Herbert Bayer - Berlin

Erst hofiert, dann verfemt

Das Bauhaus-Archiv folgt den verwirrenden Lebensspuren des Bauhaus-Lehrers Herbert Bayer (1900 bis 1985).

NS-Propagandist und "Entarteter" zugleich – die Biografie des Herbert Bayer ist geprägt von Sprüngen, Gegensätzen und Ungereimtheiten. Dass der ehemalige Bauhaus-Lehrer mit seiner revolutionären, modernen Auffassung von Werbegrafik ein genialer Designer war, ein Wegbereiter der visuellen Kommunikation, ist Grund genug für eine Ausstellung, wie sie jetzt das Berliner Bauhaus-Archiv zeigt.

Daneben aber hatte Bayer seine Fähigkeiten auch für die Propaganda des NS-Regimes eingesetzt: An der Trilogie der NS-Großausstellungen – "Deutsches Volk, deutsche Arbeit" (1934), "Das Wunder des Lebens" (1935) und "Deutschland" (1936) – war Bayer jeweils durch Broschüren und Drucksachen beteiligt. Auch für "Die Kamera – Ausstellung für Fotografie, Druck und Reproduktion" (1933), die ursprünglich vom Deutschen Werkbund geplant war, die sich dann aber Reichspropagandaminister Joseph Goebbels als Schirmherr aneignete.

Patrick Rössler, Professor an der Universität Erfurt und Gastkurator der Berliner Ausstellung "mein reklame-fegefeuer", verschweigt diese Seite Bayers nicht; die Ausstellung soll sich "kritisch, aber ohne selbstgerecht zu werden, mit seinem Schaffen und seiner Person" auseinandersetzen. Nicht nur für ihn ist Bayer ein "wichtiger Teil der kulturellen Vielfalt Berlins". Er habe "aus heutiger Sicht Beiträge zum künstlerischen Grafik-Design" geleistet, die "ihrer Zeit weit voraus waren". Zeitgenössische Strömungen wie Konstruktivismus oder Surrealismus flossen in Bayers prägnanten Entwürfe für Bücher, Plakate, Kataloge oder Werbebotschaften ein. Auch in seine Fotografien: So ist sein Selbstporträt von 1932 purster Surrealismus. Die ebenfalls surreal wirkende Fotografie "Lonely Metropolitan" erzielte im Dezember 2012 bei einer Versteigerung von Sotheby's den neuen Rekordpreis von 1,5 Millionen Dollar

Bayer, der Entwerfer mit seinen modernen Ideen, wurde erst geschätzt und fiel dann in Ungnade. Patrick Rössler weiß, warum. Das NS-Regime vernichtete "nicht nur durch seine Repressalien die Breite des kulturellen und intellektuellen Lebens", so der Professor für Empirische Kommunikationsforschung, sondern erlaubte "einen begrenzten künstlerischen Spielraum", um der "noch im Land verbliebenen Elite zumindest eine Scheinvielfalt vorzugaukeln". Die "moderne Bildsprache war, wenn sie sich für die eigenen Ziele einsetzen ließ", den Machthabern willkommen. Dabei gelang es Bayer immer wieder, "den Nazis mit seinen Entwürfen ein Stück Bauhaus unterzujubeln" (Rössler).

1937 wurden Bayers Arbeiten in der Nazi-Ausstellung "Entartete Kunst" in München ausgestellt. 1937 reiste er zum ersten Mal in die USA, 1938 emigrierte er nach New York und organisierte mit Walter und Ilse Gropius im Museum of Modern Art die Ausstellung "Bauhaus 1919–28". 1946 ließ er sich als Bildhauer, Architekt und Landschaftsgestalter in Aspen/Colorado nieder. Bayer war 1964 Teilnehmer der documenta III, 1988 organisierte er die Ausstellung "50 Jahre Bauhaus" für den Stuttgarter Kunstverein.

mein reklame-fegefeuer

Bauhaus-Archiv Berlin
bis 24. Februar 2014
http://www.bauhaus.de/museum/sonderausstellungen_2013.html

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