Milton Glaser - Interview

Willkommen im Dschungel!

Für die siebte und letzte Staffel der gefeierten US-Serie "Mad Men" entwarf der legendäre New Yorker Grafikdesigner Milton Glaser ein anspielungsreiches Motiv. Wir sprachen mit Glaser über die Hintergründe des Motivs.
Eine kleine Sensation:Milton Glasers Plakat für "Mad Men"

Matthew Weiner, der kreative Kopf und Produzent von "Mad Men" erfüllte sich für die letzte Staffel einen Traum: Er beauftragte den legendären Grafikdesigner Milton Glaser für die Gestaltung der Anzeigenmotive

Die TV-Serie "Mad Men" lässt die Werbeszene im New York der sechziger Jahre wieder aufleben: Sie feiert eine Zeit, in der Männer nie ohne Hut und Mantel vor die Tür gingen – und Frauen sich nicht von Zigarrenrauch und sexistischen Kommentaren irritieren ließen.

Matthew Weiner, der kreative Kopf und Produzent der Show, erfüllte sich jetzt für die letzte Staffel einen Traum. Um sie zu bewerben, gewann er niemand Geringeren als Milton Glaser. Doch Vorsicht: Glaser ist nicht der typische Ad Man! Vielmehr schreibt der Schüler von Giorgio Morandi seinen Entwürfen häufig subtile kunsthistorische Referenzen ein: Beim Entwurf seines Dylan-Posters ließ er sich 1966 von einem kleinen Scherenschnitt Marcel Duchamps inspirieren und verwandelte das Haar des Popstars in bunte Arabesken. Eine Ikone war geboren. Noch populärer wurde sein ”I love NY”-Emblem, das heute zu den weltweit meist-adaptierten grafischen Zeichen zählt. Ob Plattencover für CBS, Plakate für Olivetti und die großen Kunstmuseen New Yorks – Glaser schuf mit seinen feinsinnigen Illustrationen einen Stil, der noch heute sehr geschätzt wird. Und offenbar hat der 84-Jährige nichts von seinem visuellen Geschick verloren. Doch wie kam es eigentlich zu dem Auftrag? Und was hält er von der Serie? Wir fragten nach.

Natürlich haben Sie die Zeit in New York, in der die Serie spielt, erlebt und mitgeprägt. Aber die Werbejobs, die in "Mad Men" vorkommen – Reklame für Waschmittel, Zigaretten, Autos – haben Sie doch eher gemieden, oder?

Das ist richtig. Ich habe mich von typischen Agenturjobs, bis auf wenige Ausnahmen, bewusst ferngehalten. Denn damit sind meist so viele Zwänge verbunden, dass nichts Abenteuerliches oder Außergewöhnliches möglich ist. Als Kreativer spürt man sehr schnell die engen Grenzen, die einem in der klassischen Werbung gesetzt werden. Fraglos kann man viel Geld damit verdienen, aber die ganze Atmosphäre kann sich sehr zerstörerisch auf die Kreativität auswirken. Natürlich habe ich mich in dieser Szene bewegt, das waren ja nun mal Kollegen. Ich kannte die Welt, in der die Serie spielt, sehr gut.

Hat "Mad Men" denn irgendetwas mit der Realität damals gemein?

Nun, wie bei jedem Kunstwerk geht es hier nicht um Realismus. Es geht darum, etwas glaubhaft zu machen. Es mag so gewesen sein, oder auch nicht. Aber wenn man die Serie guckt, kommt es einem so vor, als sei alles so gewesen! (lacht) So etwas wie Realität gibt es ja ohnehin nicht – unser Gehirn produziert aber etwas, das wir dafür halten.

Natürlich tranken Sie auch, wie in die Männer in Mad Men, die ganze Zeit Whiskey bei der Arbeit und rauchten Kette, stimmt´s?

Nein! (lacht) Nichts davon.

Ich habe gelesen, dass einer der Auftraggeber der Filmgesellschaft AMC die Haare Ihres berühmten Dylan-Posters ausgeschnitten, quergelegt und mit der Don-Draper-Silhouette kombiniert hat – um zu zeigen, was man sich in etwa vorstellt.

Nun, die Draper-Silhouette war nicht dabei. Aber es stimmt: Die Dylan-Haare hat man benutzt, um zu zeigen, in welche Richtung es gehen könnte. Man wollte also den Stil, für den ich bekannt war in der Zeit der späten Sixties: Psychedelic Art, was immer das auch sein mag. Ich wollte den Entwurf nicht zu abstrakt halten und baute ein paar konkrete Motive in die Blumenranken ein: das Profil einer Frau, ein Cocktailglas, einen Schuh etc. Aber ich konnte nicht zu konkret werden, denn man hat mir nicht verraten, was in der letzten Staffel passieren wird. Ich habe nicht die geringste Ahnung – und bin sehr gespannt!

www.miltonglaser.com

Mad Men

läuft ab dem 14. April auf dem amerikanischen Fernsehsender AMC
http://www.amctv.com/shows/mad-men

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