ein Stoffband um Knie und Rücken und kommen damit gut zurecht. Und weil auch ein Designer diesem perfekten Teil nichts bahnbrechendes mehr hinzufügen kann, lässt Vitra anstandshalber einen Teil des Gewinns an die Foundation of Indigenous communities in Paraguay überweisen. Da ist ja alles schön. Nur die Beispiele auf der Chairless website, wo Fans aufgefordert werden, sich mit Anwender-Fotos zu verewigen, sind entsetzlich fantasielos. Wir hätten da noch eine andere Idee, inspiriert von Allen Jones.

26 / 05 / 10 - 10:22 Uhr

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Kommentieren Sie diesen Artikel

3 Leserkommentare vorhanden

jean

13:37 Uhr  

30 / 05 / 2010 // 

typische verweigerungshaltung der möbelindustrie!

Francis Koschonnek

1:42 Uhr  

31 / 05 / 2010 // 

Wir brauchen immer noch einen Stuhl. Sogar einen Heiligen. Orientierung und Werte sind zeitlos. Zur Abgrenzung des Seins vom Nicht-Sein braucht es das Nichtsein.Die Existenz des Stuhls bedingt also auch eine Existenz des Nicht-Stuhls (oder ein punktuelles Nicht-Vorhandensein eines Stuhls). Letztlich muss es auch umgekehrt sein, sobald die Idee von einem Stuhl in der Welt ist. Stühle kommen und gehen, der Stuhl an sich – als Idee – bleibt.
Stuhllosigkeit ist vermutlich nicht revolutionär. Für den Rousseauianer mag sie die Wende zum Besseren, zum Zurück zur Natur symbolisieren. Aber eine Welleninterpretation ist meiner Einschätzung nach plausibel: Auf Zeiten ohne Stühle folgt eine Zeit mit funktionalen Stühlen, folgt eine Zeit mit noblen Stühlen, folgen Zeiten mit kreativ-künstlerischer Vielfalt an Stühlen, folgt das Zurück zur Stuhllosigkeit. Der Stuhl als Ausdruck der Kontinuität der Veränderung. Der Stuhlkreis des Lebens.

langdon

20:26 Uhr  

07 / 03 / 2011 // 

Hallo,

wir finden den Artikel sehr interessant!
Viele Grüße
langdon