Ausstellung in Berlin
Danny Lyon – Message to the Future + Willi Ruge. Fotoaktuell – Abenteurer unter den Fotografen. Fotografien 1919–1953

16.09.201703.12.2017
C/O Berlin (Amerika-Haus),  Berlin
Der US-amerikanische Fotograf Lyon (*1942) ist für seine eindringlichen Dokumentaraufnahmen bekannt, der deutsche Fotojournalist Ruge (1892–1961) schoss spektakuläre Fotos seiner oft riskanten Unternehmungen
Danny Lyon – Message to the Future + Willi Ruge. Fotoaktuell – Abenteurer unter den Fotografen. Fotografien 1919–1953

Informationen zur Ausstellung: „Meine größte Stärke ist”, erzählte Lyon 2012 der Fotografin Susan Meiselas, „meine Empathie mit Menschen, die anders sind als ich.” 1963 – Szenen mit jungen afroamerikanischen Demonstranten, in die Hände klatschend, einer reckt den Arm nach oben, Rassenkampf und brutale Polizeigewalt. Danny Lyon, Sohn jüdischer Einwanderer, ist 21 Jahre jung, furchtlos und Student an der University of Chicago, als er diese Aufnahmen des Protestes und den historischen Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit fotografiert. Jene bewegenden Bilder machen den Fotografen und Filmemacher später zu einem der wichtigsten Chronisten der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Ein Jahr zuvor tritt er dem Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) bei, wird offizieller Fotograf der wichtigsten schwarzen Bürgerrechtsbewegungsorganisation und dokumentiert mit seiner Kamera zahlreiche Versammlungen, Verhaftungen und Trauerfeiern der Civil Rights Movement.  Neben diesen frühen Aufnahmen von der Bürgerrechtsbewegung, entsteht die Bilderreihe Conversations with the Dead (1967/68), die erstmals den Alltag der Gefängnisinsassen und -wärter in Texas zeigt. Zeitgleich schildert er mit The Bikeriders (1967) hautnah und eindringlich das schonungslose Leben inmitten des Chicago Outlaws Motorcycle Club – noch bevor der amerikanische Kultfilm Easy Rider (1969) in die Kinos kommt und die romantischen Vorstellungen sowie das Lebensgefühl von Unabhängigkeit, Freiheit, Highway und Harley-Davidson populär und zum Mainstream werden. Während seiner mehr als 50-jährigen Karriere hat Lyon nicht nur unzählige sozialdokumentarische Fotografien und ein unverwechselbares visuelles Zeugnis von einem halben Jahrhundert Politkampf geschaffen, sondern auch sein fotografisches Werk mit bewegtem Bild und geschriebenem Wort untrennbar verschmolzen. Diese besondere Sicht auf die Welt mit den Mitteln von Fotografie, Film und Literatur sind in der amerikanischen Fotogeschichte einzigartig.  Zentral geht Lyon der Frage nach, wie man sich als Künstler mit der Identität eines unwahrscheinlich vielfältigen Landes auseinandersetzen kann. Als engagierter und scharfer Beobachter interessieren ihn in erster Linie soziale Randgruppen und Subkulturen der Gesellschaft. Er konzentriert sich dabei immer auf politisch und kulturell relevante Themen. Gleichzeitig sind seine Arbeiten von einem persönlichen Verlangen nach Abenteuer und Freiheit motiviert, aber auch davon, einen Gegenpol zu dem zu setzen, was die Massenmedien der Zeit visuell boten. Auf der stetigen Suche nach neuen Darstellungsmöglichkeiten entwickelt Danny Lyon eine verstärkt subjektive und teilnehmende Form der dokumentarischen Fotografie, indem er sich tief in das Geschehen hineinbegibt und eine besondere Nähe zu den Menschen aufbaut, die vor seiner Kamera stehen. In der Nachfolge von Walker Evans und Robert Frank prägen die Werke von Danny Lyon Künstler wie Larry Clark oder Nan Goldin, aber auch den Geist des New Journalism und die US-amerikanische Street Photography der 1960er-Jahre mit ihrem absoluten Realismus.  Erstmals und als einzige Station in Deutschland präsentiert C/O Berlin nach den Fine Arts Museums of San Francisco, dem Whitney Museum of American Art, New York, sowie dem Fotomuseum Winterthur diese umfangreiche Retrospektive. Die Werkschau Danny Lyon . Message to the Future versammelt mit rund 175 Fotografien sowohl die wichtigsten Serien der späten 1960er- und 1970er-Jahre als auch die weniger bekannten Filme, Collagearbeiten und Materialien aus Danny Lyons privatem Archiv. Die Ausstellung wurde von Julian Cox kuratiert und von den Fine Arts Museums of San Francisco organisiert.  Danny Lyon wurde 1942 in New York geboren. Er ist Fotograf und Filmemacher. Sein Werk wurde von der US-amerikanischen Beat Generation, insbesondere von Autoren wie James Agee und der Lyrik von Walt Whitman, geprägt. Danny Lyon studierte Geschichte und absolvierte 1963 seinen Bachelor of Arts an der University of Chicago. Bereits ein Jahr zuvor trat er dem Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) bei und fotografierte ab 1962 die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA, die unter dem Titel Civil Rights erschienen. Neben Lyons erster eigener Veröffentlichung der Serie The Bikeriders (1967) zählen die Bildreihen The Destruction of Lower Manhattan (1967) und Conversations with the Dead (1967/68) zu seinen wichtigsten Arbeiten. 1969 erhielt Danny Lyon das Stipendium der John Simon Guggenheim Memorial Foundation für Fotografie und den gleichnamigen Preis für sein filmisches Werk 1979. Seine Arbeiten waren in zahlreichen internationalen Ausstellungen und namhaften Institutionen, wie dem Museum of Modern Art in New York, dem Art Institute of Chicago, dem Center for Creative Photography in Tucson, Arizona, sowie dem Folkwang Museum in Essen ausgestellt. Danny Lyon lebt und arbeitet in New Mexico und Maine, USA. Willi Ruge Autorennen auf der AVUS, Landung im Hochgebirge, Spartakus-Aufstand, Unruhen in Oberschlesien, Selbstporträt im freien Fall. Sei es als Kriegsberichterstatter oder Bordschütze, als Werbefilmer oder Unternehmer – Willi Ruge ist Teil gesellschaftlicher Umbrüche und von den technischen Möglichkeiten der Moderne Anfang des 20. Jahrhunderts fasziniert. Er ist kein stiller Beobachter am Rand, sondern mitten im Geschehen. Oft sogar so sehr im Zentrum, dass er selbst als Akteur ins Bild tritt. Mit dieser Haltung entwickelt Ruge nicht nur die Rolle und das Selbstverständnis des Bildjournalisten neu – die sachlich-objektive Darstellung ersetzt er durch subjektive, scheinbar rein zufällig festgehaltene Erfahrungen. Seine visuellen Experimente und Reportagen stillen die Sehnsucht des Publikums nach Unterhaltung und Katastrophen und bieten durch seine persönliche Perspektive eine große Identifikationsfläche für den Betrachter.  Mit seiner Begeisterung für Sport, Luft- und Rennfahrt entspricht Willi Ruge dem idealen Protagonisten der Ära optischer Sensationen und Geschwindigkeit. Er sucht das Abenteuer, reist nach Europa, Afrika und Südamerika und begibt sich auch in Kriegsgebiete. In seinen bekanntesten Fotostrecken zeigt er sich selbst in spektakulären Aktionen, wobei extreme Aufsichten, schwindelerregende Untersichten, Schrägsichten, gekippter Horizont, enorme Nahaufnahmen und außergewöhnliche Perspektiven auf das Geschehen die Errungenschaften des Neuen Sehens erkennen lassen. Bei Willi Ruge liegen Politik, Technikfaszination, Experimentierfreude, Bildironie und -erzählung heterogen nebeneinander.   Berlin in den 1920er- und 1930er-Jahren ist nicht nur eine pulsierende Weltstadt mit unzähligen Kinos, Theatern, Ballhäusern, Nachtclubs und schillernder Leuchtreklame. Die Kunst- und Kulturmetropole ist auch das Zentrum einer neu entstehenden Presselandschaft und der Fotografie. Willi Ruge produziert und liefert mit seiner Agentur Fotoaktuell dem expandierenden Zeitungsmarkt in Deutschland reichlich Bildmaterial zu den zeitaktuellen sozialen, politischen und wissenschaftlichen Themen. Willi Ruge gehört jedoch nicht zu den Vertretern seines Fachs, die erst mit der Konjunktur der Illustrierten in den 1930er-Jahren den Beruf des Fotoreporters wählen – er ist bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg ein erfahrener und gefragter Presse- und Fliegerfotograf.  Als Gegenpol zu seinen außergewöhnlichen Erlebnissen sucht er auch die Konzentration eines Fotostudios. Hier entstehen visuelle Experimente und Inszenierungen sowie „Phantastiken der kleinen Dinge” – ruhige Bildstudien im Stil der europäischen Avantgarde. Zeitgleich karikiert er mit feiner Ironie die Arbeit des traditionellen Fotostudios. Willi Ruge nutzt dabei nicht nur die neuen technischen Möglichkeiten der Fotografie, sondern auch Funktionsweise, Wirkung und Autorenschaft – bis hin zur bewussten Kultivierung seines eigenen Images.  Für C/O Berlin hat die Kuratorin und Fotohistorikerin Ute Eskildsen die Ausstellung Willi Ruge . Fotoaktuell recherchiert und gemeinsam mit Felix Hoffmann die weltweit erste Retrospektive kuratiert. Präsentiert werden etwa 140 zum Teil noch nie ausgestellte Vintage-Fotografien aus dem Gesamtwerk von Willi Ruge. Die Aufnahmen mussten aufwendig in verschiedenen Agentur- und Verlagsarchiven erarbeitet werden, da Willi Ruges gesamtes Bildarchiv in Berlin-Schöneberg 1943 bei einem Bombenangriff vernichtet wurde. Mit dieser Ausstellung setzt C/O Berlin seine Serie zeithistorischer Fotografien fort, in der schon die Lebenswerke von Roger Melis, Fritz Eschen, Will McBride und Rudi Meisel gezeigt wurden. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Steidl Verlag. Willi Ruge, geboren 1892 in Berlin, begann nach Abschluss der Realschule als 15-Jähriger eine Optikerlehre und wechselte anschließend ins Fotografenhandwerk. Zeitgleich wurde seine Leidenschaft zum Flugzeugbau geweckt. Anfang der 1910er-Jahre machte er sich unter dem Firmennamen Presse Verlag Photoaktuell selbstständig. In den drauffolgenden Jahren veränderte er mehrmals das Logo, den Namen und die Schreibweisen seiner Agentur, sodass sie in den 1920er- und 1930er-Jahren unter anderem auch als Presse-Illustrations-Verlag und Presseverlag Fotoaktuell GmbH bekannt war. Von 1914 bis 1918 nahm er am Ersten Weltkrieg als Fliegerschütze und Berichterstatter an West- und Ostfront teil. In der Weimarer Republik fotografierte er die Unruhen in Oberschlesien, den Spartakus Aufstand in Berlin sowie die französische Besetzung des Ruhrgebiets. 1921 gründete Willi Ruge eine Filmgesellschaft und erstellte Werbefilme für die deutsche Luftfahrtindustrie. Seine Bilder wurden national und international publiziert – mit der Reportage Ich fotografiere mich beim Absturz mit dem Fallschirm (1931) erlangte er weltweite Beachtung. In den 1930er-Jahren unternahm er für die Berliner Illustrirte Zeitung Reisen nach Südamerika und Afrika. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er als „Bildberichter im Sonderrang” in Polen, Norwegen, Frankreich und Afrika eingesetzt. 1946 erhielt Willi Ruge eine „Certification” von der amerikanischen Militärregierung, um für die Deutsche Allgemeine Nachrichtenagentur (DANA) zu fotografieren. Im Nachkriegsdeutschland arbeitete er für Zeitschriften wie Weltbild und Quick. 1953 zog er nach Offenburg, um für den Verleger Franz Burda als flugtechnischer Berater zu arbeiten. Will Ruge starb 1961 in Offenburg.  (Quelle: Pressetext)

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