11 / 03 / 2010 - 14:55 Uhr

Q wie Questions & Answers

Florian Waldvogel

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Unser kleiner Ausflug nach Wien führte uns über die Dunhill-Raucherlounge in Fuhlsbüttel ins „Element6“, die aktuelle Ausstellung von Christoph Büchel in der Wiener Secession, und gleichzeitig ein schnuckeliger Swinger-Club. Ziel unseres Ausflugs war die Recherche für eine PorNO-Ausstellung, die der Kurs im Winter 2010 in Hamburg plant. Hierfür wurde ein Fragenkatalog entwickelt, dessen Beantwortung durch die Besucher des Swinger-Clubs die letzten Ergebnisse für die Realisierung des Projekts liefern sollte.

Die ganze Angelegenheit stellte sich schwieriger dar als erwartet, da man einen heterosexuellen Swinger-Club normalerweise immer mit gegengeschlechtlicher Begleitung aufsuchen muss, unser Kurs aber einen einseitigen Überhang an Männern aufwies. Aber in unserem Fall war es kein Problem, im Kunstkontext ist eben alles möglich. Da wurde eine Ausnahme gemacht.

In einem Swinger-Club darf man machen was man von YouTube so kennt: Double-Penetration, Ass to Mouth, Facials, Bukkake, Creampie etc., das ganze Programm also. Aber wir waren ja nicht nach Wien gefahren, um de Sades Bücher in die Wirklichkeit zu übertragen, sondern um unseren Intellekt zu schärfen und der möglichen Kritik an dieser Ausstellung mit Fakten gegenüberzutreten.

Leicht bekleidet machten wir uns auf den Weg in den Bar-Sauna-Tabledance-Himmelbett-Pool-Bereich und ließen uns von den Antworten der anwesenden Gäste überraschen.

Q: Warum wirkt ein Pornofilm stimulierend?

A: Weil es geil ist. Du siehst Sachen, die kannst du mit deiner Freundin oder Frau so nicht machen. Kennst du den Film „Reine Nervensache“ mit Robert de Niro? Da wird de Niro von seinen Psychiater gefragt, warum er neben seiner Ehefrau noch eine Freundin hat. De Niro begründet es damit, dass seine Frau ihm keinen blasen darf, weil sie mit dem selben Mund seine Kinder küsst. Und so ist das mit Pornofilmen auch.

Q: Und stimuliert analog dazu ein filmischer Banküberfall zum tatsächlichen Diebstahl?

A: Wenn ich Geld brauche gehe ich arbeiten. Ob ich Lust habe oder nicht. Und so ist es mit dem Sex auch. Außer mein Partner hat keine Lust.

Q: Ist die artifizielle Darstellung eines Banküberfalls real gesellschaftlich motiviert?

A: Brecht sagt: Banküberfälle gibt es, seitdem es Banken gibt.

Q: Ist dann nicht auch der Pornofilm eine filmische Gesellschaftslehre?

A: Was sind das für hoch gestochene Fragen? Frag mich was zu Pornofilmen.

Q: Wenn der inszenierte Banküberfall nicht real ist, ist dann der Pornofilm real?

A: Natürlich nicht. Wer hat schon solche Titten oder so große Schwänze. Außerdem kann ich auch nicht solange wie in den Filmen.

Q: Und wenn in der Darstellung eines Spielfilms ein Mann eine Frau ermordet, ist das dann ein Symbol für patriarchale Gesellschaftsstrukturen und Frauenunterdrückung?

A: Kennst du den Film „9 1/2 Wochen“ mit Mickey Rourke und Kim Basinger. Den fand ich guten. So hätte ich gerne mal Sex, mit Honig und Essiggurken.

Q: Ist es Zufall, dass in heterosexuellen Pornofilmen die Penetration der Frau dargestellt wird?

A: Hast du einen anderen Vorschlag?

Q: Ist dies nicht ein Symbol für die Unterdrückung der Frau?

A: Ich habe bis jetzt noch keine Frau getroffen, die keinen Spaß am Sex gehabt hätte. Kannst alle hier fragen.

Q: Liegt das an der Fortpflanzungslogik der Biologie?

A: Vielleicht. Ich weiß es nicht. Der Mensch und der Bonobo sind ja die einzigen Tiere, die nicht ausschließlich Sex zur Fortpflanzung praktizieren.

Q: Oder liegt es an der Biopolitik der politischen und religiösen Autoritäten?

A: Hör mir auf mit der Kirche. Diese Kinderficker.

Q: Warum fetischisiert die Naheinstellung der primären Geschlechtsmerkmale nicht mehr?

A: Ich will ja meinen Partner sehen wie er genießt und nicht einen Arsch, der so groß ist wie eine Autobahnausfahrt.

Q: Wird bei dieser Betonung das Männliche zugunsten des Weiblichen entmachtet?

A: Wer überlegt sich den solche Fragen? Leg doch lieber dein Handtuch weg und fang an mit der praktischen Recherche. Ihr Künstler spinnt doch.

Q: Ist der Pornofilm eine Suche nach dem Wissen der Lust?

A: Ich habe schon gewichst bevor ich wusste, dass es Pornofilme gibt.

Q: Spiegeln Pornofilme die bestehenden gesellschaftlichen Macht- und Geschlechterverhältnisse?

A: Nein. Bei einem Pornofilm wird am Ende ja nicht geheiratet.

Q: Welche Sexualtechniken verdanken wir dem Pornofilm?

A: Analverkehr vielleicht? Aber auf jeden Fall die Tatsache, dass Frauen sich rasieren.

Q: Wie verhält sich mit der Rezeption, wenn der Pornofilm gar nicht stimulieren will?

A: Will er das nicht? Ja dann ist es wie eine Doku, wie so ein Tierfilm.

Q: Wird die Frau im Porno immer nur auf ihre Geschlechtsorgane reduziert?

A: Ich finde nicht. Oder ist der Mund ein Sexualorgan?

Q: Aber warum sieht man dann fast nie das Gesicht des männlichen Darstellers?

A: Weil sie so hässlich sind? Nein, vielleicht weil sie so schwitzen? Oder Schmerzen haben, wenn man so lange stoßen muss tut das bestimmt nach einer Weile weh. Ich könnte das nicht. Ich hätte nach dem fünften Film einen totalen Burnout.

Q: Ist der Konsum von Pornografie ein Versuch, den empirisch realen Verlust männlicher Macht zu kompensieren?

A: Interessante Fragen. Hab ich noch gar nicht so gesehen. Muss ich mal drüber nachdenken.

Q: Hat die De-Potenzierung männlicher Macht mit der Frauenbewegung zu tun?

A: Du meinst mit Alice Schwarzer? Nein, das glaube ich nicht. Die könntest du mir anschweißen und ich würde wegrosten.

Q: Ist der heterosexuelle Porno nicht eine Performanz des idealen Mannes bzw. der idealen Frau und tragen Pornofilme somit zur Naturalisierung von Sexualität bei?

A: Die Frage verstehe ich nicht. Ehrlich nicht. Schau dich doch um hier. Die sehen alle ganz normal aus. Selbst du, in deiner Unterhose. Ich will Sex und mir keine Gedanken drüber machen.

Q: Warum gibt es eine gesellschaftliche Übereinkunft das Pornografie schlecht ist?

A: Vielleicht weil alle Schimpfworte sexualisiert sind?!

Q: Ist das Fehlen von Tabus und das Problem, im Alltag nicht über Sexualität reden zu können, für die Zerstörung des Sexualität verantwortlich?

A: Redet die Kirche darüber? Nein! Also was soll’s. Wenn es rauskommt, entschuldigt man sich und macht eine Spende an das S.O.S. Kinderdorf. Oder man geht beichten, die haben doch das größte Verständnis dafür.

Q: Funktioniert Sex sobald man liebt?

A: Sieht das so aus, als würden sich die Menschen hier lieben? Schau doch, dein Kollege da drüben. Ihr seid doch erst 10min hier und für ihn läuft es wie am Schnürchen. Muss wohl Liebe auf den ersten Blick gewesen sein.

Q: Die Personen, die in einem Pornofilm Sex haben, sind das Schauspieler?

A: Ja, aber nicht so wie Brad Pitt und Angelina Jolie.

Q: Sind sie verdoppelte Schauspieler, weil sie die Inszenierung von Geschlecht inszenieren?

A: Meinst du so wie in „Transamerica“?

Q: Warum wird im Pornofilm immer auf ein festes Repertoire von Stellungen zurückgegriffen?

A: Ein Fußballspiel geht auch 90 Minuten, sind immer 22 Spieler und am Abseits ändert sich auch nichts.

Q: Muss das Ejakulat des Mannes die Wirklichkeit des sexuellen Aktes bezeugen?

A: Ejakulat? Ach so, abspritzen. Natürlich. Ich geh ja auch nicht umsonst arbeiten.

Q: Stützt sich die Hässlichkeit der sexuellen Handlung in Pornofilmen auf die möglicherweise bewusst inszenierte Verletzung sozialer und ästhetischer Tabus?

A: Ganz ehrlich, deine Fragen gehen mir auf den Sack. Frag jemand anderen. Ich bin hier, um Spaß zu haben und nicht den Scheiß zu beantworten. Bist du verklemmt, oder was?

Q: Warum haben Frauen in Pornofilmen meistens große Brüste, lange Haare, lange, lackierte Fingernägel, sind geschminkt und tragen meist weiblich konnotierte Accessoires wie Dessous, Strapse und hochhackige Schuhe?

A: Weil’s geil ist.

Q: Warum kann die Frau nicht penetrieren?

A: Kann sie nicht? Dann schau mal da drüben. Das nenn ich penetrieren von einer Frau. Die reitet den ganz schön zu.

Q: Findet im Mainstreamporno nicht eine formale Entsprechung des kapitalisierten Körpers statt?

A: Bist du Marxist?

Q: Ist nicht die Kritik am Mainstreamporno und die damit verbundene Reduzierung der Geschlechtsorgane als Handlungswerkzeug eine Kritik an der Kapitalisierung des Körpers?

A: Bist du Kommunist?

Q: Wenn wir von Shakespeare wissen, was Liebe ist, was können wir dann von der Pornografie als kulturelle Praxis lernen? Das Sex Spaß machen kann oder sogar darf?

A: Ich kenne Shakespeare nicht. Aber Sex macht Spaß. Auf jeden Fall.

11 / 03 / 10 - 14:55 Uhr

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Kommentieren Sie diesen Artikel

6 Leserkommentare vorhanden

P.Schmitz

12:36 Uhr  

12 / 03 / 2010 // 

Ekelhaft!

D.Bodin

12:40 Uhr  

12 / 03 / 2010 // 

Ich frage mich, warum die Art-Redaktion die Artikel von Waldvogel veröffentlicht?! Was soll das? Das hat hier nichts zu suchen!

N.Grossien

17:09 Uhr  

12 / 03 / 2010 // 

Nun hört's aber auf, der eine findet es ekelhaft und der andere will Zensur-ja wo leben wir denn? Es liegt nun mal im Sinne der Büchelausstellung sich mit den Partizipanten zu unterhalten, oder soll
die Ausstellung verboten werden?

D.Bodin

1:08 Uhr  

13 / 03 / 2010 // 

Es geht doch nicht darum, die Ausstellung zu verbieten. Meine Frage war ob die Redaktion so einen Text wirklich online stellen muss.

Lena

14:54 Uhr  

14 / 03 / 2010 // 

Sehr geehrte/r D. Bodin, schön wäre eine etwas inhalsvollere Kritik, warum "so ein Text" wirklich nicht online gestellt werden sollte. Nur zu!

Besten Gruß, L.

Beate

17:32 Uhr  

27 / 05 / 2010 // 

Und? Wo bleibt denn R, Herr Waldvogel? Oder geht's ABC bei Ihnen nur bis Q? Na, los geht's... Ich vermisse Sie!