The Elastic Mind - New York

Die Maschine für die Zigarette danach

Die Ausstellung "Design and the Elastic Mind" im New Yorker Museum of Modern Art zeigt alltagsuntaugliches Design, das durch viel Humor, Intelligenz und Umweltbewusstsein überzeugt
Maschine ersetzt Freundin:Die humorvolle Schau zeigt alltagsuntaugliches Design

Rudolf Bannasch und Leif Kniese der EvoLogics GmbH und Markus Fischer der Festo AG & Co. KG. Corporate Design: "Aqua_ray" Prototype, 2007, Fiberglas

"Design schlägt eine Brücke zwischen Forschung und Alltag", meint Paola Antonelli, die Kuratorin der Ausstellung "Design and the Elastic Mind" im Museum of Modern Art. Doch nur einen winzigen Bruchteil der 200 Objekte kennt man aus dem Leben. Bei den meisten Ausstellungsstücken handelt es sich um konzeptionelle Arbeiten oder Prototypen.

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Strecken Teaser

Ob gefühlvolle Roboter, virtuelle Welten, in denen Gebäude und Städte ineinander fließen oder Sperma, das wie eine Postkarte Textbotschaften trägt. Die meisten Arbeiten vereint der Glaube, dass der Fortschritt die Welt in einen besseren Ort verwandeln wird. Eine der Aufgaben von Design sei es, Menschen und Objekten zu helfen, dehnbarer zu werden, so Antonelli. Design als Bewusstseinserweiterung, das sich mit komplexen Themen wie Nano- und Umwelttechnologie, Mensch und Natur, Interaktion, Individuum und Masse und den menschlichen Sinnen beschäftigt. Die Designer verstehen sich als Dolmetscher, die wissenschaftliche Errungenschaften in Objekte übersetzen.

So reagieren die "Objects For Lonely Men" des Amerikaners Noam Toran auf die Widrigkeiten im Leben eines Junggesellen. An einem Gerät kann sich der einsame Mann seine Füße im Bett wärmen, mit dem anderen die Zigarette danach teilen. Für jedes noch so menschliche Problem gibt es die passende Maschine. Der Niederländer Tomas Gabzdil Libertiny lässt Bienen ihren Honig in einer speziell geformten Wabe anlegen und auf diese Weise eine natürliche Vase produzieren. 40 000 eifrige Tierchen sind eine Woche lang mit der Produktion der Vase beschäftigt. Joris Laarmans "Bone Chair" wird mit Computersoftware dem menschlichen Knochengerüst nachempfunden. Vier Frauen aus Schweden alias "Front Design" entwickelten ein Verfahren, bei dem man seinen Entwurf für ein individuelles Möbelstück in die Luft zeichnet, Animationsfilmtechnologien fangen die Bewegungen ein, der Computer rechnet die Daten um und steuert den vollautomatischen Zuschnitt der einzelnen Teile. Die direkte Übersetzung, aus der wirkliche Möbel entstehen, wirkt verblüffend. Und ungemütlich.

Doch die Verbindung zwischen Wissenschaft, Technologie und Design überzeugt nicht durch Bequemlichkeit, sondern mit Umweltbewusstsein, Humor und Intelligenz. Präsentiert wird alltagsuntaugliches Design, das den Geist überrascht. Die Ausstellung zeigt auch, dass Designer Überlebenskünstler sind, die immer wieder neue Verbündete finden, die sie beschäftigen – und ihren Beruf neu erfinden.

"Design and the Elastic Mind"

Termin: bis 12. Mai, Museum of Modern Art, New York.
http://www.moma.org/exhibitions/2008/elasticmind/

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