Talk to Me - Design

Was will mein Geschirr mir sagen?

Maschinen, die Mitleid erregen oder eifersüchtig werden – eine Ausstellung im Museum of Modern Art
Mitteilsames Geschirr:Wenn Maschinen eifersüchtig werden - Schau im MoMA

Ein "Tweenbot" von Kacie Kinzer auf dem Weg durch Manhattan, entstanden am Interactive Telecommunications Program der New York University

Ob es uns gefällt oder nicht: Dinge sprechen mit uns. Mal offen und lautstark, dann wieder subtil. Während Objekte früher elegant und funktionell zu sein hatten, veränderten sich die Anforderungen für Design im digitalen Zeitalter. Designer geben Objekten nicht nur Form und Bedeutung, sondern eine Art von Persönlichkeit.

MoMA-Kuratorin Paola Antonelli trug 200 "kommunikative" Arbeiten von internationalen Designern, Künstlern, Wissenschaftlern und Studenten zusammen. Dazu zählen Programme, Videospiele, Objekte oder Installationen wie das unsinnige Essgeschirr, das Gefühlsregungen zeigt, und praktische Ideen wie der Stoffhase, der nicht nur als Kuscheltier dient, sondern auf Kindergebrüll reagiert. Es ist eine Ausstellung, die Skeptikern den Glauben an den Fortschritt zurückgeben soll. So ist viel von zufriedenstellender Kommunikation die Rede. Was jeden, der frustriert vor dem Check-in-Automaten am Flughafen gestanden oder sich mit einem vollautomatisierten Telefonservice herumgeschlagen hat, müde lächeln lässt. Interessanterweise beginnt der Katalog mit einer genialen Idee für diejenigen, die sich von der Technologie überwältigt fühlen. Der britische Designer Mike Thompson entwickelte eine moderne Version der Wünschelrute, die Funkwellen von drahtlosen Netzwerken und ihre Stärke aufzeigt.

Zu weiteren spannenden Arbeiten zählt ein Programm, das überwacht, ob der Verfasser einer E-Mail zu emotional reagiert. Die Stelzenschuhe des Deutschen Hans Hemmert, der Menschen auf die gleiche Größe und damit Augenhöhe bringt. Der "Eyewriter", mit dem Graffiti­künstler mit Hilfe einer technisch ausgerüsteten Brille mit den Augen malen. Und der "Prayer Companion" des Interaction Research Studio, der Nonnen in England mit Weltproblemen versorgt, denen sie sich in ihren Gebeten widmen können. Die New Yorkerin Kacie Kin­zer startete einen interessanten Versuch, als sie ihre niedlichen, aus Pappe gebauten Tweenbot-Roboter durch Parks in Manhattan schickte, wo Passanten sie in die richtige Richtung schicken mussten. Die New Yorker waren nicht nur hilfsbereit, sondern zeigten Mitgefühl für die kleinen Maschinen. Doch die Frage ist nicht, ob Maschinen menschlicher werden sollen, so Kuratorin Antonelli. "Ziel ist es, aus ihnen bessere Partner und die Technologie weniger mühselig, dafür intuitiver zu machen." Wir bewegen uns mit neuen technischen Entwicklungen ständig vorwärts. "Was auch bedeutet, dass wir, wenn notwendig, den Kurs ändern."

Einen der besten Kommentare liefert das Designteam Troika. Weil Haushaltsgegenstände intelligenter werden, könnte es durchaus passieren, dass sie die Menschen nachahmen. Der Bilderrahmen könnte eines Tages eifersüchtig auf den so gefragten Fernseher reagierten – und dafür sorgen, dass er nicht mehr richtig funktioniert und den Besitzer in seinem gemütlichen Sessel zum Wahnsinn treiben.

“Talk to me"

Daten: bis 7. November, Musuem of Modern Art , New York , der Katalog kostet 35 Dollar
http://www.moma.org/

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