Design Miami - Messe

In Miami werden Krisen runtergespült

Zum fünften Mal fand die Design Miami statt. Maarten Baas wurde diesmal als "Designer des Jahres" ausgezeichnet, es gab weniger Aussteller – aber so viel Champagner wie immer.
Krise runterspülen:Das Fazit zur Design Miami 2009

Nur 14 Galeristen versammelten sich zur Design Miami im Messegebäude im Design District

Dass die Wirtschaftskrise ihre Spuren in Miami Beach hinterlassen hat, ist unübersehbar. Im berühmten Art-Deco-Viertel wird zwar gerade ein überschickes Parkhaus von Herzog & de Meuron gebaut, aber drum herum stehen viele Gebäude zum Verkauf – die Immobilienpreise sind im vergangenen Jahr um 40 Prozent gefallen –, und eine Woche vor Beginn der Art Basel Miami Beach, der wichtigsten Kunstmesse und lautesten Partywoche des Jahres, haben die Hotels ihre Zimmerpreise reduziert.

Gefeiert wurde trotzdem: Die Absätze der Models bei den Vernissagen schienen noch ein paar Zentimeter höher zu sein als im Vorjahr, und der Champagner am Sponsorenstand von Audi floß gefühlt noch schneller. In Miami Beach werden Krisen eben mit Luxus runtergespült.

Dabei gab sich die von Ambra Medda und Craig Robbins vor fünf Jahren ins Leben gerufene Messe deutlich bescheidener als in den Vorjahren. Die Anzahl der Galerien hat sich innerhalb eines Jahres von 23 auf 14 reduziert. Viele Anbieter von modernen Klassikern des 20. Jahrhunderts verzichteten auf Anwesenheit. Und dem Überangebot an limitierten Editionen – oftmals Serienprodukte, die mit luxuriöseren Materialien aufgewertet wurden – sind konzeptuellere, narrativere Objekte gefolgt. "Die verrückten Zeiten in denen Designer alles mögliche hier hingestellt haben und zu absurd hohen Preisen verkauft haben, sind vorbei", sagt der Niederländer Maarten Baas, der anläßlich der Messe mit dem "Designer of the Year 2010"-Award ausgezeichnet wurde, "zum Glück. Jetzt hat der Preis der Stücke auch wieder etwas mit ihrem Wert zu tun." Im Falle von Superstar Maarten Baas ist der wohl auch stabil geblieben. Das wuchtige Schrank-Objekt "Cabinet" aus Stahl und Holz, das Baas für die Ausstellung zum "Designer of the Year" entworfen hat – und das wie eine überdimensionale Monster-Auster inmitten seiner Ausstellung tront – wurde für 200 000 Dollar angeboten.

Batteriebetriebene Kuscheltiere und bunte Kristalle

Einige Galeristen hatten auch kleinere, preisgünstigere Objekte im Angebot. Die Londoner Händlerin Libby Sellers kam mit "Tidal Ossuary", einer Kollektion von Vasen, die Julia Lohmann und Gero Grundmann aus Pferdeknochen gefertigt haben. Der New Yorker Galerist Murray Moss hatte einen Schrank aus Maarten Baas’ extrem erfolgreicher, aber nicht mehr ganz neuer "Smoke"-Kollektion an seinem Stand, sowie Objekte von Peter Marigold, Julian Carretero, Andy Coolquitt und der Künstlerin Cathy McLure, die batteriebetriebene Kuscheltiere auseinanderschneidet, und deren Kunststoffskelett durch Bronze ersetzt.

Die Kristallfirma Swarovski war mit einer Architektur-Installation vertreten, für die Greg Lynn riesige aber federleichte Mylar-Segel mit bunten Kristallen beklebt hat – und Automobilhersteller Audi, Sponsor der Design Miami und der Art Basel, nahm die Designmesse zum Anlass, sein neues Flagschiff A8 zu präsentieren – ein elegantes Aluminium-Schiff im eigens errichteten Pavillon, begleitet von Kunstwerken aus der Rubell Collection und der Lichtinstallation "The Light Light" von Tom Dixon.

Die nicht verkauften Messequadratmeter bespielten die Organisatoren sehr geschickt: mit einer großen Fläche für Design Talks, dem etwas studentisch aufgezogenen Projekt "Workshop Workshop", bei dem Kreative aus Verpackungsmaterial Sitzgelegenheiten bauen und täglich ein "Limited Edition Zine" herausgeben. Am eindrucksvollsten waren aber die täglichen Performances des LED-Künstlers Moritz Waldemeyer mit der US-Popband OKGo. Der in Deutschland geborene, in London lebende Waldemeyer veredelte E-Gitarren mit feinstem Fendi-Leder, LED-Textlaufbändern und bunten Lasern, durch die während des Auftritts die Musik der Band direkt in Lichtprojektionen umgesetzt wurde – die perfekte Miami-Beach-Fusion von Glamour und Kunst, Pop und Performance.

"Design Miami 2009"


http://www.designmiami.com/