Ettore Sottsass

Ein Mann der Farbe

Mit seinen unkonventionellen Entwürfen in grellen Farben und Mustern prägte er den Look der achziger Jahre: Ettore Sottsass, der berühmte »Memphis«-Gestalter, hat ein enorm vielfältiges Werk hinterlassen

Er war ein Mann der Farbe. Ettore Sottsass (1917 bis 2007) wurde bekannt durch seine poppig bunten, mit Mustern überzogenen Möbel. Doch diese frechen, fantasievollen Entwürfe für die berühmte "Memphis"-Gruppe, die der österreichisch-italienische Designer 1980 gründete, waren nur eine Facette im Werk des Gestalters. "Er war ein Universaldesigner, sein Œuvre ist extrem vielschichtig", sagt Heng Zhi. Die Kuratorin des Vitra Design Museums in Weil am Rhein widmet Sottsass eine Ausstellung, die dessen enorme Vielseitigkeit vorführen will.

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"Selbst wenn man nur seine Möbel herausgreift, ist man erstaunt, welch unterschiedliche Handschriften sie aufweisen. Sottsass durchlief verschiedene Phasen mit zum Teil konträren Perioden." Neben Möbeln entwarf er auch industrielle Produkte: So gestaltete er für den Bürohersteller Olivetti Schreibmaschinen und das Büro­system Synthesis (1973). "Sottsass hat hier sehr systematisch gedacht, sehr industriell", erklärt Heng Zhi. "Er meinte, dass man nicht nur Einzel­objekte, sondern den gesamten Raum für den arbeitenden Menschen gestalten sollte." Zu den frühen Entwürfen des Ausnahmedesigners, die in Weil am Rhein zu sehen sind, zählt der Mitte der Sechziger entstandene elegant geschwungene zweifarbige Tisch Rocchettone, den er für den italienischen Hersteller Poltronova erdacht hat. In den folgenden Jahren widmete sich Sottsass dann dem "Radical Design", das mit unkonventionellen, teils utopischen Ideen gegen den Funktionalismus und den etablierten Geschmack aufbegehrte.

»Den Modernismus hinterfragen«

"Er stellte modernistische An­sätze infrage", sagt Heng Zhi – wie bei dem Sofa Tappeto Volante (1974), das an einen fliegenden Teppich erinnert. Der originelle, zum Teil gemusterte Stuhl Seggiolina da Pranzo vom Ende der siebziger Jahre lässt dann bereits "Memphis" ahnen: Schon vor der Gründung der Designgruppe 1980 entwickelte Sottsass Bacterio, ein Muster, mit dem er, so die Kuratorin, "die verschiedenen Oberflächen wie mit einem Bakterium kontaminieren wollte – um so die Grenzen zwischen Oberfläche und Struktur aufzulösen". Dieses Muster findet sich auch auf dem Sockel seiner 1981 kreierten berühmten "Memphis"-Lampe Tahiti. Trotz solcher Verbindungen habe man bei den Entwürfen von Ettore Sottsass aber mitunter den Eindruck, "dass unterschiedliche Designer am Werk waren", urteilt Expertin Heng Zhi. So mannigfaltig sei seine Arbeit. Derzeit kann man in Venedig noch eine weitere Facette des vielseitigen Designers bestaunen: Die Fondazione Giorgio Cini auf der Insel San Giorgio Maggiore zeigt noch bis zum 30. Juli seine Glas-Entwürfe.

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