Ausstellung in Dresden
Regina Schmeken. Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU

Beklemmende, zwischen 2013 und 2016 entstandene Aufnahmen der deutschen Fotografin (* 1955), auf denen weder Opfer noch Täter zu sehen sind
Regina Schmeken. Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU

Informationen zur Ausstellung: „Das Beklemmendste an diesen Fotografien ist, dass auf ihnen weder die Mörder noch die Mordopfer zu sehen sind. An Schmekens Aufnahmen wirkt gerade das Unauffällige, Banale und Gewöhnliche unheimlich.“ (Hans Magnus Enzensberger) Als Regina Schmeken im Frühjahr 2013 damit begann, die Tatorte des NSU zu fotografieren, wurde ihr das Ausmaß dieser Verbrechen des rechten Terrors inmitten deutscher Städte erst bewusst. In ihrem Ausstellungsprojekt BLUTIGER BODEN. Die Tatorte des NSU im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden geht es ihr um das Gedenken an die Ermordeten sowie um die Auseinandersetzung mit Orten, die auf den ersten Blick keinerlei Spuren einer Gewalttat aufweisen. Zwischen 2013 und 2016 besuchte sie mehrmals die zwölf Tatorte in Deutschland. Es entstand ein Zyklus großformatiger Schwarz-Weiß-Fotografien, die verstörend eindrücklich wirken und die Geschehnisse gleichsam mit bildnerischen Mitteln aufarbeiten.  Die Propagandaformel „Blut und Boden“ wurde als begrifflicher Zusammenhang erstmals von Oswald Spengler in „Der Untergang des Abendlandes“ eingeführt und von den Nationalsozialisten in ihrer Überzeugung, dass ein „gesunder Staat“ nur aus der Einheit von „eigenem Volk und Boden“ bestehen kann, aufgegriffen. Auch den Morden des NSU liegt diese Idee zu Grunde. Fast alle Opfer waren türkischer Herkunft, sie wurden auf dem Boden liegend in ihrem Blut gefunden, brutal hingerichtet von rechten Terroristen. Feridun Zaimoglu nennt die Geschichte des NSU im ausstellungsbegleitenden Katalog „die Geschichte der großen Beschädigung“. Annette Ramelsberger schreibt „Die Reise an die Tatorte war eine Reise in ein Land von Schmerz und Tränen, von Gleichgültigkeit und klammheimlicher Freude über das, was geschehen ist. Als der NSU nach zehn Morden, zwei Sprengstoffattentaten und 15 Raubüberfällen aufflog, waren sich alle gewiss: So eine Terrorserie könne sich in Deutschland nicht wiederholen. Wer den NSU-Prozess verfolgt, der weiß: Dafür gibt es keine Garantie.“ Das erste Opfer, der Blumenhändler Enver Şimşek, wurde am 9. September 2000 in Nürnberg ermordet, das letzte, die Polizistin Michèle Kiesewetter am 25. April 2007 in Heilbronn. Es mussten in diesem Zeitraum zehn Menschen sterben, viele wurden an Seele und Körper verletzt. Der Prozess gegen Beate Zschäpe am Oberlandesgericht in München begann 2013, das Urteil steht noch aus, genauso wie die restlose Aufklärung der Taten. Publikation Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Hatje Cantz Verlag: Regina Schmeken: Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU Hrsg. Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden Texte von Hans Magnus Enzensberger, Barbara John, Gorch Pieken, Katja Protte, Annette Ramelsberger, Feridun Zaimoglu Hatje Cantz Verlag, Berlin 2016 Deutsch, ca. 144 Seiten, ca. 80 Abb., 30,50 x 22,00 cm, Halbleinen Gestaltung von Marc Naroska  ca. 35 Euro, ISBN 978-3-7757-4158-3 Regina Schmeken fotografiert seit Mitte der 1970er Jahre. Seit 1980 werden ihre Fotografien regelmäßig ausgestellt, zum Beispiel im Lenbachhaus in München, im Museum für Fotografie in Berlin und der Bibliothèque Nationale in Paris. Ihre Ausstellung Die neue Mitte wurde auf Initiative des Goethe-Instituts weltweit in über 100 Hauptstädten gezeigt.  Ein Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit sind Bewegungsstudien. Ihr Ausstellungsprojekt mit der Deutschen Fußballnationalmannschaft erhielt viel Aufmerksamkeit und wurde 2012 im Berliner Martin-Gropius-Bau sowie 2014 in den Museen Dortmunder U und Villa Stuck in München gezeigt. Die Politische Fotografie ist ein weiteres wichtiges Thema für Regina Schmeken. Mehrere Bildserien beschäftigen sich mit der deutschen und internationalen Geschichte, wie z. B. mit dem Fall der Mauer, der Wiedervereinigung, den Bunkeranlagen des „Atlantikwalls“ oder auch dem „Arabischen Frühling“. Für ihre Arbeit erhielt sie nationale und internationale Auszeichnungen, u. a. den Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie und den „Prix de la Critique“ der Rencontres Internationales de la Photographie in Arles. Seit 1986 ist sie auch Fotografin der Süddeutschen Zeitung. Regina Schmekens Fotografien befinden sich u. a. in den Sammlungen des MoMA in New York, der Pinakothek der Moderne in München, dem Deutschen Historischen Museum in Berlin sowie in privaten Sammlungen.  (Quelle: Pressetext)

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