Design-Utopien - Zürich

Kleine Fluchten statt grosser Gesten

Zehn Künstler und Designer sollten ins Träumen geraten: Das Museum für Gestaltung in Zürich will den Geist der Utopie wieder beleben. Heraus kam eine feinsinnige, aber kleinmütige Schau – sind wir zum großen Entwurf nicht mehr fähig?
Wenn Künstler träumen:Zehn Utopien in Kunst und Design

Zazo & Brull: "China Five Stars, 100 Ways to Wear a Flag", 2007

Es muss doch wieder möglich sein, von besseren Zeiten zu träumen. Oder zumindest von besseren Hängematten! So ungefähr lautet wohl die Botschaft dieser Ausstellung. Jeweils fünf Designer und Künstler wurden eingeladen, sich dem zu widmen, was die Engländer so poetisch "Wishful thinking" nennen.

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Es hätte das richtige Projekt zur richtigen Zeit sein können: Der Moment, da die letzte große totalitäre Wunschwelt mit der Berliner Mauer zusammenbrach, liegt fast 20 Jahre zurück. Unsere Gegenwart ist ausgenüchtert genug, um wieder utopischen Überschwang vertragen zu können.

Doch davon ist wenig zu spüren. Der Besucher wird empfangen von einer Installation der spanischen Künstlerin Alicia Framis: Aus der chinesischen Flagge hat sie 15 völlig unterschiedliche Kleider nähen lassen. Man kann dies als Kommentar zur weltweiten Modeindustrie verstehen, deren zweifelhaftes Gütesiegel nun mal "Made in China" heißt – aber Globalisierungskritik macht noch keine Utopie. Auch viele andere Arbeiten in der Schau wirken merkwürdig defensiv, brav, fast wie private Basteleien. Die Designergruppe Bless hat drei hübsche Hängematten entworfen, eine davon hat sogar Fächer für Zeitschriften, was natürlich praktisch ist, aber auch von Ikea stammen könnte.

Der italienische Designer Martino Gamper baut aus Sperrmüll neue Möbel zusammen – schräg sind sie im wörtlichen Sinn und manchmal von bizarrer Schönheit, doch beflügelnd sind sie nicht. Die dänische Gruppe Superflex stellt eine Anlage zur Herstellung von Freibier vor: Eine Utopie, die wohl nur vor dem Hintergrund der unwirklich hohen dänischen Bierpreise richtig zu verstehen ist.

Keine große Geste, kein kühner Entwurf. In ihrem schick verkleideten Kleinmut führt einem die Ausstellung vor, wie wenig weltverbessernde Phantasie wir noch haben. Alles drei mal um die Ecke gedacht, und am Ende landet man bei den kleinen Fluchten. Die englische Designergruppe Dunne & Raby and Michael Anastassiades hat wenigstens Humor: Sie entwarf unter anderem Atomplize aus Stoff, zum Kuscheln für Leute, die Angst vor einem Atomkrieg haben. Nicht utopisch – aber tröstlich.

"Wouldn't it be nice – 10 Utopien in Kunst und Design"

Termin: bis 25. Mai, Museum für Gestaltung, Zürich. Katalog: JRP Ringier, 38 Schweizer Franken, im Buchhandel 29 Euro.
http://www.museum-gestaltung.ch/