Interview mit Katerina Kamprani

Wenn Design weh tut

Gummistiefel mit Zehenfreiheit und Salzstreuer mit Sanduhr-Silhouette: Die griechische Designerin Katerina Kamprani manipuliert in ihrem Projekt "The Uncomfortable" Alltagsgegenstände so, dass sie ihren Nutzen verlieren. Für den Betrachter fühlt sich das erstaunlich unbequem an. Die Unbehaglichkeit kann sich manchmal bis zu echter Wut steigern – hauptsächlich sorgt der virale Hit aber für Heiterkeit. Ein Interview über Benutzerfreundlichkeit, Gießkannen mit Eigenleben und Wutkommentare im Social Web.
Wenn Design weh tut

Objekt mit Eigenleben von Katerina Kamprani: "The Uncomfortable"

Wie kommt man auf die Idee, nutzlose Alltagsgegenstände zu entwerfen?

Ich habe eine Leidenschaft für Design. Nachdem ich einige Jahre als Architektin arbeitete, beschloss ich, einen Master in Industriedesign zu machen. Allerdings habe ich nach der Hälfte der Zeit abgebrochen – vielleicht ist das Grund warum ich letztlich zum Designen nutzloser Objekte gekommen bin. Ich denke, dass all die Dinge, die ich in dieser Zeit über die Interaktion zwischen Benutzer und Produkt und Anwenderfreundlichkeit gelernt habe, mich dazu inspiriert haben, genau das Gegenteil zu machen.

Was war denn Ihre Intention, als Sie mit "The Uncomfortable" begannen? Wollten Sie Menschen zum Lachen bringen oder tatsächlich Unbehaglichkeit provozieren?

Wahrscheinlich wollte ich zuerst mich selbst zum Lachen bringen. Ich habe das Projekt in einer für mich schwierigen Lebensphase begonnen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Traum aufgegeben, jemals etwas anderes sein zu können als Architektin und kreativer und freier zu arbeiten. Die erste Idee für ein Uncomfortable-Objekt brachte mich also selbst zum Lachen. Ich habe dann schnell Spaß an dieser Art zu denken gefunden.

Wie reagieren Andere auf Ihre Objekte?

Einige Menschen lachen, andere werden richtig wütend. Ich liebe es, wenn die Leute online böse werden! Ich finde es faszinierend, dass ein einfaches Bild so viel Ärger verursachen kann.

Ihr Projekt wurde eine viraler Hit und bekam viel Aufmerksamkeit. Was glauben Sie macht die Idee so erfolgreich?

Es liegt wohl zum großen Teil daran, dass es simpel, leicht verdaulich und lustig ist. Die Objekte sind so universell, dass jeder den Witz versteht. Sie sind designt, um zu überraschen – das ist ein Schlüssel zum Erfolg im Internet. Mir begegnen mittlerweile fast täglich ähnliche Projekte in den sozialen Netzwerken. Dinge neu zu gestalten oder zu manipulieren ist gerade sehr beliebt.

Wenn Design weh tut

Katerina Kamprani mit einem ihrer Designobjekte

Die meisten Ihrer Designs sind digitale Objekte oder kleine 3D-Prints. Haben Sie je darüber nachgedacht, eine maßstabgetreue Version herzustellen?

Am Anfang von "The Uncomfortable" hatte ich kein Geld, um echte maßstabgetreue Gegenstände herzustellen. Design ist leider ein sehr teures Hobby. Aber momentan bereite ich meine erste Soloausstellung vor, für die ich auch maßstabgetreue Objekte produziere. Es ist fantastisch, meine eigenen Designs in den Händen zu halten.

Wie sieht der Designprozess aus? Arbeiten Sie zum Beispiel mit Fotos oder Skizzen?

Es gibt ein paar Regeln, denen ich bei jedem Objekt folge. Zuerst versuche ich, das Original zu analysieren und überlege, wie ich einfache Schritte in der Interaktion zwischen Benutzer und Produkt sabotieren könnte. Hin und wieder mache ich ein paar Skizzen, aber das ist kein großer Teil meines Arbeitsprozesses. Wenn ich eine gute Idee habe, die mich zum lachen bringt, dann recherchiere ich nach einem Archetypen des Produkts mit einer Form, die jeder erkennt und mir gefällt. Dann entwerfe ich das meiste mit einem 3D-Programm.

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Haben Sie ein Lieblingsobjekt?

Mein Favorit ist die Gießkanne. Obwohl es keine Absicht war, kommt es mir so vor, als ob sie eine eigene Persönlichkeit besitzt. Sie blickt auf sich selbst zurück, wie eine in sich gekehrte Gießkanne – oder eine, die das Blumengießen verweigert.

Design steht immer in Verbindung mit einem bestimmten Nutzen und soll das Leben im besten Fall erleichtern. Das ist der größte Unterschied zur Kunst. Ihre Objekte tun das nicht. Sehen Sie sich selbst als Designerin oder als Künstlerin?

Ich tue mich selbst schwer damit, eine Antwort darauf zu finden. Ich denke ich sehe mich eher als Designerin, weil es dem näher kommt, was ich studiert habe. Aber vielleicht bin ich im Herzen doch mehr Künstlerin. Es ist schwer, das konkret zu benennen.

Arbeiten Sie momentan an neuen Objekten und wann wird die Ausstellung stattfinden?

Meine erste Soloausstellung wird Teil der Zagreb Design Week vom 9. bis zum 14. Mai sein. Dort werde ich zwei neue Objekte, aber hauptsächlich meine Lieblingsobjekte in Lebensgröße zeige. Ich habe sehr intensiv daran gearbeitet alles fertig zu bekommen und kann es kaum erwarten, alle Objekte zusammen zu sehen!

Katerina Kamprani

The Uncomfortable auf Facebook

Webseite: www.kkstudio.gr

Kontakt: k.kamprani@gmail.com

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