IMM Köln - Möbeldesign

Stagnation in der Komfortzone

Ein Jahr nach der Krisenmesse 2009 will sich die IMM in Köln wieder als "Leitmesse" der Möbelindustrie in Erinnerung rufen. Ein Rundgang zeigt: Die Krise ist noch da – und wer neue Impulse sucht, sollte eher an den Rändern suchen.
Stagnation in der Komfortzone:Ein Rundgang bei der IMM in Köln

Die drei schwedischen Designerinnen von FRONT (von links): Sofia Lagerkvist, Anna Lindgren und Charlotte von der Lancken

Es scheint, als sei der liebe Gott doch ein Freund des Designs. Er hat sich etwas Besonderes ausgedacht, um der gebeutelten Möbelindustrie seine prinzipielle Kooperationsbereitschaft zu signalisieren: drei junge Frauen aus Schweden, eine schöner als die andere, mit dem Charme von ABBA und der Eleganz von Models. Diese drei Frauen sind Designerinnen, zusammen nennen sie sich FRONT, und sie entzünden gleich ein ganzes Feuerwerk der bizarren, poetischen, witzigen Ideen: Ein riesiges schwarzes Plastikpferd trägt einen Lampenschirm auf dem Kopf, eine "weggewehte Vase" sieht aus, als habe der Wind selbst das Porzellan geformt, ein "Schachtisch" ist von der Platte bis zum Fuß mit schwarzen und weißen Feldern überzogen.

Das Design von Sofia Lagerkvist, Anna Lindgren und Charlotte van der Lancken strahlt eine märchenhafte Unbekümmertheit aus: Schränke wechseln per Elektronik alle paar Sekunden ihre Außenseite. Der Bewegungsablauf einer vom Regal stürzenden Vase ist – wie in einer eingefrorenen Filmsequenz – in weißem Porzellan festgehalten, Möbel werden mit einem CAD-Programm in die Luft gemalt und dann auch gleich so hergestellt.

Auf der Kölner Möbelmesse, die noch bis Sonntag läuft, wurde FRONT von der Zeitschrift "Architektur & Wohnen" mit dem Titel "Designer des Jahres" ausgezeichnet. Der Eröffnung ihrer kleinen Retrospektive im Gerling-Quartier war denn auch ein bisschen Glanz beschieden: Jeder wollte sie mal sehen, die drei schönen Schwedinnen, es gab gute Drinks, und die Stimmung war bestens. Ein Lichtblick in der Messestadt, wo ansonsten Trübsinn und Stagnation herrschen.

Wir erinnern uns: Im vergangenen Jahr war die Möbelindustrie und damit auch die IMM mit einem lauten Rumms in die Krise gerutscht. Unübersehbare Leerstände zeigten, dass das Desaster der Finanzmärkte die Branche direkt getroffen hatte. Man hatte damals Skulpturen des niederländischen Atelier van Lieshout auf die Freiflächen gestreut, was die Peinlichkeit des Ganzen eher verstärkte.

Das ganze ABC der Klassischen Moderne

In diesem Jahr sieht es kaum voller aus, doch wurde die Krise anders kaschiert: Großhersteller wie COR und Interlübke hatten geradezu grotesk-gigantische Messestände, in denen man sich verlaufen konnte. Größe ersetzt Vielfalt. Im Obergeschoss der Halle 11 gibt es nun das "pure village": Meist eher kleinere Messestände sind nicht entlang gerader Bahnen, sondern unregelmäßig angeordnet, wie in einem kleinen Dorf – das hat durchaus seinen Charme. Allerdings sahen manche der Stände ein bisschen verloren aus in der Weite der Halle. Auch wenn mit ClassiCon ein wichtiger Name wieder auf der Ausstellerliste steht: Tonangebende Designfirmen wie Vitra, Kartell und Moormann fehlten in diesem Jahr. Die IMM kann nicht mehr mit Masse punkten, aber eben auch nicht mit Relevanz.

Stilistisch wird das ganze ABC der Klassischen Moderne erneut durchbuchstabiert: Die kühle Eleganz von streng rechteckigen Sofas und Beistelltischen aus lackiertem Metall hat wohl auch im 21. Jahrhundert seinen Reiz bewahrt. Und der schon vor zehn Jahren von der hessischen Designergruppe E15 losgetretene Echtholztrend hat mittlerweile den Mainstream erreicht: Tische und Bänke aus Eiche sah man allerorten, ebenso Hocker aus Baumstümpfen.

Entdeckungen gibt es bei der Gegenmesse "Designers Fair"

Das Off-Programm "Passagen" ist wie immer in der ganzen Stadt verstreut, aber es hat auch eine Art Zentrum gefunden: Im "RheinTriadem" direkt hinter dem Hauptbahnhof fand zum zweiten Mal die Gegenmesse "Designers Fair" statt. Bei der Premiere im vergangenen Jahr war dort junges deutsches Design zu sehen gewesen, in diesem Jahr ist das Programm international. Hier ist einiges zu entdecken: Die Karlsruher Designerin Eva Marguerre zeigt "Nido", einen extrem leicht Hocker aus mit Harz getränkten Glasfasern; der Dortmunder Laden "Heimatdesign" beweist, dass es im Ruhrgebiet viele interessante junge Designer gibt; Marietta Moraweg und Marlen Hähle aus Halle a.d. Saale haben schöne Objekte für Draußen entworfen, zum Beispiel eine Picknickdecke, die auch bei Minustemperaturen benutzt werden kann.

Es galt auch in diesem Jahr: Wirklich interessant wird die Kölner Möbelmesse an ihren Rändern.

"IMM Cologne"

Termin: bis 24. Januar 2010, Köln
http://www.imm-cologne.de/

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