Franz West - MAK Wien

Setzen Sie sich doch bitte!

"Sit on My Chair, Lay on My Bed" – Setz Dich auf meinen Stuhl, leg Dich auf mein Bett – wird man derzeit in der Schausammlung für Gegenwartskunst im MAK Wien aufgefordert.

Der noch bis zum 28. September im Rahmen der Reihe "Künstler im Fokus" Präsentierte ist der österreichische Bildhauer, Performancekünstler, Grafiker, Möbeldesigner und ehemalige Protagonist des Wiener Aktionismus Franz West. Nach einer großen Übersichtsschau 2001 konzentriert sich diese Ausstellung auf Wests unkonventionelle Möbel- und Lampenentwürfe und gibt sich dabei äußerst publikumsnah.

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Strecken Teaser

Gleich zu Beginn stolpern die Besucher in Wests Möbelskulptur "Eo Ipso" von 1987, in und auf die man sich setzen darf. Ursprünglich sind die zwei blassgrünen Stühle aus Teilen der Waschmaschine von Wests Mutter entstanden. Durch eine Art überdimensionalen Hörkanal sind die zwei Sitze miteinander verbunden. Das Bierzeltdach über der Installation wirkt, als befände man sich auf dem nächstbesten Rummelplatz. Die krumme Formensprache – bedingt durch das Zusammenschweißen der Einzelteile – erinnert an die für West bekannten Passstücke, die der Künstler als Zwischenstufe von Skulptur und Möbel erstmals in den 70er Jahren entwarf.

Die zu Beginn aus Gips oder Polyester, später aus Metall gefertigten Stühle und Liegen eignen sich zum täglichen Gebrauch – so lädt die Eingangshalle des MAK zum Verschnaufen auf Wests Sofas und Liegen mit Stoff-Bezügen ein. Die simpel zusammengefügten Grundgestelle der Stühle sind mit exotisch anmutenden Stoffen, Zeitungspapier, Gips oder Gurtbändern bezogen, die Verwendung mannigfaltiger Materialien beeindruckt und inspiriert. Die neuesten Sitzobjekte bestehen gar aus einer aufblasbaren Luftmatratze, die im Gegensatz zu West Freiluftmobiliar – große Stahlwürste auf denen man Platz nehmen soll - direkt einladend und gemütlich wirken.

Wests Möbel changieren zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunstobjekt. Die Schau spiegelt diesen Bogen wider, indem sie auf der einen Seite zum Körperkontakt auffordert: viele der Objekte sollen benützt, besetzt oder begriffen werden, so wird der rein skulpturale Charakter durchbrochen und erweitert. Auf der anderen Seite werden die Exponate auf Sockeln präsentiert, was musealen Abstand und Erhabenheit der Stücke unterstreicht. Die Ausstellung differenziert klar: es wird deutlich gemacht, dass die auf Podesten aufgereihten Stühle, darunter auch Kollaborationen mit Heimo Zobernig (der Stuhl "Freiherr von Knigge"), nicht berührt werden dürfen. Zu groß scheint hier die Gefahr, dass Ausstellungsbesucher Abnützungen auf den mitunter fragilen Konstruktionen hinterlassen könnten.

"Artists in Focus. #4 Franz West"

Termin: bis 28. September 2008. MAK, Wien.
http://www.mak.at/e/jetzt/f_jetzt.htm