Zeynep Fadillioglu - Istanbul

Eine Männerbastion ist gefallen

Die türkische Designerin Zeynep Fadillioglu gestaltet als erste Frau eine Moschee in Istanbul. Im April soll die Moschee eröffnet werden.
Pionierleistung:Türkische Designerin gestaltet eine Moschee in Istanbul

Die Kuppel der neuen Moschee von Zeynep Fadillioglu

Als erste Frau gestaltet die Istanbuler Designerin Zeynep Fadillioglu in der Türkei eine Moschee. "Ein Frau kann, was ein Mann machen kann", sagt sie selbstbewusst. Doch ganz so selbstverständlich ist die Aufgabe nicht. Fadillioglu selbst glaubt, dass sie weltweit die erste Frau ist, die ein größeres islamisches Gotteshaus baut.

"Ich bin Muslimin. Ich bin immer in die Moschee gegangen", sagt Fadillioglu, eine modern auftretende Frau, die bisher Hotels und Restaurants entworfen und eine Berliner Villa restauriert hat. "Ich bin nicht hier, um den Islam neu zu definieren. Aber Istanbul war immer sehr fortschrittlich", meint sie. Deswegen soll die Moschee auch nicht einfach eine Replik traditioneller osmanischer Moscheen sein. Herausgekommen ist ein moderner Bau, der aber mit seiner weiten Kuppel und den zwei Minaretten sofort als Moschee zu erkennen ist. Die Fassaden bestehen aus Glas und einer verzierenden Metallstruktur. Das Gebäude soll etwa 340 Betenden Platz bieten, im Vorhof gibt es Platz für etwa 300 weitere Menschen. Die wohlhabende Sakir-Familie finanziert das Projekt. Im April soll die Moschee eröffnet werden.

Der grundlegende Entwurf stammt vom dem renommierten türkischen Architekten Hüsrev Tayla, der inzwischen 80 Jahre alt ist und in der Türkei eine Vielzahl von Moscheen gebaut hat. Er ist etwas verbittert darüber, wie die Designerin ihre Rolle in der Öffentlichkeit verkauft. "Es gibt in der Türkei fünf Architekten, die vor allem
Moscheen bauen. Darunter ist keine Frau – leider", sagt Tayla. Es habe Frauen gegeben, die Moscheen restaurieren.
Trotz der Kritik ist Fadillioglu in ihrer Rolle eine Pionierin, auch wenn sie vor allem die Ausgestaltung des Entwurfs übernommen hat. "Wir haben jeden Bauabschnitt islamischen Gelehrten und einem Kunsthistoriker vorgelegt, um falsche Assoziationen zu verhindern. Sie haben uns angeleitet. Zu keinem Zeitpunkt wurde etwas gestoppt",
sagt Fadillioglu.

Sie wünscht sich, dass die Frauen in den Moscheen einen besseren, gleichberechtigten Platz bekommen. Traditionell beten sie auf Frauenemporen. In kleinen Moscheen sitzen sie hinter den Männern. "In vielen Moscheen gibt es für die Frauen schlechtere Bedingungen. Sie müssen durch die Hintertür kommen", sagt Fadillioglu. "Ich dachte, es müsste Grenzen geben. Gibt es aber nicht. Die Beschränkungen sind in den Köpfen." Vorgeschrieben sei eigentlich nur die Gebetsrichtung, wie sie die Mihrab genannte Gebetsnische vorgibt. "Viele Menschen verwechseln ihre Traditionen mit den religiösen Regeln", sagt die Designerin. Carsten Hoffmann, dpa

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