Design and the Modern Kitchen - Museum of Modern Art

Die grosse Küchendebatte

Die einen sehen in ihr eine simple Futterschmiede, für andere ist sie ein Experimentierlabor oder Lifestyleaccessoire. Ein häusliches Statussymbol – oder Ausdruck der weiblichen Unterdrückung. Und für viele ist sie einfach das Herzstück des Hauses: die gute, alte Küche. Das Museum of Modern Art widmet dem Heim von Herd und Kühlschrank jetzt eine große Design-Ausstellung.

Anlass der Ausstellung "Counter Space: Design and the Modern Kitchen" ist der Erwerb der berühmten Frankfurter Küche, die 1926 von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky im Auftrag des Frankfurter Siedlungsdezernenten entworfen worden war.

Ziel war es damals, die Handlungsabläufe beim Kochen, Backen und Putzen zu rationalisieren und den Frauen die Arbeit zu vereinfachen. Schütte-Lihotzky war immerhin die erste Frau, die in Österreich ein Architekturstudium abgeschlossen hat. Ihr in freudlosem Grau gehaltenes Frankfurter Modell gilt als der Urtyp der modernen Einbauküche.

"Wir nehmen die Küche häufig als selbstverständlich hin", so Kuratorin Juliet Kinchin. Dabei würde sie Geschlechterrollen definieren und sei mit ihren technischen Innovationen Symbol ihrer Zeit. "Außerdem ist sie ein komplexer, gefährlicher und sexy Ort." Statistisch gesehen ereignen sich die meisten Unfälle im Haus in der Küche. Künstler suchten sich Heim und Herd schon immer gern als Spielbühne aus. 300 Objekte und Arbeiten aus der Sammlung des MoMA hat Kinchin für ihre Ausstellung zusammengetragen. Darunter der 1909 von dem Deutschen Peter Behrens entworfene erste elektrische Kessel, alte Plakate wie das von den deutschen Städtischen Gaswerken von 1924, Bücher, in denen die "Auswahlsorgen" der Haufrau bei der Suche nach der richtigen Eismaschine diskutiert werden und amerikanische Werbefilme, in denen ein Paar wie Ginger Rogers und Fred Astaire um die Kühlschränke herumtanzt.

Ein Foto von Richard Nixon und Nikita Chruschtschow zeigt den als Küchendebatte betitelten Schlagabtausch während einer internationalen Ausstellung in Moskau 1959. Nixon pries beim Anblick einer Küche made in USA Innovation und Freiheit an, Chruschtschow konterte: "Amerika tut mir leid. Besteht Ihr Leben wirklich nur aus Küchen?"

Werke von Tom Wesselmann oder Cindy Sherman und Mac Adams, auf dessen Fotos sich Damen in schwarzen Dessous im Toaster spiegeln, ergänzen die Küchenshow. Natürlich fehlen auch Tupperware, Braun-Geräte oder Schweizer Küchenuhren nicht. Kinchins Lieblingsstück ist ein in den siebziger Jahren entworfener, zusammenklappbarer solarbetriebener Kocher. Ansonsten hält sie es mit der Kochkunst eher locker. "In der Küche wird man mich immer auf Partys finden."

"Counter Space: Design and the Modern Kitchen"

Termin: bis 14. März 2011, Museum of Modern Art, New York
http://www.moma.org/visit/calendar/exhibitions/1062

Mehr zum Thema auf art-magazin.de