Droog Design - Guerillashop

Ruckzuck Design

Die niederländische Designgruppe Droog hat einen sogenannten Guerillashop eröffnet: Insgesamt 240 Stunden lang werden in Brüssel sämtliche Produkte vom simplen Stuhl aus Lumpen bis zum exquisiten Porzellanteller angeboten. Ein Eierwecker zählt stündlich den Countdown bis zum Ladenschluss am 1. September – so wird die Designpräsentation zum Entertainment
Auf Gabelstaplern und nostalgischen Milchkarren:: 240 Stunden Verkaufsmarathon

droog 240 hours shop

Ausgepackt wurde die Ware, aber das ist auch schon alles: Nach Fächern oder Regalen hält man vergeblich Ausschau; stattdessen wird alles wie beim Billigsupermarkt auf Gabelstaplern präsentiert oder auf nostalgischen Milchkarren, wie sie die Bauern einst benutzten: „Wir wollten das Vorübergehende unterstreichen“, betont Annelies Doom von der niederländischen Designerplattform Droog Design. „Wir sind ein Guerillashop. So wie Guerillakämpfer können auch wir unsere Siebensachen ruck, zuck zusammenpacken und woanders wieder auftauchen.“

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Strecken Teaser

Vorerst allerdings machen sich die Droog Designer in Brüssel breit, genauergesagt im flämisch-niederländischen Kulturhaus de Buren in der Leopoldstrasse. Dort wurden sie für eine Ausstellung bis zum 1. September geladen, beschlossen aber, aus der Reihe zu tanzen und mit einer vorübergehenden Verkaufsshow aufzuwarten, die genau 240 Stunden dauert: „Dann ist erster September, und wir verschwinden wieder.“

Jede Stunde klingelt ein Eierwecker zum Countdown: Dann wird ein Zettelchen, auf dem die verbleibende Stundenzahl prangt, von einem grossen weissen Poster mit dem Droog Design-Logo gerissen. „In diesem Moment“, so Annelies mit einem Blick auf die Wand, „bleiben uns noch exakt 202 Stunden!“

Vorbild ist der britische Strassenkünstler Banksy, der sich zur Weihnachtszeit einen Monat lang mit seinen Arbeiten in einem Londoner Kaufhaus einzunisten pflegt und dann wieder zusammenpackt. Auch Droog Design bietet in Brüssel alles aus seiner Kollektion an – angefangen beim Ragchair aus Lumpen oder der Milchflaschenlampe, beide von Tejo Remy, bis hin zu Marcel Wanders’ Vogelhäuschen mit Porzellanteller für gefiederte Gäste, die Wert auf Etikette legen. Was vor Ort nicht vorrätig ist, kann in Amsterdam bestellt werden. Dort befindet sich der bislang einzige feste Laden der Designerplattform.

Das Publikum weiss die Aktion zu würdigen: “Viele verlassen uns mit einem Lächeln auf den Lippen.“ Allerdings kommen bei weitem noch nicht so viele Interessierte wie in das Amsterdamer Geschäft, das jeden Tag von hunderten von Menschen besucht wird. „Aber wir haben ja gerade erst angefangen, und in der zweiten Augusthälfte sind die Sommerferien in Brüssel wieder vorbei.“ Immerhin verlasse jeder Dritte den 240-Stunden-Shop mit einem Ankauf. Der Schubladenschrank von Tejo Remy ist den meisten mit 16.000 Euro zwar zu teuer. Aber hoch im Kurs stehen die Badematte mit den integrierten Badeschlappen von Paolo Ulian und der flexible Kleberahmen „Do frame“ für alles und noch was von Marti Guixé, zu haben für unter 10 Euro.

Geöffnet ist der Guerillaladen Dienstag bis Samstag von zehn bis 18 Uhr. Was im Grunde genommen nicht ganz korrekt ist: Müsste ein 240-Stunden-Shop nicht auch wirklich 240 Stunden offen sein? „Stimmt eigentlich“, entgegnet Annelies Doom lachend. „Aber das können wir dann ja in der nächsten Stadt machen!“

Termin: bis 1. September.

Adresse

Vlaams-Nederlands huis deBuren
Leopoldstraat 6
Brüssel

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