Luigi Colani - 80. Geburtstag

Der Andere unter den Andersartigen

Der als schwierig und eigenwillig bekannte Designkünstler Luigi Colani macht seinem Ruf alle Ehre: Kurzerhand und ohne Begründung sagt der fanatische Vertreter der runden und aerodynamischen Form ein Interview zu seinem 80. Geburtstag am 2. August ab.
Herzlichen Glückwunsch, Colani:Der deutsche Designer wird 80 Jahre alt

Designer Luigi Colani auf einem seiner Stühle während einer Ausstellung in Karlsruhe

Die Termine des "Künstlers Colani, sind abhängig von seiner Tagesform", sagt Daniel Bodmer, ein Mitarbeiter Colanis in seiner Schweizer Firma Colani Trading AG. Colani werde an seinem Geburtstag im Flieger zurück nach Südchina sitzen. "Er wird sich eine Zigarre und einen Orangensaft genehmigen. Eine Party ist nicht geplant. Davon hält er nicht viel."

Direkt gewährt der umstrittene "Maestro Colani" also weder einen Einblick in sein momentanes Leben noch in seine Pläne. Zuhauf soll es sie aber geben. Vor allem in China sucht der Designer die Verwirklichung seiner Träume: Erst kürzlich eröffnete er im Süden des Landes ein Design-Studio. Dort entwickelt er Windkraftwerke für ein chinesisches Unternehmen mit dänisch-deutscher Ingenieurleistung.

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Strecken Teaser

Im Reich der Mitte will Colani auch sein "Lebenswerk und Vermächtnis Eco-City" realisieren. Zurzeit arbeitet er an dem Modell einer Stadt, die einen auf dem Rücken liegenden menschlichen Körper darstellt und in den kommenden Jahren in Südchina entstehen soll. Die Stadt werde die "Lebensbedingungen des 3. Jahrtausends definieren" und 50 000 Wissenschaftlern Platz bieten. Dabei unternimmt der Künstler den Versuch, extrem energiesparend zu sein und kein Gramm fossiler Energie zu verwenden, wie Bodmer in Colanis Vertretung weiter erzählt.

"In Europa fehlt für Colanis Ideen der Mut, in China sind seine kostspieligen Träume zu realisieren." Colani habe Deutschland jedoch nicht ganz den Rücken gekehrt. Das Design-Studio in Karlsruhe bleibt erhalten. Außerdem ist eine riesige Lebenswerk-Ausstellung in Europa geplant.

Wie kritisch auch immer man zur Person Colani, der sein Gegenüber mehr als einmal mit Begriffen unter der Gürtellinie ("alles Idioten") überzogen hatte, stehen mag: Der selbst ernannte "3D-Philosoph" hat zweifelsfrei Visionen und sorgt seit mehr als 50 Jahren mit seinen futuristischen Entwürfen für Furore. Dabei ist stets die Natur sein Vorbild: Rund, dynamisch und ungewöhnlich wurde alles, was der Professor an der Universität von Shanghai, in seine künstlerischen Finger bekam.

Der Mann mit dem großen Schnurrbart und dem noch größeren Selbstbewusstsein

So baute Colani, der sich gern im weißen Strickpullover, mit Schal und Zigarre zeigt, Rundungen in so ziemlich alles ein: Autos, Fahrräder, Flugzeuge, Handys, Bügelbretter, Armbanduhren, Parfümflaschen, Polizeiuniformen und Särge. Die meisten seiner Ideen wurden nie realisiert. Lediglich futuristische Prototypen gab es davon zu bewundern. Großen Erfolg hatte Colani mit seiner Badezimmer-Kollektion, seinem Kamera-Design, der weichen "Canon-Linie", dem
Piano "Pegasus", das Musiker Lenny Kravitz und Prince bestellten, sowie seiner Brillenkollektion.

Der Mann mit dem großen Schnurrbart und dem noch größeren Selbstbewusstsein hat nicht nur in Deutschland gearbeitet, sondern viele Jahre auch in Frankreich, in der Schweiz, in Kalifornien und Japan. Unter den zeitgenössischen Designern bewundert er Karim Rashid und Ross Lovegrove.

Der Sohn eines Filmarchitekten aus dem Tessin und einer Deutschen, der als Lutz Colani in Berlin zur Welt kam, studierte zunächst Bildhauerei und Malerei an der Kunstakademie in Berlin. In Paris beschäftigte er sich mit der Aerodynamik und tüftelte in den 50er Jahren an französischen Rennwagen. Ein windschlüpfiger Container-
Lastwagen sollte den Frachtverkehr ebenso revolutionieren wie die frühere Colani-Idee eines Frachtschiffes, dessen Form sich der Erdrundung anpasst. Einige Einzelstücke des Lastwagens fahren auf den Straßen Europas. "Colani ist eben anders, auch unter den Andersartigen", beschreibt ihn ein Mitarbeiter.

Tatjana Bojic, dpa

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