Make-up - Design der Oberfläche - Museum für Gestaltung Zürich

Die Dinge sind geschminkt

Das Museum für Gestaltung in Zürich zeigt wie Designer ihre Produkte an der Oberfläche herausputzen und veredeln.

Die Oberfläche ist die Haut der Dinge. Mit ihr treten sie mit der Umwelt in Kontakt, an ihr lässt sich ablesen, was sie sein und was sie leisten sollen. Der orangefarbene Plastikstuhl von Verner Panton strahlt durch seinen Glanz noch fröhlicher in die Welt. Die Reißlackoptik gibt einer Keramikvase einen fast antiken Auftritt. Eine bunt bedruckte Strumpfhose zieht den Blick an.

Wir sehen mit den Händen und berühren mit den Augen. Oberflächen verbinden die Sinne. Designer haben sich dieses Potenzial seit Jahrzehnten zunutze gemacht und Produkte über die Gestaltung ihrer Schauseite aufgepeppt. Nichts tritt ungeschminkt aus dem Dunkel der Fabrikation, noch das unscheinbarste Ding hat sein Make-up, mit dem es sich der Welt präsentiert. Wie vielfältig diese Inszenierungen sind, führt das Museum für Gestaltung in Zürich vor. Kuratorin Renate Menzi hat auf Präsentationstischen rund 200 Designklassiker und Entwürfe vor allem aus den letzten Jahren versammelt, die noch das einfachste Produkt veredeln. Die banale Computermaus bewegt nicht nur Daten auf dem Bildschirm, sondern erzählt mit ihrer furnierartigen Bedruckung vom Bedürfnis nach Schönheit. Die italienische Aluminium-Cafetiere lässt in Alessandro Mendinis Bedruckung die Reize des Kaffees aufleben wie in den Märchen aus 1001 Nacht.

Make-up setzt auf haptische Dimension

Dabei geht es nicht nur ums Sehen. Die verführerische Wirkung des Make-up setzt in der Konsumgüterindustrie längst auch auf eine haptische Dimension. Rochas ließ 2003 für sein neues Parfüm "Poupée" den üblichen Glasflakon mit einem Deckel verschließen, der mit geflocktem Kunststoff beschichtet war. Wer danach griff, konnte mit dem Geruch Gefühle verbinden, wie wir sie haben, wenn wir Körper anfassen. Schwarzkopf hat dieses Konzept bereits 1978 dazu genutzt, einem Alltagsprodukt einen eigenen Charakter zu geben. Für das "Frottee Super Deo Spray" wurde eine Aluminiumdose mit einem Stoffbezug überzogen, der Sauberkeit und Entspannung nach einem Bad mit der Flauschigkeit eines Bademantels verbinden sollte. Ein paar Spraywolken Deo lassen uns in einer Wohligkeit schweben, wie sie die schönste Wellness-Oase kaum besser bieten kann. Sinnlichkeit und Funktion werden in einem gelungenen Make-up untrennbar verbunden.

"Make-up - Design der Oberfläche"

Termin: 25. August 2010 bis 2. Januar 2011, Museum für Gestaltung, Zürich. Der Katalog zur Ausstellung "Make up, Design Collection 3" ist bei Avedition erschienen und kostet 39 Franken
http://www.museum-gestaltung.ch/Htmls/Ausstellungen/Archiv/2010/MakeUp/makeup_d.html