17 / 09 / 2009 - 19:05 Uhr

D wie Dank an...

Florian Waldvogel

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Vielen Dank, dass ihr so zahlreich an unserem Praxis-Seminar in Istanbul teilgenommen habt. Ich wollte nochmals auf unseren Konflikt innerhalb der Gruppe eingehen und auf den Umstand, dass wir einen Seminarteilnehmer nach Hause schicken mussten. Zum Hintergrund: Die betreffende Person (die SeminarteilnehmerInnen wissen, wer gemeint ist) war seit Jahren eineR meineR AssistentInnen. Um es vorweg zu nehmen: Dass ich das Experiment „persönlicher Assistent“ so oft wiederholt habe und wahrscheinlich weiter wiederholen werde, ist ein Beweis dafür, wie fatal die Fehlschläge waren. Auf die betreffende Person wurde ich aufmerksam, weil ich sie erwischte, wie sie mein Auto zerkratzte. Eine Sinus- und Kosinuskurve über die Beifahrerseite in bester Bridget Riley Technik. Sein Argument, soviel Kapitalismuskritik müsste sein. Das leuchtete mir ein und fortan waren wir ein Team. Bei derartigen Zufällen, bin ich manchmal ein wenig abergläubisch, und deshalb habe ich ihn im Auge behalten und mich zu seinem bebrillten Engel ernannt. Ziel war es, die Seele dieses Jungen vor seinem Schicksal zu bewahren, das schlimmer war als die für Protestanten vorgesehene aber leider nicht realisierte Hölle.

Ich weiß, man sollte alle seine Kinder gleich lieben, aber wer tut das schon? Natürlich kann man sie im abstrakten Sinne alle gleich lieben, aber es ist unvermeidlich, dass man lieber mit dem einen als mit dem anderen Kind zusammen ist. Wenn Sie meinen Egoismus hätten, was nicht geschehen wird, werden Sie bei Ihrem Vergnügen ein wenig selbstsüchtig. Der/die durchschnittliche AssistentIn begann mich zu langweilen, und unser ehemaliger Freund und Kommilitone war deshalb eine gute Abwechslung. Er war genau der, der er sein sollte.

Der „Superassi“, die jüngste fleischgewordene Legende vom Aufstieg des komplizierten, konfliktbeladenen, der nicht erwachsen werden will, der jede Autorität in Frage stellende wie das leider bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen üblich geworden ist, das Vorbild aller Pubertierender und Unterprivilegierten. Kuratorische Leidenschaft war sein Antrieb für alles, was er tat, und er brachte seine Leidenschaft so ungewöhnlich und einzigartig ein, dass die Zusammenarbeit eine Freude war. Wenn man Mut hat, ist Neugier die größte Tugend eines Menschen.  Nicht die Neugier war Adams Sünde, sondern die Feigheit, wie er dem armen Mädchen Eva die Schuld zuschob. Wenn er mit seine Neuigkeiten nackt vor seinen Schöpfer gestanden hätte, wer weiß?

Tut mir leid, dass wir alle dies erleben mussten, aber wir sind jetzt eine Erfahrung reicher. Und wie schon Marcel Proust sagte, „ die wahren Paradiese sind stets die, die man verloren hat.“ Ich bin mir sicher, dass du diese Zeilen lesen wirst und trotz allem, wünsche ich Dir alles Gute. Opfere Dich nicht auf der via Kokolores und dann wirst du deinen Weg gehen. FWBF

17 / 09 / 09 - 19:05 Uhr

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4 Leserkommentare vorhanden

D wie Dank an… at moma: Ralph Ueltzhoeffer

14:04 Uhr  

20 / 09 / 2009 // 

[...] related websites: D wie Dank an… [...]

anonym

10:48 Uhr  

23 / 09 / 2009 // 

Rechtschreibfehler im vorletzten Absatz: "mit seine-n Neuigkeiten", da fehlt ein "n".

Grüße

Inge

11:52 Uhr  

28 / 09 / 2009 // 

Was ist denn los, Herr Waldvogel, wann geht's endlich wieder weiter? Ich bin süchtig nach Ihrer Kolumne!

[...] les enfants B wie Biennale als Gottesdienst C wie Curatorial course with Mr. Goines D wie Dank an E wie Es war einmal Einen Kommentar schreiben « the idea of [...]