27 / 08 / 2009 - 12:26 Uhr

Au revoir les enfants

Florian Waldvogel

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Hallo, da bist du ja wieder. Du meinst es also wirklich ernst. Du und ich wir schließen jetzt einen Pakt. Diese über Jahrzehnte wegweisende Vereinbarung wird ein großes bengalisches Leuchtfeuer der Hoffnung für alle FreundInnen gepflegter Vernissagenkanapees sein, die von den versteckten und gesättigten der „Weniger ist mehr“-Kollegen genervt sind.

Natürlich wirst du den mühsamen Weg durch alle Instanzen der traditionellen Elendsquatiere machen müssen. Es kann dauern, gewiss, aber KuratorInnen sind VeteranInnen schöpferischen Leidens. Und deshalb wirst du jetzt auch dabei bleiben, das ist unsere Vereinbarung. Und du wirst darauf vertrauen, dass unverdientes Leid erlösende Qualität hat. Mit diesem Glauben in deinem verständnisvollen KuratorInnenherzen wirst du fähig sein, Ausstellungen zu kuratieren. Denn nur wer die Sonnenbrille am rechten Fleck trägt kann auch Ausstellungen machen, den Geist der Utopie atmen, in dem Wissen, dass du bald den ästhetischen Ansprüchen einer progressiven und emanzipatorischen Gesellschaft entsprechen wirst. KuratorInnen erwecken auf den ersten Blick den Eindruck großer Vitalität, Unübersichtlichkeit und geringer struktureller Übereinstimmung. Aber es gibt Fakten - Ereignisse wie dieser Blog, Konstellationen und Abläufe -, deren Wiederkehren in den unterschiedlichsten Formen es ermöglichen, ein typisches Modell von KuratorInnen ansatzweise zu skizzieren.

Du wirst dich fragen, wann kommt den endlich das Arthole, das hat der Waldvogel doch letzte Woche versprochen. Was verschwendet er meine Zeit mit seinen väterlichen und gut gemeinten Ratschlägen? Recht hast du, und entschuldige, jetzt geht’s los:

Als Arthole bist du von inkompetenten Idioten umgeben, und das musst du ihnen auch sagen. Geniere dich bloß nicht. Dass du bist, wie du bist, ist ja auch nicht deine Schuld, denn bevor dich die Berufung gefangen hat, warst du sicher ganz nett. Es kann also nur an den anderen liegen. Und jetzt kommen wir gleich zum ersten Problem: Traue niemandem, auch dir selbst nicht, denn deine KollegInnen sind deine KonkurrentInnen. Und weil der schnellste Weg zur Spitze über ihre bzw. deine Leiche führt, halte deine Informationen zurück. Wissen = Kapital. Genieße ihre Niederlagen, sie tun es mit den deinen auch. Eifersucht und Neid sind die schönsten Komplimente, quasi die steuerfreien Boni-Zahlungen unseres Gewerbes. Übe dich im Lästern, du weißt nicht wie gut das tut, wie das reinigt, und benutze andere als Psychomüllhalden. Fall’ den Leuten permanent ins Wort, was du zu sagen hast ist wichtiger. Außer bei wichtigeren Personen, denen musst du nach dem Wort reden. Denk immer daran, wenn man sich beruflich verbessern kann, ist jedes Mittel tutti palletti.

Und zum Abschluss noch ein kleines Mattchiavelli-Zitat: „Sei deinen Freunden nah, sei deinen Feinden näher.“

Adieu bis nächste Woche. Dann geht’s weiter mit B wie Biennale.

27 / 08 / 09 - 12:26 Uhr

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Kommentieren Sie diesen Artikel

3 Leserkommentare vorhanden

Cornelia

12:23 Uhr  

28 / 08 / 2009 // 

Flori, ich will ein Kind von dir!

Harald

12:17 Uhr  

31 / 08 / 2009 // 

Wunderbar, Herr Waldvogel! Immer feste druff, nur keine falsche Scham!

[...] wie Wie werde ich KuratorIn A wie Aurevoir les enfants B wie Biennale als Gottesdienst C wie Curatorial course with Mr. Goines D wie Dank an E wie Es war [...]