Alexander Calder - Düsseldorf

Inspirierendes "Pling-Pling

Er erfand das Mobile und arbeitete im steten Rhytmus der Klänge – Alexander Calders erste große Museumsschau in Deutschland seit 20 Jahren in der Kunstsammlung NRW betritt die Schnittstellen von Bewegung und Stillstand sowie abstrakter Kunst und Musik.

Den ungewöhnlichsten Ort für ein Calder-Mobile fand wohl Peggy Guggenheim 1942 bei der Eröffnung ihrer New Yorker Galerie "Art of this Century": Sie trug es als schmucke Miniatur-Maßanfertigung an ihrem Ohr baumelnd. Dieses geschichtsträchtige Stück wird allerdings nicht in der großen Alexander-Calder-Ausstellung "Avantgarde in Bewegung" im Düsseldorfer K20 zu sehen sein. Die erste Museumsschau des amerikanischen Bildhauers in Deutschland seit 20 Jahren konzentriert sich auf seine Mobiles und Stabiles und deren Klang und Bewegung.

"Wir haben ganz bewusst auf seine dekorativen Arbeiten, Drahtfiguren und den berühmten Zirkus verzichtet", erklärt Susanne Meyer-Büser, die Kuratorin der Ausstellung. "Es geht um Calders Kernthemen Bewegung, Klang und Abstraktion, die den Stellenwert seines Œuvres in der Kunstgeschichte ausmachen." Rund 70 Arbeiten des Sohns eines Bildhauers und einer Malerin (1898 bis 1976) hat das K20 dazu aus aller Welt zusammengeholt – darunter vier Dutzend "Noise Mobiles", also Metallarbeiten, die bei Bewegung durch Luftzug Klang erzeugen. "Das ist etwas sehr Besonderes", betont Meyer-Büser, "da so viele dieser speziellen Arbeiten selten gemeinsam zu sehen sind."

"Wir wissen, dass Calder in seinem Pariser Atelier in den dreißiger Jahren ohne Musik gearbeitet hat, aber das Hämmern der filigranen Teile seiner Metallarbeiten dürfte einen steten Rhythmus erzeugt haben – vielleicht hat ihn das dazu inspiriert, mit dem Element Klang zu experimentieren", erläutert Meyer-Büser das insprierende "Pling-Pling".

Deshalb wird in der Ausstellung auch Musik von Edgar Varèse zu hören sein, mit dem Calder befreundet war. Auch Stücke von John Cage sind Teil der Schau, da es über das Werk Calders hinaus auch um die Schnittstelle von abstrakter Kunst und Musik geht. Historische Filme – zum Beispiel von Man Ray, einem anderen berühmten Weggefährten Calders – dokumentieren Calders exzellente Vernetzung bis in die Speerspitze der abstrakten und surrealen Avantgarde seiner Zeit, die unter anderem auch dadurch verbürgt ist, dass der Calder-Fachjargon auf Marcel Duchamp und Hans Arp zurückgeht. Der Erste gab den faszinierend ausbalancierten Hängearbeiten Calders den Überbegriff "Mobile", woraufhin Arp die stehenden Arbeiten "Stabiles" taufte.

Alexander Calder – Avantgarde in Bewegung

7. September bis 12. Januar,
Kunstsammlung NRW,
K20 Grabbeplatz,
Düsseldorf,
Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Der Katalog erscheint im Hirmer Verlag, er kostet 34,90 Euro.
http://www.kunstsammlung.de/entdecken/ausstellungen/alexander-calder.html

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