21 / 01 / 2010 - 17:20 Uhr
Warum sie nicht Gesundhäuser heißen
Till Briegleb

Der U1 des UK Eppendorf, gleich hinter der Glastür
Meine Freundin ist auf dem Eis ausgerutscht und mit dem Hinterkopf hingebumst. Also sind wir in die Ambulanz der Universitätsklinik gefahren, einem der “modernsten Krankenhäuser Europas” (Eigenpropaganda), gerade eingeweiht und schon reichlich in Architekturzeitschriften publiziert. Und da wurde doch der ganze Schlamassel der Architekturkritik offenbar. Denn wenn man fast vier Stunden auf den Arzt warten muss, der hier eine Ärztin war, dann wird manch flotte Rezensentenpoesie und die proper ausgeleuchteten Sommertagsbilder zur banalen Schlechte-Laune-Realität.
Natürlich gibt es noch viel schlimmere Krankenhäuser, aber trotzdem muss die Frage mal erlaubt sein, wieso Architekten immer glauben, grellweiß beleuchtete Endlosflure mit taubenblauen Linoleumbelägen, sterile Behandlungszimmer mit anatomischen Lehrtafeln und Ausblick auf die gegenüberliegende Wand, sowie Oberflächen, die so glänzen, dass man Angst bekommt, würden eine Atmosphäre schaffen, die der Heilung förderlich ist. Meine Freundin jedenfalls hatte in diesem Untersuchungszimmer nach drei Stunden so schlechte Laune, dass sie nach Hause gehen wollte, egal was im Kopf drinnen kaputt sein könnte.

Alte Mieterregel: Wichtig ist worauf man schaut
Bei Dr. House jedenfalls sieht das Krankenleben irgendwie behaglicher aus. Und auch, wenn man in Online-Portalen rumschnüffelt, findet man doch das eine oder andere Bild, das einen starken Kontrast zu dem hier…

Lebensrettende Tentakel verkürzen nicht die Wartezeit
… bietet. Zum Beispiel ein flottes Krankenhaus von Norman Foster (allerdings nur für Privatpatienten).

Hier kehrt doch gleich tiefenentspannter Genesungswille ein
Oder ein Kinderkrankenhaus in den Niederlanden, wo sie eh mehr über die immunitätsfördernden Nebenwirkungen von Humor und Spiel wissen.

Der Duft von Sagrotan und das Quietschen von Gummisandalen könnte nicht weiter weg sein
Aber vielleicht ist das auch alles nur Lüge, wenn man mit einer Schädelprellung im Untersuchungsraum 1 sitzt. Denn auch die Bilder vom UK Eppendorf waren ja eigentlich ganz vielversprechend.

Vermutlich fotografiert in der Sonnenviertelstunde im letzten Herbst

Und auch in fensterlosen Fluren scheint beim Fototermin die Sonne
Es gibt drei Lösungen für das Problem: Entweder fotografieren die Fotografen endlich, wie es wirklich ist, dann will niemand mehr krank sein. Oder die Architekten bauen endlich Krankenhäuser, die Spaß machen, dann pöbelt auch niemand mehr die Ärzte an, wenn sie mit guten Gründen spät kommen. Am Besten aber wäre es, die Hamburger Stadtreinigung würde im Winter die Fußwege streuen. Dann könnte man sich ganz freiwillig und ohne Kopfweh Gedanken um die ästhetische Optimierung der Welt machen.
21 / 01 / 10 - 17:20 Uhr












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