Fennofolk New Nordic Oddity - Designmuseum Finnland

Die neue nordische Wunderlichkeit

Bei der Vernissage zur Sommerausstellung "Fennofolk New Nordic Oddity" im finnischen Designmuseum sieht man sich vielen Vorurteilen gegenübergestellt – und einige davon werden sogar bestätigt.
Klischees und Vorurteile:Sommerausstellung im finnischen Designmuseum

Paola Suhonen von dem Modelabel Ivana Helsinki ist die Kuratorin der Ausstellung. Hier ein Kleid aus ihrer Kollektion 2008

"Achtung Klischee!" war der erste Gedanke als die Vernissage-Einladung zur Sommerausstellung im finnischen Designmuseum kam. "Fennofolk New Nordic oddity", zu Deutsch etwa "Fennofolk neue nordische Wunderlichkeit", lautet der Titel der Ausstellung. Im Ausland werden die Finnen neben den Isländern gerne als die spleenigsten unter den Nordeuropäern angesehen.

In den beiden Ländern sind die Feste etwas wilder, die Künstler etwas verrückter und alles ein wenig weniger normal. So zumindest ein gängiges Vorurteil. Während diskutiert wird, ob die Länderpavillons auf der Biennale von Venedig nochzeitgemäß sind, gibt es in Helsinki eine Ausstellung, die ganz im Zeichen des Nationalen steht. Fennofolk ist das "ästhetische Phänomen, das ich um mich herum sehe", so Paola Suhonen, Modedesignerin und Kuratorin der Ausstellung. Fennofolk steht für finnische Kreativität, die Anleihen bei Volkstümlichem macht.

Eine großzügige Definition von Mixed Media umschreibt die Show recht gut. Künstler, Designer und Musiker wurden ausgewählt. Die Band Paavorharju stellt einfach eine kleine selbstgebaute Holzhütte in einen der Räume, das Innere erinnert an das Lager eines Einsiedlers. Pentti Aitta von Paavorharju schenkt dort selbstgebrauten Alkohol aus. "So ist das in Finnland außerhalb großer Städte", sagt er auf die Hütte zeigend und bietet den stark nach Hefe riechenden Drink an. Im Nachbarraum steht eine kopflose Schaufensterpuppe mit einem schwarzen Kleid der Designerin Jaana Parkila. Das Kleid ist von schlichter Eleganz, aber viel zu lang, als dass es tragbar wäre. Vielleicht ist das die finnische Wunderlichkeit – ein Kleid, das so unpraktisch ist, dass es, obwohl wunderschön, nicht einmal zum Prêt-à-porter taugt.

Mit dem angeblich so praktischen finnischen Design hat es jedenfalls nicht viel zu tun. Heto Kuchka, in der Ausstellung mit menschenleeren Fotografien vertreten, setzt sich in ihrem Katalogbeitrag kritisch mit dem Finnlandklischee auseinander. Es sei manchmal hart als Künstler in Finnland, wenn man nicht selbst zerstörerisch sei oder nicht vom Lande komme. Kuchka, Tochter eines Amerikaners und einer Finnin, ist in Finnland sozialisiert worden, die Staatsbürgerschaft hat sie aber nicht. Interessant wird sein, wie finnisch die von ihr kuratierte Fotoausstellung sein wird, die Ende Juni in Hyppolyte, der Galerie des finnischen Fotografenverbundes, eröffnet.
Die Ausstellung zeigt, dass manch Klischee nicht nur Klischee ist. Das manifestierte sich auch in einer Party nach der Vernissage. Die junge finnische Künstlergeneration war in die "WC-Bar" gekommen, um dort bis zur Sperrstunde zu feiern.

Nicht nur die Örtlichkeit – wie der Name erahnen lässt eine umgebaute öffentliche Toilette – entsprach den Vorstellungen von Wunderlichkeit. Die jungen Künstler setzten dem noch eins oben drauf und
sangen stundenlang Karaoke, ganz so wie es von wunderlichen Finnen erwartet wird. Doch das Klischee, dass Finnen so schweigsam seien, wurde nicht erfüllt. Ob es um das Interesse an Berlin geht, ihre eigenen Arbeiten oder
was auch immer – die meisten zeigten sich sehr gesprächig. Aber vielleicht ist das auch die neue nordische Wunderlichkeit.