10 / 05 / 2010 - 15:51 Uhr
Wo bleibt denn da die Ordnung?
Till Briegleb

Ein Tempel für Papas Liebling
“Wie sieht das denn aus?”, denkt Heinz-Peter Schlicht in der deutschen Bundesbehörde für Parkhausgestaltung, Abteilung Sichherheit, Optimale Platzausnutzung und Beton. “Das stimmt ja gar nichts.” Da hat der Experte natürlich recht. Vergeudeter Luftraum, fehlende Stahlbetonreling, sinnlose Stützformen, Energieverschwendung durch freundliche Beleuchtung und dann auch noch Kunst. Das gehört verboten. Denn das richtige deutsche Parkhaus sieht ganz anders aus, nämlich…
so:

Hier stimmt alles: Stumpfes Raster, Autos in Reih und Glied, Neonbeleuchtung wie in einem pakistanischen Folterkeller, dazu ein bisschen gepflegtes Grün mit Dornen und ein Hochhaus, das auch so denkt. “Vielversprechender Ansatz”, denkt Heinz-Peter Schlicht. “So machen wir das”. Dann liest er erleichtert, wo der gelbe Wackelstapel von Herzog & de Meuron steht, und er denkt: “Miami. Sollen die dort doch ihr Schwuchtel-Design für Brilli-Schauckeln machen, wo Chanel No 5 aus dem Auspuff tropft und Frauen mit ihren Brüsten die Scheiben einseifen. Bei uns wird das nie erlaubt. Niemals!”
Da hat Heinz-Peter Schlicht nun nicht mehr ganz so recht, denn seit Deutschland in der EU ist, kann man Parkhäuser auch ganz anders bauen. Zum Beispiel wie BIG in Kopenhagen. Da werden die treuen Vierrad-Freunde gebirgsmäßig und in M.C.-Escher-Verwirrung gestapelt, sind umgeben von bunten Farben und absurden Gemälden, und am Wochenende kann es schon mal passieren, dass Papa das Auto mit ins Ehebett nehmen muss, weil dann auf den Decks ne riesen Party steigt.

Deko für eine Parkhausparty in den Mountain Dwellings von BIG in Kopenhagen

Kreuz und Quer macht auch was her
Auch in Paris kann man direkt neben Etoile wundersame Reisen in die Unterwelt machen, wo Edouard Francois die Alptraumfluchten mit Farbe und Gewächshausschächten filmisch aufbereitet hat.

Kleiner Vorgeschmack auf das postatomare Zeitalter: Wuchernde Gewächse untertage
Aber selbst das gute alte deutsche Parkhaus erlaubt einige Schnörkel.

Was Schönes aus Braunschweig

Gibt's auch in Kassel
“Das ist ja Wahnsinn”, denkt Heinz-Peter Schlicht: “Da muss man ja sofort einschreiten!” Leider zu spät. Denn mittlerweile ist es sogar erlaubt, dass Wohnhäuser wie Parkhäuser aussehen und das Auto auf dem Balkon steht. Echt war Heinz-Peter. Hier ist der Beweis:

Wohnhaus in Amsterdams Hafen von MVRDV
Da dreht Heinz-Peter Schlicht aber völlig durch. Er geht ins Parkhaus, steigt bei summenden Neonröhren und dem Geruch von ausgelaufenem Öl und Babywindeln in seinen piccobello Kleinwagen und setzt den Fuß aufs Gaspedal, denn wie sagte irgendwer mal so schön: Zwischen Ordnung und Unordnung wählt der deutsche Beamte immer die Gewalt.

10 / 05 / 10 - 15:51 Uhr












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