Alexander McQueen - New York

Der romantische Hooligan

Tod, Zerfall und finstere Schönheit: eine Werkschau des genialen britischen Modedesigners, der sich im vergangenen Jahr das Leben genommen hat.

Er verabschiedete sich am Eröffnungstag der New Yorker Fashion Week von der Welt: Im Februar vergangenen Jahres nahm sich der Modedesigner Alexander McQueen im Alter von 40 Jahren das Leben.

Ein Jahr später trafen sich zur Fashion Week in London Kollegin Stella McCartney, Sarah Burton, die Kreativdirektorin des Modehauses McQueen, und der Kurator Andrew Bolton vom Costume Institute des Metropolitan Museum im Londoner Ritz Hotel, um die Ausstellung "Alexander McQueen: Savage Beauty" (was übersetzt wilde oder auch grausame Schönheit bedeutet) anzukündigen. Im Ritz hatte McQueen, das kreative Genie und der "Hooligan" der Modewelt, im Anschluss an sein Studium am renommierten Londoner St. Mar­tin’s College im Jahr 1992 seine erste Show 1993 abgehalten.

Die dramatischen Inszenierungen von McQueens Schauen und der erzählerische Aufbau suggerierten Avantgarde-Installationen und Performancekunst, so Kurator Bol­ton. "Die Mode war Ausdruck seiner Ge­füh­le und der tiefsten, häufig dunklen Aspek­te seiner Fantasie." McQueen, der mutmaßliche Vergewaltigungsopfer in zerrissenen Klamotten auf den Laufsteg schickte, um Schottlands Ausbeutung durch England an­zuprangern, sei ein wahrer Romantiker gewesen, wie der Antiheld der Werke des britischen Dichters Lord Byron. Bolton stellte die Ausstellung mit Hilfe von zwei Produzenten von McQueens Schauen zusammen. "Savage Beauty" ist nicht chronologisch an­geordnet, sondern in Kapitel wie "The Romantic Mind" oder "Romantic Gothic" mit Arbeiten zu Themen wie Tod, Zerfall und die finstere Seite der Schönheit gegliedert.

Zu den Ausstellungsstücken gehören McQueens Abschlussarbeit von St. Martin’s aus dem Jahr 1992 ebenso wie die berühm­ten "Bumster"-Hosen von 1995, die anrüchig tief auf den Hüften saßen und mit denen der Designer den weltweiten "Low-Rise"-Trend startete. Gezeigt werden seine an Skulpturen erinnernden Kreationen, fünf seiner bedeutendsten Kollektionen und seine letzten Entwürfe, die erst nach seinem Tod auf dem Laufsteg gezeigt wurden. Eine Vielzahl der 100 gezeigten Designerarbeiten sind Leihga­ben aus der Kollektion von Kunstsammlerin Daphne Guinness, die Glanzstücke aus McQueens Zeit beim Modehaus Givenchy und den Nachlass von Isabella Blow erworben hat. Blow, die Grande Dame der britischen Modeszene, war über lange Zeit McQueens engste Verbündete. Sie hatte ihn in jungen Jahren entdeckt und nahm sich 2007 ebenfalls das Leben.

2009 war es McQueen gelungen, die Pariser Modewelt wieder einmal zu schockieren – mit einer Rezessionsshow, in der er überstei­­gerte Neuauflagen seiner alten Kollektionsstücke zwischen ausgedienten, an Müll erinnernden Requisiten aus früheren Shows zeigte. Die Mode sei so schnell und so wegwerfbar, so der Designer damals: "Es gibt keine Langlebigkeit."

Alexander McQueen. Savage Beauty

Termin: 4. Mai bis 31. Juli 2011

Metropolitan Museum of Art

1000 Fifth Avenue at 82nd Street

New York, New York 10028
http://www.metmuseum.org/

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