Cold War - London

Design in den Zeiten der Angst

Eine Ausstellung im Victoria and Albert Museum dokumentiert mit mehr als 300 Exponaten, wie Ost und West in Designfragen zwischen 1945 und 1970 konkurrierten.
Designkrieg:Welches politische System verbessert das Leben?

Stanley Kubrick: "2001: A Space Odyssey", 1968, Filmstill

Auf der Moskauer Amerikaausstellung des Jahres 1959 prallten die Ideologien voll aufeinander. Umgeben von den neuesten amerikanischen Haushaltsgeräten, debattierten Richard Nixon und Nikita Chruschtschow über die unterschiedliche Lebensqualität für die Bürger in Ost und West. Welches System garantiert dem Menschen ein besseres Leben? Kapitalismus oder Sozialismus?

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Die berühmte "Küchendebatte" der beiden Regierungschefs brachte das Thema der Ausstellung "Cold War Modern" auf den Punkt: den Wettbewerb zwischen kapitalistischem und sozialistischem Design. Die Schau im Victoria and Albert Mu­seum befasst sich erstmals mit Design, Architektur, Film und Alltagskultur auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs und konzentriert sich auf die Jahre 1945 bis 1970. In sieben Abteilungen zeigt sie anhand von mehr als 300 Exponaten das ständige Schwanken zwischen Hoffnung und Angst in diesen Jahren des Kalten Krie­ges: Hoffnung auf einen friedvollen Wie­deraufbau nach den Zerstörungen, Hoffnung während des von Nikita Chruschtschow eingeleiteten Tauwetters und Angst vor einem Atomkrieg nach dem Bau der Berliner Mauer und während der Kubakrise. Künst­ler und Designer wurden, gewollt oder ungewollt, in den Wettstreit hineingezogen.

Nirgendwo standen sich die gegensätzlichen Vorstellungen von Architektur in Ost und West anschaulicher gegenüber als im geteilten Berlin: auf der einen Seite des Brandenburger Tors die monumentale Stalinallee mit ihrem sozialistischen Neoklassizismus, auf der anderen Seite das von Architekten wie Le Corbusier und Walter Gropius für die Westberliner "Interbau" entworfene Hansaviertel mit seinen Anspielungen auf den Stil des Bauhau­ses. Doch auch im Osten besann man sich während der Tauwetterjahre nach Stalins Tod auf den Modernismus vor dem Krieg "als eine Art Hoffnung", so Kurator David Crowley – polnische Textilien, sowjetische Architektur, tschechisches Glas und das Coupé P70, ein Vorläufer des geschmähten Trabants.

Auch andere Design-Ikonen sind zu sehen: die Entwürfe von Dieter Rams für den Elektrohersteller Braun, der Messerschmitt-Kabinenroller, Mode von Pierre Cardin, die italienische Vespa. Gibt es einen Gewinner des Wettlaufs Ost gegen West in Sachen Design? "So würde ich das nicht formulieren", meint Crowley. "Doch viele Menschen im ehemaligen Ostblock würden es tun. Mit ihrem Versprechen, den Lebensstandard des Westens zu übertreffen, gruben sich die Machthaber ihr eigenes Grab."

"Cold War Modern"

Termin: bis zum 11. Januar 2009, Victoria and Albert Museum, London.
http://www.vam.ac.uk/microsites/cold-war-modern/