Ausstellung »Hello, Robot« in Wheil am Rhein

Die Tyrannei der Gabel

Auch eine Frage des Designs: Die Ausstellung "Hello, Robot" im Vitra-Design-Museum in Weil ist ein Streifzug durch 
die Welt der Roboter und intelligenten Systeme.
Die Tyrannei der Gabel

Yves Gellie: "Human Version 2.07 Nexi", 2009

Was tun, wenn die Kaffeemaschine nachts ungebeten Kaffee ausspuckt? Dann ist eine strenge Lektion angesagt. Das Designerkollektiv automato.farm aus Shanghai spielt in seinem Kurzfilm "Teacher of Algorithms" durch, wie renitente Geräte zur Raison gebracht werden: Ein Algorithmuslehrer dressiert Saugroboter mit Trainingsdreck oder erzieht Ventilatoren per Bestrafungsknopf. Schöne neue Welt?

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Das Vitra-Design-Museum in Weil am Rhein wirft einen Blick in die Zukunft, die längst real geworden ist. "Hello, Robot" nennt sich die Ausstellung, die sich dem Roboter widmet, wobei die Kuratorin Amelie Klein gleich mit einem Vorurteil aufräumt: "Unsere Vorstellungen von Robotern sind stark von der Populärkultur geprägt", sagt sie, "wir erwarten ein Alter Ego."

Die Tyrannei der Gabel

ABB Ltd: "YuMi®, dual-arm industrial robot", 2015

Die Schau zeigt dagegen die große Vielfalt der intelligenten Systeme: Roboter aus dem Wohnbereich, aus Industrie oder Medizin, aber auch Medieninstallationen, Kunst und Computerspiele. Dazu kommen zahlreiche Ausschnitte aus Filmen wie Stanley Kubricks "A Space Odyssey" oder "Metropolis" von Fritz Lang, zu dem auch eines der letzten Originalplakate zu sehen sein wird. Historische Fotografien erinnern an eine Inszenierung von Karel Capeks Theaterstück "R.U.R." 1922 in New York – auf das der Begriff Roboter zurückgeht.

Das neueste Gerät, das in Weil präsentiert wird, ist der gelehrige Roboter "Yumi", der Handgriffe ausführt, die man ihm zeigt. Ausstellungsbesucher können auch mit einem Chatbot, einem Dialogsystem, live plaudern oder "Amazon Echo" anleiten, ein Audiogerät, das auf Sprachbefehle reagiert, dabei aber sämtliche Äußerungen speichert. Das Entscheidende am Roboter ist, dass er mit dem Nutzer interagiert, so Klein, deshalb beschränke sich Design dabei nicht mehr auf die Form, sondern gestalte auch die Beziehung zwischen Mensch und Maschine.

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Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem MAK – Österreichisches Museum für Angewandte Kunst in Wien und dem Design Museum Gent entstanden ist, will die intelligenten Systeme nicht verurteilen, wirft aber Fragen auf, die in Form von Leuchtobjekten von der Decke hängen: "Könnte der Roboter Ihren Beruf übernehmen?" steht beispielsweise über der Sektion geschrieben, in der ein Industrieroboter eigenständig Manifeste schreibt. Durch die Verbreitung von Robotern werde Design auch zu einer gesellschaftspolitischen Frage, meint Amelie Klein. "Es ergibt sich eine neue Verantwortung für Designer."

Das Londoner Studio Superflux geht in jedem Fall mit Skepsis und Witz ans Werk. In seinem Kurzfilm "Uninvited Guests" bekommt ein Rentner eine intelligente Gabel für gesundes Essen geschenkt, die den Senior so lange tyrannisiert, bis er sie überlistet: Während er mit der smarten Gabel hin und wieder im Gemüse herumstochert, isst er genüsslich Pommes und Grillhähnchen.

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