24 / 07 / 2009 - 14:27 Uhr

Nachhaltiger Humor

Till Briegleb

almwiese

Alles muss heutzutage nachhaltig sein: Autos, T-Shirts, Urlaub, Politik. Nur eins darf kurzweilig bleiben: der Humor. Sollte man denken. Allerdings gilt dies nicht für Architektur in Deutschland. Hier ist Humor verpönt, weil er nicht ökologisch sei. Spiel, Witz und Ironie stehen unter dem Verdacht, sinnlos Energie für etwas zu verschleudern, was nicht von Dauer sein kann. Nur als Pavillon ist der architektonische Scherz geduldet, als “seriöses” Bauwerk aber ist Bausatire ziemlich tabu. Aber kann gebauter Humor wirklich nicht nachhaltig sein, und ist Humorverzicht tatsächlich ökologisch?

Die dänische Frohnatur Bjarke Ingels hat gerade unter dem Titel “Yes is More” ein “Manifest für hedonistische Nachhaltigkeit” veröffentlicht, indem er das ökologische Gewissen verspottet, das immer nur von Verzicht spricht. Als Illustration hat er eine Alpenwiese entworfen, die er in Hamburg in der Elbe verankern möchte. Auf einer steilen Schräge plätschert ein Bach, in der blühenden Wiese mit ausgestopften Steinböcken sind Steckdosen für Computer versteckt, darunter befindet sich eine Freilichtbühne. Das ist natürlich nicht so ökologisch wie ein Betonwürfel mit Thermopenscheiben, aber dafür so einladend, dass Besucher nachhaltig gute Laune mitnehmen. Die grüne Schatzinsel für Einfälle und Entspannung zeigt nämlich etwas, das für die Rettung des Planeten vor dem Menschen vielleicht viel bedeutender ist, als das ganze Versammlungsgrau zertifizierter Ökowürfel: die Erkenntnis, dass es stets der Ernst war, der nachhaltig die Welt ruinierte, nicht die Freude.

24 / 07 / 09 - 14:27 Uhr

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Kommentieren Sie diesen Artikel

1 Leserkommentar vorhanden

bayard rafaela

5:40 Uhr  

25 / 09 / 2009 // 

schauen sie sich die neue monte rosa hütte an. nachhaltig kann auch so sein.