Design Miami - Messe

Ich liebe Cupcakes”

Werke von Rapper Pharell Williams und Künstlerin Louise Bourgeois – bei der Design Miami treffen Welten aufeinander, berichtet Claudia Bodin.
Geschmacklosigkeiten neben Großartigem:Designmesse in Miami

Außeninstallation von Alex Mustonen und Daniel Arsham von Snarkitecture aus Brooklyn

Das Triviale findet sich in Miami gleich neben dem Genialen. Geschmacklosigkeiten neben Großartigem.

Und das ließ sich am besten auf der Design Miami beobachten. Der kitschige Patrioten-Tisch des italienischen Architekten und Designers Gaetano Pesce in den Farben und der Form der amerikanischen Flagge verkaufte sich gleich am ersten Tag. Gegenüber dem coolen Design von Snarkitecture aus Brooklyn mit einem Couchtisch und einer Anrichte, die unter ihrem eigenen Gewicht zusammenzubrechen drohen, fand sich der Messestand von Venice Projects mit absurden, sich windenden Straßenlampen von Pieke Bergman. Eine alberne Eiffelturm-Lampe war ebenso vertreten wie die fantastisch unbequeme Kette in Form eines alten Bügelschlosses von Louise Bourgeois, die ebenfalls am ersten Tag von einer neuen Besitzerin zu einem unbenannten Preis nach Hause getragen wurde.

Bei der italienischen Galerie Nilufar hatte ein unachtsamer Besucher eine der Neonröhren-Lampen von Michael Anastassiades umgerannt. Die Mailänder Kollegen von der Galleria Rossella Colombari lieferten mit Vintage-Stücken von Meistern wie Giò Ponti, Carlo Mollino und Andrea Branzi einen der elegantesten Messestände. Die deutsche Galeristin Gabrielle Ammann war zum ersten Mal in Miami dabei und hatte einen wunderschönen Schwanen-Sessel aus Marmor mit Fußstütze vom indischen Designer Satyendra Pakhalé mitgebracht. Die New Yorker Galerie Demisch Danant widmete ihren Stand einer Solo-Ausstellung mit Fünzigerjahre-Klassikern des Franzosen Pierre Guariche. Das Londoner Designer-Trio Random International war mit einem interaktiven Bilderrahmen vertreten. Das Bild der Messegäste, die vor dem leeren Rahmen verweilten, wurde von einer Kamera abgetastet. Das Foto erschien für kurze Zeit im Bild, bis es langsam verblasste und sich in Nichts auflöste (Preis: 68 000 Dollar). Asif Khan brachte mit seinem Crystal Pallace aus 1,3 Millionen Swarovski-Steinen einen Raum zum Erleuchten, so dass die Besucher kurzfristig das Gefühl überkam, eine eisig klare Polarlandschaft zu betreten. ”Es ging mir darum, ein Kristall als ein Medium einzusetzen, mit dem sich Architektur mit Licht durchdringen lässt”, erklärte Khan.

Die Messe war insgesamt überzeugender als in den Vorjahren. Endlich ließen sich mit Designern wie Alex Mustonen und Daniel Arsham von Snarkitecture, die auch für die gelungene aufblasbare Installation am Eingang zuständig waren, neue Entdeckungen machen. Dazu zählten das Team Noam Dover and Michal Cederbaum, das von der jungen israelischen Galerie Design Space vertreten wird und wuchtige Gefäße aus Steingut, die an Ausgrabungsstücke erinnnerten, sowie Vasen aus Beton zeigte und zu Preisen von 5000 bis 6000 Dollar verkaufte. Auch die zarten Pusteblumen-Lampen der holländischen Designer Lonneke Gordijn & Ralph Nauta, die für Preise von 80 000 Dollar für einen Kronleuchter bei Carpenters Workshop ihre Sammler fanden, begeisterten. Auch die Vater-Sohn-Kollaboration der Belgier Jens und Jan Praet mit ihren ”Dressed Tables”, den angezogenen Tischen, die mit einem Tischtuch aus gegossener Bronze überzogen sind (Preis: 55 000 Dollar), überzeugte.

Die Verkäufe liefen bei einigen Ausstellern gut. ”Wir mussten etwas verkaufen - und das haben wir auch”, meinte Salome Fakiel von Design Space aus Tel Aviv zufrieden. Andere wie Craig Appelbaum von Industry setzten darauf, ihre Designer bekannt zu machen und später Auftragsarbeiten zu bekommen. Sam Vinz von der Volume Gallery ging es vor allem darum, das Snarkitecture-Team einem internationalen Publikum vorzuführen.

Im vom heimischen Bauherren Craig Robins aus dem Boden gestampften Designdistrict, der den billigen Charme einer amerikanischen Shoppingmall hat, rührten Luxus-Marken wie Cartier, Prada, Dior Homme, Hermès, Louis Vuitton, Christian Louboutin oder Marni wieder die Werbetrommel. Der zum Designer des Jahres gewählte Vito Acconci musste sich für seine Soundinstallation, an der er noch wenige Stunden vor der Eröffnung arbeitete, mit Räumlichkeiten gleich neben einem für die Messe gestarteten Hundedesign-Shop begnügen. Dort führten Design-Stars Konstantin Grcic einen Spiegel für eitle Pudel vor, Toyo ITO einen Kinderwagen für lauffaule Kläffer. Reiser + Umemoto zeigten Haute-Couture für Chihuahuas und Kazuyo Sejima ein luxuriöses Kuschelkissen für zarte Vierbeiner.

Den denkwürdigsten Moment der Messe lieferten jedoch Design-Miami-Mitbegründer Craig Robins und Rapper Pharrell Williams, der sich dank Kollaborationen gern als Hobby-Designer versucht und anscheinend nach Miami gekommen war, um sein neues Buch zu promoten. Robins hielt es vor lauter Bewunderung für den Rapper, der sich hinter einer Sonnenbrille versteckte und zum Jacket in Tarnfarben Shorts trug, kaum auf seinem Stuhl. Er outete sich als Pharell-Fan und hielt dessen sexistische Stuhl-Kreation mit dem Namen ”Perspective”, die er, so Robins stolz, bei sich im Hause im Miami stehen hat, für ein absolutes Meisterwerk. Williams beglückte das zahlreich erschienene Publikum des Talks mit geistreichen Erkenntnissen zum Thema Design. ”Ich liebe Cupcakes, und an Kartoffelchips kommt niemand vorbei”, so Williams auf die Frage, was ihn bei seiner Zusammenarbeit mit Takashi Murakami inspiriert hätte. Natürlich scheute er den historischen Vergleich zu Warhols Suppendosen nicht. Trash und Kultur liegen in Miami gleich nebeneinander im Verkaufsregal.