Design Miami - Florida

Ein Ehebett für Naomi

Design rückte der Kunst in diesem Jahr in Miami so nahe es nur geht: Auf einem Parkplatz auf der 19th Street, gleich neben dem Convention Center, in dem die Messe "Art Basel Miami Beach" abgehalten wird, schlug "Design Miami" die weißen, von den New Yorker Architekten und Industriedesignern Moorhead & Moorhead entworfenen Zelte auf.
Ein Ehebett für Naomi:Design rückte der Kunst in diesem Jahr so nahe es geht

Arbeiten von Jean Royère bei Patrick Seguin: Das Sofa "Ours Polaire" mit dazugehörigen Sesseln wurde schon am ersten Tag für 750 000 Dollar verkauft. Das Bett mit Armleuchtern für 190 000 Dollar gönnten sich Naomi Campbell und ihr russischer Freund Wladimir Dorin.

Der Umzug aus dem Design District würde helfen, eine Gemeinde von Sammlern zusammenzubringen, die ebenso an Kunst wie Design interessiert ist, so Messe-Mitbegründer und Miami-Bauherr Craig Robins. Er selbst war vor gar nicht langer Zeit als Sammler in die Schlagzeilen geraten, weil er vergeblich versucht hatte, an Arbeiten der Künstlerin Marlene Dumas heranzukommen und deshalb erfolglos Galerist David Zwirner verklagte. Ursprünglich hatte Robins mit seiner Messe versucht, den Design-District in Wynwood zu beleben. Doch bei der sechsten Ausgabe stieg die Schweizer Messegesellschaft mit einer zehnprozentigen Beteiligung mit ein – und die Besucher konnten sich die lange Taxifahrt nach Wynwood sparen.

Am Eingang des provisorischen Messezeltes hängte der deutsche Industriedesigner Konstantin Grcic, der in Miami zum Designer des Jahres gewählt wurde, seine Schaukel-Landschaft "Netscape" auf. Im Zelt präsentierte Grcic eine Auswahl von seinen Designstücken wie Chair One von 2003, die er vor einer Wandtapete mit einem Foto aus seinem Münchner Atelier gruppierte. Zwar waren Grcics Schaukeln nicht besonders bequem, aber es war nett anzusehen, wie sich gestresste Messebesucher mit baumelnden Beinen für ein paar Minuten in kleine Kinder verwandelten.

Auf der Messe, die nach monatelanger Suche mit Marianne Goebl von Vitra eine neue Chefin bekannt gab, schien die Rechnung des Geschäftsmannes Robins aufzugehen. 15 Aussteller waren gekommen, darunter Barry Friedman aus New York, Carpenters Workshop Gallery aus London, D & A Lab aus Brüssel und die Pariser Galerie Kreo. Die Geschäfte liefen für die meisten gut. Unternehmen auf PR-Tour – wie es sich für Miami zu gehören scheint – waren bei einer kleinen Messe wie dieser unangenehm überpräsentiert. Audi führte einen roten Flitzer vor, Veuve Clicquot durfte nicht fehlen. Cappellini stellte in Zusammenarbeit mit Walt Disney klotzige Sessel vor, die demnächst in dem Kinostreifen "Tron: Legacy" zu bewundern sein werden. Swarovski trat mit einer Installation an, bei der durch optische Linsen fallendes Licht wie Tropfen auf den Boden zu fallen schien. Fendi stellte das gemeinsame Projekt mit dem New Yorker Architekturbüro Aranda/Lasch vor: Konstruktionen aus Schaumstoffwürfeln als Bausteine für Gebäude der Zukunft, die Silvia Venturini Fendi mit persönlich entworfenen Felldecken dekorierte. Natürlich konnte die eigenwillige Kooperation nicht ohne Handtaschen ablaufen – das Muster im Innenfutter einer einsam an einem Haken hängenden Tasche erinnerte an die Würfel-Ästhetik der Architekten.

"Jetzt macht die Messe Sinn für uns"

Ansonsten schien man wieder auf Holzarbeiten und organische Formen zu setzen. Es gab Deko-Kitsch in Form von Goldgefäßen in Extra Large oder ungelenkten Stablampen, die durch den Raum wucherten. Auch der übliche Sessel aus Stofftieren sollte nicht fehlen. Den schönsten Auftritt lieferte Patrick Seguin mit seiner Sammlung von Stücken von Jean Royère. Ein plüschiges "Ours Polaire" Sofa mit Sesseln (für 750 000 Dollar) war bereits am ersten Tag verkauft. Naomi Campbell und ihr Freund, der Russe Wladimir Doronin, die in diesen Tagen heiraten wollen, gönnten sich ein Ehebett mit Armleuchtern für 190 000 Dollar. Die Gallery Seomi aus Seoul hatte die elegant geschwungenen, handgearbeiteten Bänke, Sessel und einen Couchtisch aus Walnuss-Holz von dem koreanischen Designer Bae Sehwa am zweiten Messetag für 80 000 Dollar an einen Sammler verkauft.

Messe-Neuzugang Loic le Gaillard von der Carpenters Workshop Gallery hatte sich nur auf Grund der neuen Location zur Teilnahme entschlossen. "Jetzt macht die Messe Sinn für uns. Die Anreise mit den Verschiffungskosten hätte sich sonst nicht gelohnt", meinte der Londoner. Die Lichtinstallation "Swarm" von rAndom International, die auf Soundsensoren reagiert und die Bewegungen eines Bienenschwarms mit einem Lichtspiel nachempfindet, verkaufte er für 180 000 Dollar. Auch die Sessellandschaften des Österreichers Robert Stadler liefen gut. Ornamentum aus New York war wieder mit dem holländischen Designer Ted Noten angetreten, der dies Mal Waffen in einen Plexiglaskoffer goss und das Innerste eines Reisekoffers mit Röntgenblick durchleuchtete. Die Arbeit, die seine Galeristin für ein Selbstporträt hält, hatte es mit einem Preis von 130 000 Dollar schwer, einen Käufer zu finden.

Das Berliner Architekturbüro Graft war mit seinem Phantom Table (für 45 000 Euro), der sich wie ein schneeweißes Tischtuch, über dem Boden ergießt, angereist. Man habe versucht, mit dem Tisch einen magischen Augenblick zu kreieren, den Graft-Gründer Lars Krückeberg mit dem berühmten Moment verglich, als Marilyn Monroes weißes Kleid in "Das verflixte 7. Jahr" vom Aufwind eines durchfahrenden U-Bahnzuges in die Luft gewirbelt wird. Doch Magie lässt sich leider schlecht produzieren oder in Kunststoff gießen. Sie passiert einfach.

Design Miami

P-Lot – Miami Beach Convention Center
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