Zaha Hadid - Schau in London

Die Poetin der schrägen Form

Ein Gebäude oder ein Produkt von Zaha Hadid erkennt man sofort: An seinen wilden Schrägen und kühnen Rundungen. Nach langer Ignoranz wird die irakische Designerin und Architektin nun auch in ihrer Wahlheimat England gefeiert //Von Hans Pietsch

In der Stadt, in der sie seit Jahrzehnten lebt, wird die irakische Designerin und Architektin Zaha Hadid nun im großen Stil geehrt: Gerade waren neben der Serpentine Gallery im Londoner Hyde Park eine aus drei identischen Schirmen bestehende Stoffskulptur zu sehen, und das Design Museum widmet ihr eine große Retrospektive, mit Entwürfen, Modellen und ihren so begehrten Gemälden. Neben der Ausstellung selbst findet auf der Webseite des Museums ein umfangreicher „Exhibition Blog“ statt, mit Hindergründen zu ihrer Geschichte und zu ihrer Arbeitsweise. Der Name Hadid ist längst zum Synonym für erfolgreiche Avantgarde geworden.

„Sie ist ein Planet in eigener Umlaufbahn“

Der erste Satz der Verleihungsurkunde des begehrten Pritzker Preises für Architektur, den Zaha Hadid im Jahre 2004 als erste Frau zugesprochen bekam, klingt beinahe wie eine Untertreibung: „Ihre Karriere als Architektin ist weder traditionell noch einfach gewesen.“ Die meisten Architekten müssen um Anerkennung kämpfen, doch die 1950 in der irakischen Hauptstadt Bagdad geborene Hadid scheint mehr und länger gerungen zu haben als andere. Bis vor nicht langer Zeit war sie bekannter für die Gebäude, die nicht gebaut wurden, als die, die gebaut wurden.
Nach dem Studium der Mathematik in Beirut schrieb sie sich an der Londoner Architektural Association, damals die radikalste Architekturschule der Welt. Einer ihrer Lehrer war der Holländer Rem Koolhaas, der sie nach ihrem Studium 1977 in seinem Büro Office for Metropolitan Architecture als Partner aufnahm. Doch sie hielt es nicht lange aus. „Sie ist ein Planet mit eigener Umlaufbahn“, sagte er damals von ihr. Sie machte sich selbstständig, um konsequent ihren "barocken Modernismus", wie ein Kritiker es nannte, zu entwickeln. Sie bezeichnet ihre architektur als „eine neue fließende Art der Räumlichkeit“ , mit zahlreichen Fluchtpunkten und einer fragmentierten Geometrie, die das Chaos des modernen Lebens verkörpern soll. Aber anders als ihr Kollege Daniel Libeskind spricht sie selten von Theorien, und sagt nicht, dass bestimmte Formen etwas Bestimmtes bedeuten.

Im eigenen Land wurde wenig gebaut

Es waren deutsche Bauherren, die ihre ersten Schritte ermöglichten. Für die Möbelfabrik Vitra in Weil am Rhein baute sie 1993 ein Feuerwehrhaus, das später zum Stuhlmuseum umfunktioniert wurde. In Leipzig entstand vor zwei Jahren eine neue Fabrik für den Autohersteller BMW , gefolgt vom Phaeno Science Centre in Wolfsburg. Wie so oft galt die Prophetin lange wenig im eigenen Land: Lediglich ein eher bescheidener Entwurf wurde bisher gebaut, ein Krebszentrum im schottischen Kirkaldy. Doch der Erfolg im Ausland hat sich auch im eher konservativen Großbritannien niederzuschlagen begonnen: Für die Londoner Olympischen Sommerspiele 2012 baut sie die Schwimmhalle, für die Stadt Glasgow ein Transportmuseum und für ihre ehemalige Alma Mater, die Architectural Association, eine neue Galerie.
Die "Diva", wie sie wegen ihrer starken Persönlichkeit oft genannt wird, scheint erreicht zu haben, wonach sie 30 Jahre lang zielbewusst strebte.

Info

Zaha Hadids Ausstellung "Architektur und Design" läuft im Design Museum London noch bis zum 25. November 2007. Der Exhibition Blog findet sich unter www.designmuseum.org

Mehr zum Thema im Internet