Stefan Sagmeister - Lucky Strike Designer Award

Stefan im Glück

Der Lucky Strike Designer Award geht in diesem Jahr an einen Grafikdesigner: Stefan Sagmeister, der durch CD-Cover für Lou Reed und die Rolling Stones berühmt wurde, nahm die Auszeichnung in Berlin entgegen. In seiner Dankesrede erzählte er dem Publikum Geschichten aus dem Sabbatical auf Bali – und philosophierte über das Glück.
Stefan im Glück:Gewinner des Lucky Strike Designer Awards

"Ich habe mir gerade auf Bali eine Auszeit genommen": Der Grafikguru Stefan Sagmeister

Die wenigsten Menschen erwarten von Grafikdesign, dass es glücklich macht. Meist ist man schon froh, wenn es nicht unglücklich macht: dschungelhaft unübersichtliche Formulare oder verrätselte Leitsysteme (zum Beispiel das am Berliner Hauptbahnhof) haben schon manchen zur Verzweiflung getrieben.

In Berlin bekam am Dienstag Abend der österreichische, seit fast 20 Jahren in New York lebende Grafikdesigner Stefan Sagmeister den Lucky Strike Designer Award – den vielleicht wichtigsten, sicher aber glamourösesten deutschen Designpreis. Sagmeister hat den alten Gemeinplatz, ein guter Designer müsse Regeln brechen, mit Leben gefüllt: Die Arbeiten des 47-Jährigen sind radikal subjektiv und erzählerisch. Statt sich den Feinheiten von Schriftgrößen und Seitenlayout zu widmen, exponiert sich Stefan Sagmeister lieber mit seiner ganzen Person: Für ein Plakat ritzte er sich einst den Text mit einem Messer in die eigene Haut, und zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört ein Plakat, das hingekritzelte Notizen zeigt: "Dinge, die ich tun möchte, bevor ich sterbe" – ein paar Punkte darauf sind schon abgehakt ("Mit zwei Frauen schlafen"). So verwunderte es nicht, dass Sagmeister die Preisverleihung mit einer kleinen, sehr persönlichen Lektion zum Thema Glück bestritt.

Die Raymond-Loewy-Stiftung, die den Preis seit 1991 vergibt, hat sich den Willen zum Glamour auch im Krisenjahr 2009 nicht austreiben lassen. Das E-Werk in der Wilhelmstraße war in den neunziger Jahren einer der größten Technoclubs von Berlin, seit 2005 kann die große Halle des ehemaligen Umspannwerks für Events gemietet werden. Unter den Besuchern waren auch ehemalige Preisträger wie der Münchner Lichtdesigner Ingo Maurer (2000) und der legendäre Kameramann von Fassbinder und Scorsese, Michael Ballhaus (2001). Es flossen Rotwein und bayerisches Bier, und die Werke des Geehrten hingen an großen Metallstelen: Plakat zum selbst abreißen und mitnehmen – Sagmeister to go.

Alle sieben Jahre macht Sagmeister ein Sabbatical

Ulf Bauer, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, begrüßte die Gäste. Dann folgte eine kurze Videobotschaft der Poplegende Lou Reed, für den Sagmeister einige CD-Cover gestaltet hat und der seinen persönlichen Auftritt kurzfristig hatte absagen müssen. Passend dazu trat Stefan Sagmeister dann selbst auf wie ein Popstar: Er trug ein Headset und erinnerte in seiner freihändigen Performance ein wenig an den Glücks-Comedien Eckart von Hirschhausen. Mit weicher Stimme und breitem österreichischen Akzent erzählte er von seinem zurückliegenden Jahr: "Ich hatte mein Büro in New York gerade für ein Jahr geschlossen und habe mir auf Bali eine Auszeit genommen. Deswegen ist’s mir so frisch im Kopf."

Alle sieben Jahre macht Sagmeister ein solches Sabbatical – in dieser Zeit werden keine Aufträge angenommen, und der Designer entwickelt zweckfrei neue Ideen. Im Saal war der Neid spürbar, als Sagmeister von den freilaufenden Hunden auf Bali erzählte, die ihn zu Möbeln und einer T-Shirt-Serie inspirierten; als er Bilder zeigte von seinem Haus mit großer Terrasse und als er erzählte, er habe sich in dieser Zeit mit dem Thema Glück beschäftigt.

Es war ein bisschen so, als schaue man Urlaubsfotos in großer Runde – Stefan Sagmeister ist gut darin, auch Privates clever in Szene zu setzen, und merkwürdigerweise wirkt dieser Exhibitionismus bei ihm nicht unangenehm. Glück, so scheint es, hat viel mit innerer Freiheit zu tun. Und so ließ Sagmeister auch die Frage nicht unbeantwortet, was er "mit dem vielen Geld" machen wolle: Die 50 000 Euro Preisgeld werde er verwenden, um einen Film über das Glück zu drehen. Den Vorspann, so erfuhren wir, hat er schon fertig.

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