01 / 04 / 2010 - 12:17 Uhr

Hans-Jürgen Diehl: Evergreen

Thomas Wulffen

Es gehört zu den unausrottbaren Standards des Kunstfeuilletons: Altes Herz, junges Werk. Was daran wahr ist, erschliesst sich nur im Einzelfall, in den dann auch die Vorlieben und Abneigungen des jeweiligen Kritiker bzw der jeweiligen Kritikerin einfliessen.

So gehört für mich das Werk von Hans-Jürgen Diehl einer anderen Zeit an, die ich nicht wirklich erlebt habe. Meine 'education sentimentale' in Berlin beginnt mit dem Büro Berlin um das Dreigestirn Raimund Kummer, Hermann Pitz und Fritz Rahmann. Natürlich hat man die 'Kritischen Realisten' wahrgenommen, damals im Westen der Stadt Berlin, in der damaligen Staatlichen Kunsthalle in der Nähe des Bahnhofs Zoo. Aber letztendlich stand einem der Realismus des 'Büro Berlin' sehr viel näher.

Doch dann plötzlich taucht der Namen H.J. Diehl wieder auf im Zusammenhang mit einer Galerie, die sehr aktuell arbeitet und den schönen Namen 'Campagne première' trägt. Weil ich Bildmaterial von Marco Poloni brauchte und ich gerade in der Ecke war, schaute ich vorbei, in einem Hinterhof der Chausseestrasse: Eine kleine, aber feine Galerie und plötzlich sehe ich diese Bilder, die nur sehr entfernt an den H.J. Diehl der frühen Jahren erinnern, und mir wird klar, dass diese Ausstellung an diesem Ort mit diesen Bildern wunderbar passt. Und gleichzeitig erinnere ich mich wieder  meiner eigenen Irritation als ich die beiden Namen zum ersten Mal zusammen gelesen hatte.
Aber dieser Diehl ist ein ganz anderer als der des Kritischen Realismus. Denn diese Bilder sind sowohl figurativ als auch abstrakt und das macht ihre Stärke aus: der Realismus wird abstrakt, die Abstraktion realistisch. Das muss man gesehen haben.

So kann der Evergreen, hier im doppelten Sinne des Wortes, seine Gültigkeit bewahren.

01 / 04 / 10 - 12:17 Uhr

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