Möbelmesse Köln - Design

Masterpläne und Adiletten

Noch bis Sonntag lädt Köln zur Möbelmesse. Die Besuchermassen strömen und bewundern Attraktionen wie etwa hochgerüstete Hightech-Küchen, dennoch sind die Krisensymtome nicht zu übersehen: Frische Trends gibt es kaum, vom Begleitprogramm gehen keine Impulse aus. Ein Rundgang durch die Messehallen
Adilette trifft Raumschiffcockpits:Enttäuschende Designwelten am Rhein

Installation von Nils Holger Moormann im Museum für Angewandte Kunst: Ein Messestand, zur Kunst geadelt

Der Teppich. Warum nicht? Es hätte sicher auch andere Möglichkeiten gegeben, das Design der Kölner Möbelmesse zu verbessern, doch ein neuer Teppich sollte es sein. Statt der üblichen grauen Auslegeware ziehen sich nun bunt gemusterte Bahnen durch die Messehalle 11 in Köln-Deutz.

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Strecken Teaser

Bald erfahren wir, dass dieser Teppich zum "urbanen Masterplan" gehört, den der berühmte niederländische Architekt Ben van Berkel sich für diese Halle ausgedacht habe: "Die einzelnen Hallengeschosse sind als Stadtlandschaften mit eigenen Vierteln gestaltet, von denen jedes über ein eigenes Straßennetz verfügt". Der Teppich, so heißt es, markiere mit unterschiedlichen Farben soziale Zonen.

So ist in diesem Jahr vieles auf der Kölner Möbelmesse: ein bisschen bemüht und nur halb gelungen. Seit jeher leidet das rheinische Branchentreffen unter der Konkurrenz Mailand – glamouröser, leichtherziger und weltläufiger geht es dort zu, in Köln wird nüchtern Business gemacht. Aber man will doch glänzen, wenigstens ein bisschen. Um Grundbedürfnisse geht es bei Möbeln ja schon lange nicht mehr: Durch Ikea, Habitat und Co. kann sich heute jeder zu erschwinglichen Preisen halbwegs geschmackvoll einrichten. Was bleibt, sind technische Innovationen, vor allem bei Küchen, die nach Art von Automessen in Leistungsschauen inszeniert werden – in Köln ist der "längste Küchentisch der Welt" zu sehen. Und es bleibt das Zauberwort "Design", der Wunsch nach Eleganz und Stil, nach Distinktion und dem sagenumwobenen guten Geschmack.

Es ist deshalb vollkommen unverständlich, dass die Kölner Messe ihre beste Erfindung dieses Jahrzehnts wieder aufgegeben hat. Bis 2007 konnten die besten Designer der Welt jeweils ihr "Idealhaus" bauen und damit eine eigene Wohnwelt entwickeln. Die Entwürfe etwa von Konstantin Grcic, Karim Rashid oder Naoto Fukasawa hatten in den letzten Jahren für Gesprächsstoff gesorgt. Und sie hatten bewiesen, dass es über das Einzelstück hinaus noch umfassende Designvisionen geben kann.

"Ein echtes deutsches Kultobjekt: die Adilette"

Die "ideal houses" wurden sang- und klanglos abgeschafft, statt dessen dürfen sich auf den Boulevards zwischen den Messehallen drei Nationen mit ihren besten Produkten zeigen: Italien präsentiert sich erstaunlich nüchtern, zum Glück fließen aus den Lautsprechern wenigstens Puccini-Arien; die Niederlande enttäuschen mit lieblos auf Sockel abgestellten Gegenständen; die deutsche Präsentation ist immerhin kompakt und hat Witz: Die Highlights des deutschen Designs steckte der "Rat für Formgebung" in kofferähnliche, riesige Holzkisten. Neben den Edelmöbeln von Bauhaus bis Grcic ist auch ein echtes deutsches Kultobjekt darin zu bewundern: die Adilette.

So viel Humor war selten. Trotz buntem Teppich herrscht in Halle 11, wo traditionell die Elite des internationalen Designs versammelt ist, Ernüchterung. Die Firma Thonet blieb in diesem Jahr der Messe fern, ebenso Nils Holger Moormann, der die Produkte seiner Firma als "Ausstellung" im Museum für Angewandte Kunst präsentieren darf. Das ist natürlich praktisch: Wer umsonst im Museum auftreten kann, wäre ja blöd, einen Messestand anzumieten. Die "Ausstellung" sieht denn auch komplett wie ein Messestand aus, und das Publikum kann sich verschaukelt fühlen – zumal an einem Ort, wo früher große und fundierte Schauen gezeigt wurden, etwa zum schweizerischen Design.

Auch vom Off-Programm "Passagen" gehen in diesem Jahr wenig Impulse aus – und so bleibt als Hoffnungsschimmer allein die Sonderschau "Design Talents". In Halle 2 präsentieren sich junge Designer und Hochschulen mit erfrischenden Ideen und Elan. Das Comeback des Handwerks, das schon seit einigen Jahren zu beobachten ist, hat auch die junge Generation erfasst: Die Gestalter arbeiten mit Holz, Gips und Filz, sie sticken, sägen und gießen ab, als wäre die kleine Werkstatt der einzig zeitgemäße Ort. Küchen, die aussehen wie Raumschiffcockpits, sind vielleicht doch nicht das letzte Wort im Design 2008.