20 / 08 / 2009 - 12:36 Uhr
Wie werde ich KuratorIn
Florian Waldvogel

Reservoir Dogs
Na du, hast du nichts zu tun oder warum lümmelst du hier im Blog rum? Arbeitslos, gelangweilt oder keine Lust mehr auf ein bürgerliches Leben? Du musst doch zugeben, dass es einfacher ist KuratorIn zu werden, als auf dem Arbeitsmarkt eine vernünftige Anstellung zu finden.
Und mal ganz ehrlich, wer möchte nicht KuratorIn sein?! Siehst du gut aus, bist du anpassungsfähig, hast du keine Lust mehr auf moralische Offenbarungseide, und kannst du der stumpfsinnigsten Konversation noch etwas abgewinnen? Na dann los, worauf wartest du? Schmeiß deinen Kunst-Leistungskurs hin, vergiss dein langweiliges Kunstgeschichtsstudium oder kündige deine Ausbildung zum Optiker und versichere deinen Eltern in vertrauensvoller Unschuld, dass sich bisher noch keinE KuratorIn ein Ohr abgeschnitten hat. Es wird schon gut gehn!
Los geht’s, im schwarzen Anzug oder Etuikleid, mit Gucci Sonnenbrille und angeborener Lässigkeit geht’s die Revuetreppe hinunter in den wunderbaren Streichelzoo den man Art World nennt. Du bist große Klasse und das weißt du. Darauf kannst du dir schon mal etwas einbilden. Vergiss deine alten FreundInnen, die sehen dein Talent eh nicht. Ab jetzt wartet auf dich der gespreizte kleine Finger, Chi Chi, Eröffnungen, Vernissagenprominenz, eben das, was wirklich zählt. Hier jetzt noch mal das letzte check-up bevor es richtig mit dem ABC der kuratorischen Karriereplanung losgeht. Lass dir das ganze noch mal durch den Kopf gehen, bevor dir das Schicksal einen Zungenkuss gibt.
Bist du laut und siehst fantastisch aus? Kannst du beim Rummikub gut mogeln? Stehst du auf erhöhten Drogenkonsum? Und nennt dich die Hälfte deiner ehemaligen LebensabschnittsgefährtInnen eineN notorischeN LügnerIn? Wenn du diese Fragen mit einem euphorischen Ja beantworten kannst, dann hast du die besten Vorraussetzungen ganz groß im Business zu werden! Selbstsucht und Eigenliebe kommen dann von ganz alleine und sie gibt es im Überfluss. Versprochen! Wenn du also diesen Weg gehen willst und nicht findest, deine kostbare Zeit beim Lesen dieser Zeilen vergeudet zu haben, dann kommen wir jetzt zum ABC des „Wie werde ich KuratorIn“.
Hast du noch Skrupel? Keine Bange. Das Leben von KuratorInnen ist genau wie das Leben anderer Menschen: ein Kampf ums Dasein, weshalb es als Prozess der Anpassung beschrieben werden kann. Intrigen und Eifersucht sind ganz gewöhnliche KuratorInneneigenschaften, die wie Dialekt oder Erbkrankheiten von Generation zu Generation weitergegeben werden. Später dazu mehr. Und vergiss nicht, KuratorInnen führen ein geregeltes Leben, ihr „Erfolg“ lässt sich an Teint, Taille und Tantiemen ablesen.
Nächste Woche geht’s los mit A wie Arthole. Also bis Freitag.
20 / 08 / 09 - 12:36 Uhr
9 Leserkommentare vorhanden
Ein schönes und gelungenes Selbstporträt….
Peter Artner
23:43 Uhr
21 / 08 / 2009 //
frankly respect
frank
9:44 Uhr
24 / 08 / 2009 //
peinlich für die kunstwelt das waldvogel mit solch oberflächlichkeiten (diser beitrag und kuratierte ausstellungen) so weit gekommen ist. das diese distiktionsscheisse leute auch noch gut finden ebenso.
Inke
15:14 Uhr
24 / 08 / 2009 //
Mutig, ehrlich und verdammt komisch! Freue mich schon auf das A-rthole! Weiter so, Deine Inke
„Wie werde ich KuratorIn“ – Ein ABC von Florian Waldvogel « about curating
18:46 Uhr
06 / 10 / 2009 //
[...] W wie Wie werde ich KuratorIn A wie Aurevoir les enfants B wie Biennale als Gottesdienst C wie Curatorial course with Mr. Goines D wie Dank an E wie Es war einmal Einen Kommentar schreiben « the idea of „about curating“ [...]
B.Stautmann
16:35 Uhr
22 / 12 / 2009 //
@THW.. Selbstportrait? Er schreibt doch von gutaussehenden Menschen.. gut, der Rest kommt eher hin.
@frank: und schau Dir mal an, was er so kuratiert hat. fast alles versemmelt. das größte war manifesta.. ignorant nicht mit den leuten vor ort reden wollen/ nicht für nötig halten und dann wundern, dass keiner den scheiss da unterstützt. und zu großer letzt den “skandal” noch ausbeuten.
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Toller Artikel. Danke. Macht weiter so!...
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