Erfindungen im Museum des Scheiterns

Missraten, gefloppt, peinlich

Was haben ein Kugelschreiber für Frauen, die Datenbrille Google Glass und ein Donald-Trump-Spiel gemeinsam? Die Produkte waren Riesen-Flops. Ein Museum in Schweden stellt gescheiterte Erfindungen zur Schau.
Missraten, gefloppt, peinlich

"Zu Trumps gescheiterten Ideen hätte ich ein eigenes Museum machen können". Das Brettspiel "Trump: The Game" war ein absoluter Ladenhüter.

Manche Erfindungen sind zu schön, um wahr zu sein. Fettfreie Chips zum Beispiel. Wer wünscht sich nicht, die sündige Knabberei ganz ohne Gewissensbisse zu genießen? Im Gesundheitswahn der neunziger Jahre wurde der Zusatzstoff Olestra zum Hit, der Kalorienzählen überflüssig machte. Allerdings nur ganz kurz. Denn der Stoff hatte unangenehme Nebenwirkungen. "Das Problem war, dass man Durchfall davon bekam", erzählt Samuel West. "Wenn du eine ganze Dose fettfreie Pringles gegessen hast, hast du danach eine Weile auf der Toilette festgesessen." In seinem "Museum des Scheiterns" in Südschweden zeigt West seit Mittwoch rund 70 gefloppte Erfindungen.

"Ich hatte genug von all den Erfolgsgeschichten", sagt der Kurator mit isländisch-amerikanischen Wurzeln der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist wichtig, Scheitern zu akzeptieren. Daraus können wir viel lernen." 80 bis 90 Prozent aller Erfindungen, sagt West, seien Flops. Vor allem große Unternehmen kehrten das gern unter den Teppich. Viele von ihnen hat der gelernte Psychologe für sein Museum kontaktiert. Niemand habe aber mit ihm sprechen wollen, sagt er.

Dabei hätte West wirklich gern gewusst, was sich die Unternehmen bei manchen Erfindungen nur gedacht haben. Bei dem Kugelschreiber der Firma BIC nur für Frauen - in lila und pink, mit Glitzer verziert. "Warum? Weil Frauen keine normalen Kugelschreiber benutzen können?" Bei der Puppe, die über Stimmerkennung mit Kindern spricht und die Daten aus dem Kinderzimmer in US-Marketingzentralen weiterschickt. "Ist das nicht unheimlich?" Oder bei der Datenbrille Google Glass mit eingebauter Kamera. "Restaurants in San Francisco hatten eine Zeit lang Schilder an ihren Türen: "Keine Hunde, kein Google Glass".

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Der Zahnpasta-Hersteller Colgate hielt es in den 80er Jahren für eine gute Idee, den Markt der Tiefkühlgerichte zu erobern. Was für ein Fehlschlag! "Die Leute haben sich gefragt: Schmeckt das jetzt nach Zahnpasta?", erzählt West. Auch das säuerliche Harley-Davidson-Parfüm kam bei Motorradfans nicht gut an, genau wie ein Donald-Trump-Brettspiel zum Ladenhüter wurde. "Zu Trumps gescheiterten Ideen hätte ich ein eigenes Museum machen können", sagt der Kurator. "Trump-Wodka, Trump-Universität, Trump-Steaks..."

Missraten, gefloppt, peinlich

"Beef Lasagne" von Colgate

Während manche Erfindungen nicht den Geschmack der Masse trafen, stellten sich andere als Schwindeleien heraus. Ein skandinavisches Forschungslabor machte erstaunlich vielen Hundehaltern vor einigen Jahren weis, dass sie das Bellen ihres Vierbeiners mit Hilfe eines Kopfhörers in Menschensprache übersetzen könnten, erzählt West. "Es hört sich total dämlich an, aber die Leute haben es echt geglaubt."

Missraten, gefloppt, peinlich

"Albernes Spielzeug für Touristen": Segway

Nicht alle der Produkte, die West gemeinsam mit seinem Designer zum größten Teil selbst gesammelt hat, sind völlig in der Versenkung verschwunden. Auf einem Podest thront das elektrische Transportmittel Segway. Als es vorgestellt wurde, seien die Erwartungen riesengroß gewesen, sagt der 43-Jährige: "Es sollte das Auto und das Fahrrad ablösen. Heute ist es nur noch ein albernes Spielzeug für Touristen."

Unter Wests Exponaten sind auch viele technische Geräte, die sich nicht durchsetzen konnten. Kurz vor dem VHS-Rekorder brachte der Elektronikkonzern Sony 1975 den Konkurrenten Betamax auf den Markt. "Es war das bessere Produkt", sagt West. Aber Sony weigerte sich, Lizenzen an andere Firmen zu verteilen, während sich die Konkurrenzfirma JVC schnell ein Netzwerk an Partnern aufbaute und seinen Kunden mehr Filme im Format anbieten konnte.

"Sony lernte aber aus dem Fehler", erzählt West. "Beim Herausbringen der CD schloss sich der Konzern mit der Musikindustrie zusammen." Mit der MiniDisc erlebte das Unternehmen später allerdings noch einmal einen Flop. Neben CDs hatten die winzigen Scheiben keine Chance. "Es gab auf dem Markt zu viele Formate zur Auswahl", sagt der Kurator.

In seinem "Museum des Scheiterns" will West nicht nur Flops ausstellen, sondern im Sommer auch zu Abendveranstaltungen einladen, bei denen Gäste zum Beispiel ein fehlgeschlagenes Gourmet-Menü probieren oder einem Konzert mit gescheiterter Musik lauschen können. Eine deutsche Erfindung fehlt ihm für seine Sammlung bislang noch.