Werner Aisslinger - Berlin

Entwurfsphantasien unsere Epoche

Das Wohnen und die Bedürfnisse der Menschen werden sich in den folgenen Jahren verändern. Aisslinger experimentiert in unterschiedlichste Richtungen und kleidet das Haus am Waldsee ein, in dem er die gesamte Fassade des Hauses, aber auch sein davor parkendes Auto mit angepassten Textilien in farbige Objekte überführt.

Das Design von heute verspricht nichts mehr, was es nicht halten kann. Utopiemüde sitzen wir in unseren dänischen Retrosesseln.

Die Zukunft ist schon da, sie liegt in unserer Hand und heißt Smartphone, und wir fühlen uns von ihr immer ein bisschen überfordert. Dieses Gefühl, alles werde zu viel, posten wir dann bei Facebook. Wir haben genug damit zu tun, die Gegenwart in Schach zu halten, von der wir zugleich milde berauscht sind.

So gesehen, ist Werner Aisslinger vielleicht der typische Designer unserer Epoche. Bei ihm ist der Fortschritt kein Traum, sondern eine Tatsache. Wo in den sechziger Jahren Designer wie Verner Panton und Joe Colombo mit kühner Geste ganze Welten entwarfen, geht der 49-jährige Berliner Möbel- und Produktdesigner den Weg der kleinen Schritte. Anders als viele andere Gestalter interessiert er sich für neue Materialien. Zu seinen bekanntesten Entwürfen zählen die Liegen und Sessel der Reihe "Soft Cell". Man liegt auf Kunststoffzellen, die mit einem Techno-Gel gefüllt sind, das man bis dahin nur in der Medizin und bei Sportgeräten benutzt hat. Die Idee des Geschmeidigen und der Verflüssigung zieht sich durch Aisslingers Arbeiten: So entwarf er 2004 das Bürosystem "Level 34", mit dem man sein Büro theoretisch minütlich umbauen kann – und auch für seine Lampen, Vasen und Sofas bevorzugt er weiche, fließende Formen.

Aisslinger hat an der Hochschule der Künste in Berlin studiert, er war freier Mitarbeiter von Jasper Morrison und Ron Arad. Keine Möbelmesse findet statt ohne Neuheiten von ihm, und die Sammlung des MoMA enthält Aisslinger-Stücke. Ein Star wie Konstantin Grcic oder die Gebrüder Bouroullec ist er aber nie geworden. Vielleicht fehlt seinen Arbeiten das Ikonenhafte. In Berlin präsentiert er nun seine Wohn- und Materialfantasien im Zusammenhang. Zu sehen sein wird auch sein legendärer "Loftcube": ein mobiles Apartment, das mit dem Hubschrauber transportiert werden kann.

Werner Aisslinger: "Home of the future"

21. April bis 9. Juni 2013 im Haus am Waldsee i
http://www.hausamwaldsee.de/index.php?lang=de