24 / 07 / 2009 - 13:33 Uhr

Goldig!

Till Briegleb

modena

Geplantes Designzentrum in Modena – von Angelo Silingardi (CCDP), Modostudio Roma und Cattinari Modena

In der modernen Architektur der letzten 100 Jahre war das Gegenteil von “schön” nicht “häss­lich”, sondern Gold. Gold waren Zwiebeltürme von Friedensreich Hundertwasser, protzi­ge Wohn- und Kirchenbauten im neuen Russland oder Orgien der Postmoderne wie Alessandro Mendinis Groninger Museum. Seit Scheichs, Rapper und italienische Ministerpräsidenten Protz gesellschaftsfähig gemacht haben, verliert das Tabu des modernen Ästheten an Kraft.

Designer Marcel Wanders rebellierte mit Lam­penständern aus vergrößerten, vergoldeten Nasenpopeln oder Jaime Hayón mit Josephine-Lüstern gegen die Geschmackspolizei. Mit Verzögerung reagiert die Architektur. Eine windschiefe goldene Bibliothek in Luckenwalde, goldene Wellengebirge in Modena und Shanghai zeigen, das Fassadengold von Architekten nicht nur als Hautausschlag krankhafter Eitelkeit betrachtet wird. Doch ist die neue Goldigkeit nur dort er­­träglich, wo sie spöttisch zu Wer­ke geht. Als ernst gemeinte Kostümierung von reichem Selbstbewusstsein wird sie hoffentlich auch in den nächsten 100 Jah­ren eine Todsünde der Moderne bleiben.

24 / 07 / 09 - 13:33 Uhr

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