26 / 01 / 2010 - 16:09 Uhr

Ich Krieg Euch Alle

Till Briegleb

Diskriminierung der Stadt

Diskriminierung der Stadt

Das Einkaufszentrum auf der grünen Wiese ist Pandoras Büchse der Stadtplanung. Alles für die Stadt und das Klima Unerwünschte befreit es aus seiner Kiste: massiven Autoverkehr, versiegelte Flächen, miese Energiebilanzen, Steuerausfall, Austrocknung städtischer Konsumzonen, Billigrausch, nervende Kinder, streitende Paare und schlechten Geschmack. Darum sollen nach aller politischen Vernunft die Gurkenkönige vom Land ihren Ramsch wieder im Zentrum verkaufen. Rosenstöcke und Schweinefleisch, Autoreifen und Akku-Schrauber, Dackelwelpen und Bierfäßchen gehören in die städtische Fußgängerzone mit ÖPNV-Anschluss. Nur Ikea nicht. Und warum? Wegen der Farben.

Der Streit um das erste deutsche City-Kaufhaus von Ikea in Hamburg-Altona scheint zwar langsam zum Erliegen zu kommen, nachdem 77 Prozent der Stimmen eines Bürgerbegehrens sich für die Filiale in der abgerockten Fußgängerzone ausgesprochen haben und der Senat nun schnell dort bauen lassen will. Aber auch wenn die vielen triftigen Argumente gegen so einen autistischen Passantenstaubsauger nicht aus der Welt sind, die sozialen und Verkehrsprobleme fern von gelöst erscheinen, so ist doch das Hauptargument gegen Ikea mitten in der Stadt die farbliche Gefahr.

Starke primäre Kontrastfarben verursachen zwar auch draußen auf dem Ikea-Parkplatz und bei der Anfahrt schwere mentale Desorganisationen. Dabei ist das umgebende Grün – eine Farbe, die bekanntlich aus Blau und Gelb gemischt wird –  dafür verantwortlich, dass die psychatrische Notfallambulanz von Ikea nur wenige Male am Tag ausrücken muss.

Grüne Bäume lindern die Farb- und Duz-Epilepsie

Grüne Bäume lindern die Farb- und Duz-Epilepsie

Leichte Symptome wie Gier, Streit um Parklücken und letzte Billy-Pakete oder Wickeln auf dem Trenngrün kann man aber nichtsdestotrotz als unbewusste Verstörungsreaktionen am laufenden Meter beobachten.

Resultat einer kurzzeitigen Farbpsychose: Wickeln zwischen Auspuff und Abfalleimer

Resultat einer kurzzeitigen Farbpsychose: Wickeln zwischen Auspuff und Abfalleimer

Wie wird sich der gelb-blaue Knall aber nun mitten in der Stadt auswirken, wo die Enge der Situation und die Aufdringlichkeit der Architektur die labile Psyche von Menschen, die gar nicht zu Ikea wollen, schockartig beeinflusst?

Farbstrahlen haben bereits erste Identitäten von Passanten ausgelöscht

Farbstrahlen haben bereits erste Identitäten von Passanten ausgelöscht

Neutralisierende Gläser am Anfang und Ende der Fußgängerzone zu verteilen, wie Ikea es zur Vorbeugung plant, wird sicher nicht ausreichen. Auch ein blitzschnelles Zurseitedrehen des 30 Meter hohen Gebäudes, wenn ahnungslose Menschen um die Ecke kommen, wie es die Architekten der Möbelfirma vorgeschlagen haben, kann den Schaden für die Volksgesundheit nicht wirklich bannen. Vor allem dem Wohl der Kinder gilt die große Sorge, denn schon das kurzzeitige Ausgesetztsein an diesen schrecklichen Farbklang führt nachweislich dazu, dass diese Geschöpfe später FDP wählen. Was also tun?

Nicht verzweifeln, es gibt Hoffnung. Der israelische Künstler Guy Ben-Ner hat es vorgemacht. In Stealing Beauty zeigt er die Lösung. Mit seiner Familie zog er 2007 in eine Berliner Ikea-Filiale ein und lebte dort (siehe Art-Bericht).

Guy Ben-Ners Elchtest

Guy Ben-Ners Elchtest

Übertragen auf Altona bedeutet das: Wir lassen die Fassade einfach ganz weg und überwölben stattdessen die ganze Fußgängerzone mit dem Einkaufspfad von Ikea. Alle Läden und Wohnungen werden zu Showboxen, das Parkhaus zum Restaurant, die Straße zum Kinderparadies. Dann  wäre die Belebung von Altona, die sich die Befürworter von Ikea so wünschen, total erreicht und die schreckliche Blau-Gelb-Psychose wäre trotzdem ausgeschlossen.

(Dieser Vorschlag ist gebürenfrei)

26 / 01 / 10 - 16:09 Uhr

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Kommentieren Sie diesen Artikel

11 Leserkommentare vorhanden

Lothar Mattejat

16:47 Uhr  

28 / 01 / 2010 // 

... und ich dachte es wird eine FDP Filiale

[...] ICH KRIEG EUCH ALLE Ikea: Diskriminierung der Stadt ART Magazin / 26.01.2010 / zum Artikel [...]

[...] Ikea und hinterfragt die intensive Beziehung zur Stadt und das glorifizierte Geschäftsmodell. Hier gehts zum [...]

[...] ICH KRIEG EUCH ALLE Ikea: Diskriminierung der Stadt ART Magazin / 26.01.2010 / zum Artikel [...]

Philipp

7:41 Uhr  

03 / 02 / 2010 // 

Wäre auch schön wenn es mal dezenter gienge. Würde vielleicht auch mal ein wenig edler aussehen und nicht wie ein Möbeldiscounter mit seiner Massenproduktion des Gleichen.

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[...] Ikeas Entwurfsskizze für den damals bekämpften Neubau fehlte schon 2009 die amerikanische Eiche >>>, stattdessen ziert eine mickrige Platane(?) den Blick auf den “nachhaltigen” Ikea [...]