DMY Design Festival - Berlin

Junge Talente aus aller Welt

Jährlich präsentiert DMY, das International Design Festival Berlin, auf dem renommierte sowie junge Designer neue Produkte, Prototypen und experimentelle Konzepte vorstellen. Die Austellungen werden begleitet durch ein umfangreiches Rahmenprogramm aus Symposien, Designer-Talks und Workshops, die Themen des zeitgenössischen Designs aufgreifen, reflektieren und notwendige Zukunftstendenzen des Produktdesigns sowie angrenzender Disziplinen aufzeigen.
Zeitgenössisches Produktdesign:International gefeiert und gelobt

Besucher auf dem Internationalen Design Festival in Berlin. Die Austellungsstücke kann man nicht nur bestaunen, sondern auch entspannt genießen.

Die Erwartungen an das Berliner Design Festival im stillgelegten Flughafen Tempelhof schnellen schon kurz nach Öffnen der Tore in die Höhe: "Das polnische Design", sagt Ake Rudolf, Kurator und Projektkoordinator des Länderschwerpunkts Polen, "ist heute so global wie das italienische, deutsche und dänische."

Zwar fehlen in der Schau, bedingt durch die Krise, diesmal der Mut zum Experiment, ergänzt er, dafür gäbe es aber umso mehr ausgeklügeltes Design. Außerdem hätten polnische Kreative die Gabe, "aus einfachen Mitteln, Besonderes zu schaffen".

Aha. Also mäandert man los, kreuz und quer durch die zwei Hangars, stolpert über unklar definierte Präsentationsflächen, trifft bei der Akademie für Bildende Kunst Lodz erstmal auf traditionelle Webstühle und rundherum auf drei 3D-Druckstationen – Objectplot aus Berlin, die 3D-Keramik-Printing-Experimente der Hochschule der Bildenden Künste Saar und Hafner’s Büro aus Stuttgart.

Doch irgendwo zwischen den über 40 polnischen Studios und Hochschulen, die hier auch Dank des Polnischen Instituts Berlin ausstellen, jedoch viel zu bescheiden inszeniert, steht tatsächlich ein großartiges Möbel, das alles anfangs gepriesene vereint: Jan Lutyks Hocker "Ribbon". Der Student der Warschauer Akademie der Künste, der bereits ein Ethnologie-Abschluss hat, bog ihn in eleganten Schlaufen aus Buchenfurnier. Dennoch wirkt das Leichtgewicht, als wäre es aus einem Stück Holz geschnitzt. Die Form – und nur die – erinnert an den Plopp-Hocker aus aufgepumptem Stahlblech, mit dem der Pole Oskar Zieta 2009 auf Anhieb berühmt wurde.
Womöglich bringt sich hier ein würdiger Nachfolger Zietas ins Spiel. Aber es gibt noch andere Kandidaten: die Zwillingsschwestern Monika und Kasia Gwiazdowska alias Monomoka zum Beispiel. Mit Hilfe komplizierter Hekeltechniken fertigten sie 13 "Crocheted seats", Sitzpolster mit korallenartigen Oberflächen. Oder die kleeblattförmigen Poufs "Trefle" von Piotr Kuchciński für Noti, die auf ihren vier Beinen unbemerkt durch die Halle zu wandern scheinen, weil man ihnen immer wieder begegnet.

Märchenhafte Entwürfe

Und die anderen internationalen Entwerfer? Rund 500 sollen es sein. Ins Auge fallen die knuffigen Fußschemel-Tiere von Hanna Ernsting. Mit ihren Polsterfellen wärmen Elefant, Schwein und Schaf kalte Zehen. Das Einwickeln ist das Thema der HfG-Karlsruhe-Absolventin: Bekannt wurde sie 2011 mit ihrem Sofa "Moody", mit dem man sich komplett zudecken kann. Ebenso komfortabel: die Couch "Camp" von Stephanie Hornig, entworfen für Metropolen-Nomaden, die, wie sie selbst, ständig umziehen. Im Karton-Chaos wird das Sofa zipzap zum Schlafsack. Oder die gestapelten Schmuckschatullen für Prinzessinen von Jenna Postma aus Groningen, die auf Flamingo-schlanken Beinen emporragen.

Märchenhaft sind auch die auffällig vielen Entwürfe für Kinder: Krzysiek und Farida Dubie von Trzymyszy bauen Flugzeuge und Spielhäuser aus Pappe. Formfreund aus Potsdam fertigt Holz-Laufräder mit Hundekopf. Mit dem System "Smart" von Vox können kleine Baumeister selbst Betten und Stühle konstruieren. Und mit den "Poor Toys", den Bürsten-Flitzern und Stöpsel-Kränen von Bartosz Mucha für Poorex, macht Abwaschen plötzlich Spaß. Und wer mal wieder wie ein Kind träumen möchte – von Warschau oder etwas anderem, der sollte es sich unter dem "Warschauer-Traum", der großen Mobile-Wolke von Jakub Szczesny, gemütlich machen. Der polnische Architekt sorgte mit dem "Keret House" für Aufsehen, das er in die weltweit schmalste Baulücke im Zentrum Warschaus quetschte. Für sein Mobile ließ er bekannte Illustratoren des Landes typische Warschau-Motive zeichnen. Jeder DMY-Besucher, der am letzten Tag unter ihnen träumt – und idealerweise das Festival Revue passieren lässt – darf eine der 100 Traumkarten mit nach Hause nehmen.

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