Peter J. Lassen - Interview

Ich hasse das Wort Design

Der dänische Möbeldesigner Peter J. Lassen, 77, hatte lange Jahre mit Designgrößen wie Arne Jacobsen, Jorn Utzon, Piet Hein und Verner Panton zusammengearbeitet, bevor er seine Firma Montana gründete, die vor allem für ihre klaren, schlichten und funktionalen Möbelsysteme bekannt ist. art sprach anlässlich der Eröffnung der Berliner Ausstellung "Montana ARTtour" mit Lassen über den weltweiten Erfolg von dänischem Design, seiner Leidenschaft zur Kunst – und darüber, ob Design wirklich glücklich machen kann.
"Ich hasse das Wort Design":Peter J. Lassen über Glück, Kunst und Dänemark

Peter J. Lassen: "Gutes Design braucht Ehrlichkeit und Respekt"

Herr Lassen, was macht dänisches Design so besonders?

Wir sind ein kleines Land, dass ursprünglich nur von der Landwirtschaft lebte. Wir mussten nutzen, was vorhanden war. Und das war nicht viel. Es ging darum alle verfügbaren Ressourcen sehr sorgfältig einzusetzen und Rücksicht auf unsere Umwelt nehmen. Das gilt für Holz genauso wie für Tiere oder Gemüse. Und dieser minimale Gebrauch von Ressourcen führt im Design automatisch zum Minimalismus.

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Wissenschaftler haben in einer Studie behauptet, dass Dänen das glücklichste Volk der Welt sind. Liegt das am dänischen Design?

Ich habe eine andere Vorstellung von Glück – deshalb kann ich dazu nichts sagen.

Aber kann Design denn glücklich machen?

Ja, natürlich! Wenn man in einer erfreulichen Umgebung lebt, dann macht einen das glücklicher. Schon ein Zimmer beeinflusst die Psyche! Der Raum gestaltet dich, so wie du deinen Raum gestaltest.

Wann haben Sie das erste Mal gedacht: Ich möchte ein Designer werden?

Daran habe ich noch nie gedacht.

Sie würden sich also nicht als Designer bezeichnen?

Jeder Mensch ist irgendwie ein Designer. Denn jeder gestaltet sein Leben und alles was man tut, ist Teil eines Designprozesses.

Würden Sie sich vielleicht lieber Künstler nennen?

Nein, nicht in dem Sinn, in dem das Wort meistens benutzt wird. Aber natürlich sind wir auch alle Künstler. Leben ist eine Kunst.

Und was ist das Ziel von Design?

Das Leben zu vereinfachen, es verständlicher zu machen.

In einem Interview beklagte der Designer Philippe Starck, dass alles was er geschaffen habe, im Grunde nutzlos war – und das Design eigentlich völlig sinnlos ist. Haben Sie dieses Gefühl auch manchmal?

Ich sehe überall sehr viel sinnloses und nutzloses Design. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Arbeiten von Philippe Starck dazu zählen würde. Aber grundsätzlich: Ich hasse das Wort "Design"! Es wird zu oft missbraucht. Es wird oft für Dinge gebraucht, die kein gutes Design sind.

Wenn Sie das Wort Design hassen, wie würden Sie dann Ihre Beschäftigung nennen?

Ich versuche gute industrielle Formen herzustellen. Mein Ziel ist es, Menschen Freiheit zu geben. Und dass sie ihren Raum selbst gestalten können – und dabei auch stets die Möglichkeit haben, ihn selbst zu verändern. Normalerweise kommt der Wandel von außen. Und Menschen wollen Freiheit, das gilt für politische Systeme wie auch für den Alltag. Menschen wollen keine Beschränkungen. Natürlich braucht man dann trotzdem seine eigenen Grenzen, die in der Religion oder Kultur verankert sind. Aber darum geht es mir: Ich will den Menschen freie Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Und gutes Design braucht Ehrlichkeit und Respekt. Respekt vor deinem Kunden, vor dem Konsumenten, vor der Umwelt, für deine Mitarbeiter, für deine Zulieferer.

Was zeichnet eine gute industrielle Form noch aus?

Wenn man das nicht sofort erkennt, dann wird sie in zehn Jahren vergessen sein. Es muss das besondere Etwas geben, dass man nicht erklären kann, das einen aber einfach glücklich und zufrieden macht.

Ihre große Leidenschaft ist Kunst. Was bedeutet Kunst für Sie?

Kunst ist Inspiration. Kunst ist so wichtig wie Brot und Butter. Man kann ohne Kunst nicht leben. Menschen haben schon immer Kunst gemacht.

Sie arbeiten auch viel mit Künstler zusammen. Wie sieht so eine Kooperation aus?

Ich unterstütze Künstler, interveniere aber nie in den künstlerischen Prozess. Viele nutzen meine Fabrik für ihre Arbeiten und ich organisiere Ausstellungen wie die "Montana ARTour". Aber Montana ist dabei nur das Medium für die Künstler, so wie eine Leinwand oder Ton.

Was ist der Unterschied zwischen Kunst und Design?

Kunstwerke sind Unikate. Designstücke sind reproduzierbar. Und vor allem hat Kunst keinen funktionalen Zweck. Design hat den Zweck das Leben der Menschen zu vereinfachen. Kunst bewirkt oft das genaue Gegenteil. Gute Kunst macht nachdenklich, verunsichert, gibt Energie und macht frei!

"Montana ARTour"

Termin: bis 12. Mai, Stilwerk, Berlin.
http://www.stilwerk.de/stilwerk-news/B_Montana.php

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