DMY Berlin - Designfestival

Das Potenzial von Bauschutt

Alles neu macht der Mai: Designmai war gestern, das neue Berliner Designfestival nennt sich jetzt DMY. Und das Motto "The Sky is not the limit" zeigt die Richtung an: höher, weiter, bunter. Doch ein verbindliches Qualitätsniveau wird in der Hauptschau mit ihren 150 Ausstellern nicht durchgehalten.
Alles neu macht der Mai:das Berliner Kreativprekariat will hoch hinaus

Unikate in Serienproduktion: "Original Stool" von BreadedEscalope, einer Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Designer Sacha Mikel, Martin Schnabl und Michael Tatschl

"Als Showroom prima – aber ob da auch Umsatz generiert wird?" Das bekommt zu hören, wer sich im Berliner Kreativprekariat nach der Sinnhaftigkeit eines weiteren Designmais erkundigt, der am Mittwoch abend in den Hallen der "Arena" in Berlin-Treptow eröffnet, aber aus rechtlichen Gründen nicht mehr "Designmai" heißt, sondern unter dem Label "DMY – International Design Festival Berlin 2008" firmiert und von Jörg Suermann geleitet wird.

Der organisierte vorher die respekablen "Designmai Youngsters", buchstabiert DMY jetzt aber als "Daily, Monthly, Yearly", weil ganzjährige Vernetzung rund um den Globus das Ziel ist. Mindestens! Denn: "The Sky is not the Limit"
lautet immerhin die Durchhalteparole, die an die Kreativschaffenden ausgegeben wurde.

Dieser Mut der Verzweiflung ist es wohl, der einem bleibt, wenn sich die einzige deutsche Metropole einerseits von Mailand über New York bis Shanghai immer wieder als kreatives Erdzentrum ins Gespräch zu bringen versucht – die reale Förderung eines Designfestivals, das schon internationale Strahlkraft hatte, aber den Preis eines besseren Dienstwagens beträgt. "Sparen, bis es quietscht", nennen die lokalen Haushaltspolitiker so etwas stolz – und verkennen, wie unangenehm dieses Quietschen klingt.

Und es quietscht auf dem Ex-Designmai: Ein verbindliches Qualitätsniveau wird in der Hauptschau mit ihren 150 Ausstellern nicht durchgehalten. Da sind einerseits die Highlights, die auch weit über den engen Kreis der Design-Aficionados hinaus strahlen und den Besuch der im ganzen Stadtgebiet verteilten "Allstars"-Showrooms" bis zum Ende des Monats laufenden Veranstaltung lohnenswert machen: Teils beeindruckende Stände, die beispielsweise
dekonstruktivistische Architektur zitieren oder mit kristallinen Strukturen verzaubern. Produkte, mit denen man gleichermaßen lifestylemäßig und ästhetisch weit vorne liegt wie die One-Speed-Bikes von "Veloheld". Oder "art with sound", ein Projekt das Klang und Kunst zwischen Japan und Singapur austauscht.

Doch das schwerpunktmäßig vertretene Asien verbreitet nicht nur Freude: Vielen ausgestellten Objekten haftet ein Hauch Kunstgewerbe an, manches würde man ähnlich auf dem nahe gelegenen Flohmarkt finden. Überhaupt haben es auch die Berliner mit dem Sachensuchen, nur dass es jetzt "Upcycling" heißt und die "Potenziale von Sperrmüll und Bauschutt" für "eine neue Konsumphilosophie" nutzt. Was in einem 7000 Quadratmeter großen Showroom auch prima funktioniert – nur sollte die nach einem ähnlichen Motto lebende Stadt, die das ebenfalls schon immer so macht, langsam überlegen, wie lange das eigentlich noch in der Wirklichkeit gut geht.

"DMY Berlin"

Termin: bis 25. Mai, Berlin.
http://dmy-berlin.com/