Smetek - Hamburg

Eva und der verflixte "Apple

Mit seinen humoristisch-frechen Illustrationen schafft es der polnische Illustrator Wieslaw Smetek seit 20 Jahren auf die Titelseiten von "Stern", "Spiegel", "Die Zeit" und "Cicero". Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe widmet ihm bis zum 17. August die erste deutsche Einzelausstellung.

Bei ihm muss es schnell gehen. Sehr schnell. Der polnische Illustrator Wieslaw Smetek ist ein Mann, der das Tempo liebt, den Druck und die Herausforderung. Doch das sieht man seinen Arbeiten nicht an.

Seit 20 Jahren zieren seine frechen und zugleich allgemein verständlichen Illustrationen die Titel namenhafter Magazine und Zeitungen wie "Stern", "Spiegel", "Die Zeit" und "Cicero". Ob Eva, die Adam mit Laptop, Google und dem Apple-Logo verführt, der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder als begossener Pudel oder die Geisha, wie sie statt eines Schmetterlings das gelbschwarze Atom-Signet bewundert – Smetek kriegt sie alle, von der Mona Lisa bis Helmut Kohl, und das mit Witz, Charme und einer dicken Portion technischen Könnens. Seine Illustrationen sind keine einfachen Fotomontagen. Stets verbindet er ikonografische Motive mit eigenen kuriosen Einfällen und Alltagsbeobachtungen, vermischt Fotografie und Zeichnung zu einer Einheit. Das Themenspektrum reicht dabei von Politik und Wirtschaft bis hin zu sozialkritischen Themen wie Sexualität, Überbevölkerung und Energiefragen. Smetek ist ein Allrounder durch und durch – und ein Sympath dazu:

Zur Eröffnung seiner ersten deutschen Einzelausstellung "Covers and more" im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, ist der polnische Künstler selbst zugegen. Auf die Frage, woraus er seine immerwährende Inspiration schöpft, antwortet er selbstbewusst, aber dennoch bescheiden: "Ich glaube, es ist eine Mischung aus Talent, Spontaneität, Instinkt und Ideenreichtum. Meistens muss es schnell gehen. Wenn "Die Zeit" etwa einen Tag vor Veröffentlichung anruft und mich um ein Cover bittet, reagiere ich impulsiv. Ich bin ein Sprinter, ein Hektiker, Druck ist meine Inspirationsquelle." Leidenschaft, Logik, Konzentration und Fantasie auf Knopfdruck sind die zentralen Kategorien seiner Arbeit als Künstler. Doch existiert eine allumfassende Erklärung für seinen Erfolg? Friedrich Nietzsche sagte einmal: "Man muss Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu gebären." Das trifft auf Smetek zu. "Wir Polen sind spontaner", so der Illustrator, "wir reagieren aus dem Bauch heraus, wir riskieren manchmal auch zu viel." Gäbe es eine Geste, die den Künstler treffend beschreibt, so wäre es das ständige Kratzen am Kopf – Smeteks ganz persönliches Zeichen von Rastlosigkeit, Reflektion und Inspiration.

Trotz allen Talents, Smeteks nie endendem Ideenreichtum liegt eine zehnjährige Kunstausbildung zu Grunde. Auf fünf Jahre Kunstgymnasium, folgten weitere fünf Jahre Studium an der Danziger Kunstakademie, das ihm versierte Kenntnisse der Kunstgeschichte vermittelte. Bereits als Student fertigte er Illustrationen für einen holländischen Professor an, der immer wieder von ihm verlangte, zwischen Polen und Holland zu pendeln. Cuxhaven war Zwischenstation, sodass er sich 1990 entschied, für einige Zeit in Deutschland zu leben. "Nun, 24 Jahre später, bin ich immernoch hier", sagt der Künstler schmunzelnd. "Als Pole kannte ich nur den 'Spiegel', den 'Stern' und 'Die Zeit'. Als ich mir die Frage stellte, für wen ich arbeiten möchte, fielen mir nur diese drei Publikationshäuser ein." Gesagt, getan. Ohne zu zögern fragte er beim Spiegel an und erhielt tatsächlich einen Auftrag von Art Direktor Rainer Wörtmann. Wie es weiter ging, ist bekannt. Erst kam der "Stern", 1999 "Die Zeit" und 2010 der "Cicero" als Auftragsgeber hinzu.

Smetek kennt die Bildtraditionen, die aktuellen Trends und deren griffige Smybole, das macht ihn so gut. "Ich frühstücke täglich eine Stunde, dabei informiere ich mich über die politischen Tagesthemen", erzählt der Grafiker. Auf die Frage hin, welche Arbeit die mit Abstand größte Herausforderung war, deutet er gezielt auf ein Cover des Sternmagazins von 1994 ("Die Schlacht um Bonn"), für das er ein Historiengemälde eines polnischen Künstlers umgestaltete. Innerhalb von zwei Wochen, malte er mit Öl 40 Köpfe deutscher Politiker auf einen fotografischen Abzug des Originalgemäldes, um den bundesrepublikanischen Wahlkampf von 1994 darzustellen. Das Endresultat kann sich sehen lassen. Auf eines kann man sich bei Smetek sicher verlassen: Selbst Angela Merkel käme über ihre Darstellung als gluckende Henne ins Schmunzeln.

Covers and More. Illustrationen von Wieslaw Smetek

Von 9. Mai bis 17. August im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

Zur Ausstellung ist der Katalog "Smetek für DIE ZEIT" im Propaganda Verlag erschienen, der 55 Euro kostet.
http://www.mkg-hamburg.de/de/

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